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auslandsdienst.at - Verein für Dienste im Ausland nach § 12b ZivildienstgesetzDr. Jan Hlousek bei den Braunauer Zeitgeschichte-Tagen 2000



Am 3. Tag der Braunauer Zeitgeschichte-Tage trafen einander Dr. Jan Hlousek (Diplomat, Leiter des Referates für deutschsprachige Länder im Außenministerium der Tschechischen Republik) und Mag. Josef Mühlbachler (Bürgermeister der Stadt Freistadt, Abgeordneter zum Nationalrat, ÖVP-Vertriebenensprecher).

Zur Sprache kamen aktuelle Themen wie die Errichtung des AKW Temelín, die Beneš-Dekrete, die Beteiligung der Tschechischen Republik an den EU-Sanktionen gegen Österreich und der Wille, gute nachbarschaftliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, um gemeinsam zu einer Lösung solcher Probleme zu finden.

Eklatante Fehler habe es auf beiden Seiten gegeben. Mag. Mühlbachler forderte, man solle gemeinsame Geschichtsforschung betreiben, um dann gemeinsam sprechen zu können. Schließlich sei das Ziel der Aufbau eines geeinten Europa. Auch Dr. Hlousek betonte die Wichtigkeit der tschechisch-österreichischen Grenze für die Zukunft der EU.

Quellen der jeweiligen Einschätzung des Nachbarn seien oft mangelnde Information. Es müsse zunächst eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen werden. Mag. Mühlbachler meinte, man müsse insbesondere zeigen, daß Ängste des Nachbarn ernst genommen werden. Der Problemfall Temelín solle diesbezüglich als Lehre für die Zukunft dienen. Umgekehrt gäbe es aber bereits Beispiele für Zusammenarbeit, auch im Bereich der alternativen Energiegewinnung.

Dr. Hlousek führte aus, daß das Problem der Beneš-Dekrete zunächst eine moralpolitische, erst dann eine juristische Frage sei. Gibt es individuelle und kollektive Schuld oder nur individuelle Schuld und kollektive Haftung? Es müsse sowohl die Mittäterschaft der Sudetendeutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus als auch deren Vertreibung ab 1945 historisch aufgearbeitet werden. Einig war man sich darin, daß die Restitution von Gütern keine Lösung sein könne. Man müsse realistisch und erfolgversprechend diskutieren, um in der Vergangenheit aufgebaute Barrieren zu eliminieren.

Auf die Frage von Dr. Andreas Maislinger, ob in der Wahrnehmung der Tschechen die Zusammenarbeit mit österreichischen Vertriebenvertretern schwieriger erscheine als mit deutschen meinte Dr. Hlousek, daß man in der Tat eine mangelnde Gesprächsbereitschaft bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich spüre und daß eine engere Bindung an die Rechtsszene gesehen werde. Aus dem Publikum meldeten sich Stimmen, die diese Wahrnehmung darauf zurückführten, daß Aussagen von Einzelpersonen die Vertriebenen in ein falsches Licht rückten. Mag. Mühlbachler meinte auch, daß oft versucht würde, die Vertriebenen zu instrumentalisieren.

Weitere Themen waren unter anderem die Frage deutscher Zwangsarbeiter in Tschechien und die Möglichkeit eines österreichisch-tschechischen Zukunftsfonds, um gemeinsame Projekte zu fördern.

Alle Beteiligten waren sich einig, daß eine gemeinsame Zukunft nur im Dialog und in der gemeinsamen Aufarbeitung der Vergangenheit liegen könne.

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