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auslandsdienst.at - Verein für Dienste im Ausland nach § 12b ZivildienstgesetzAlan Levy bei den Braunauer Zeitgeschichte-Tagen 2000



Alan Levy, Chefredakteur der Prague Post, schilderte in Anekdoten seine Erfahrungen (Originaltext von Alan Levy)als Jude in Wien, wo er von 1971 bis 1990 mit seiner Frau lebte.

Als gebürtiger New Yorker konnte er zunächst nur Positives finden: das beste Wasser der Welt, sichere Straßen, gute Schulen, eine reine Luft, keine Slums... All das in einem Land, in dem Bruno Kreisky als erster jüdischer Bundeskanzler regierte.

Am 9. November 1973 erscheint allerdings im Kurier ein Artikel, der in Alan Levy zum „Erwachen“ führt: „Sind 70% Antisemiten?“ Eine Umfrage eines Linzer Sozialforschungsinstituts hatte ergeben, daß nur 30% der Österreicher ohne antijüdische Neigungen sind. Wie konnte Levy das übersehen haben? War er blind gewesen?

Von da an beginnt er, die Stadt, in der er lebt, genauer zu beobachten. Wien verlassen will er nicht, aber die Zeichen erkennen. Seine Ausführungen führen vom Antisemitismus im Alltag über die Sprache („Saujud“), die unaufgearbeite Vergangenheit (Schulbücher der 70er Jahre, zähe bis gar keine Entschädigung für arisierte Wohnungen), das Verhältnis von Bruno Kreisky zum Judentum und zu ehemaligen Nationalsozialisten bis zum heutigen Fremdenhaß.

Bei einer Beratung mit dem Psychiater Dr. Richard S. Reamer wird sich Alan Levy dessen bewußt, daß er aufgrund der Kurier-Schlagzeile plötzlich mit seiner eigenen kulturellen Identität konfrontiert ist. Wie unterschiedlich man damit umgehen kann, zeigt ein langes Gespräch, das er mit Bruno Kreisky führte, in dem auch die verschiedenen Auffassungen über Antisemitismus zutage traten. Dazu gibt Levy am Ende des Vortrages noch eine persönliche Definition: Ein Antisemit wäre jemand, der ihn zuerst als Juden und erst dann als Individuum betrachte.

Dr. Andreas Maislinger fragte, ob Alan Levys Erfahrungen in Prag anders seien. Levy meinte, er habe in 9 Jahren nur 12 antisemitische Briefe erhalten, die meist nicht von Pragern stammten.

Aus dem Publikum meldete sich eine Dame, die die Anekdoten relativierte: sie selbst sei im 7. Wiener Bezirk aufgewachsen und sehe eine offene Atmosphäre, in der zwischenkulturelle Kommunikation stattfinde und in der versucht werde, mit der eigenen Vergangenheit ins Reine zu kommen.

Alan Levy räumte ein, daß er kein Gesamtbild gezeichnet habe, sondern sich lediglich auf seine persönlichen Erfahrungen als Jude in Wien konzentriert habe.

Auf die Frage, ob es heute besser wäre, antwortete Levy, er glaube schon, er gebe aber zu, die Entwicklungen von Prag aus mit einiger Distanz zu verfolgen.

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