100. Geburtstag von Hitler

BRAUNAU. Viele Gerüchte eilen dem 20. April, dem 100sten Geburtstag von Adolf Hitler, voraus. Doch die meisten dieser Stammtischplaudereien erweisen sich als Tratsch. Schon seit Wochen erzählen sich die Braunauer, die Hotels und Gasthäuser der Bezirksstadt seien am 20. April ausgebucht. Weiters wissen viele Gespräche von mehreren Demonstrationen an dem besagten Tag. Teilnehmerzahl: 3.000 bis 30.000.

Die Redaktion ging diesen Gerüchten nach und stieß auf ein beinahe erwartetes Ergebnis: keine ausgebuchten Hotels, keine Demonstrationen mit 30.000 Teilnehmern. Dennoch meinte Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Harald Klinger gegenüber der Braunauer Rundschau: „Natürlich nehmen wir diesen Termin sehr ernst. Sollte es nämlich tatsächlich zu Zwischenfällen am 20. April kommen, würde dies für Braunau, aber auch für ganz Österreich einen enormen Schaden nach sich ziehen.“

Der Bezirkshauptmann spielt dabei auf jene in- und ausländischen Journalisten an, die für 20. April in Braunau anwesend sein werden. Die bestätigen auch die Braunauer Gastwirte. Anna Peterlechner (Schüdlbauer): „Bei uns haben sich ein deutscher und ein amerikanischer Journalist angemeldet. Aber ausgebucht sind wir an diesem Tag noch nicht.“ Else Wohlschläger: „Bei uns liegt eine Reservierung eines deutschen Journalisten vor.“ Kommerzialrat Heinz Hannak: „Kein einziger Journalist hat bisher für unser Haus ein Zimmer für 20. April bestellt.“ Auch im Braunauer Fremdenverkehrsbüro wissen die dort Beschäftigten derzeit noch nichts von einem großen Ansturm anlässlich des 100sten Geburtstages von Adolf Hitler.

Bezüglich vermeintlicher Demonstrationen gibt Bezirkshauptmann Dr. Klinger klare Auskunft: „Seit längerer Zeit liegt die Anmeldung der Hochschülerschaft aus Wien vor, am 20. April eine antifaschistische Demonstration in Braunau abzuhalten.“ In den nächsten Tagen erwartet der Bezirkshauptmann die Teilnehmerzahl dieser Kundgebung.

Eine konkrete Maßnahme rund um den Jubiläumsgeburtstag kündigte der Braunauer Bürgermeister Gerhard Skiba gegenüber der Redaktion an. Die Stadtgemeinde wird in den nächsten Tagen einen Gedenkstein unmittelbar vor dem Geburtshaus von Adolf Hitler aufstellen. In dem aus dem Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen stammenden Granitblockes wird folgende Inschrift eingemeißelt: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie – Nie wieder Faschismus – Millionen Tode mahnen.“

Für Bürgermeister Skiba soll der Stein als Mahnung, Bekenntnis und Aufruf gelten, wachsam und entschlossen zu sein, aufkkeimenden Neonazismus und allen anderen die Demokratie gefährdenden Absichten entgegenzuwirken. Eine offizielle Enthüllung des Steines ist nicht vorgesehen. Die schon vor einigen Jahren angefertigte Mahntafel wird weiterhin unter Verschluß bleiben und wartet so auf eine sinnvolle Verwendung.

Braunauer Rundschau
https://de.wikipedia.org/wiki/Braunauer_Rundschau

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