Braunau: Mahnmal vor dem Hitler-Haus

Vergangenheitsaufarbeitung nach langer Verzögerung. 44 Jahre nach der Befreiung wurde endlich ein antifaschistisches Mahnmal errichtet.

Eigentlich wäre es selbstverständlich gewesen, dass schon bald nach der Befreiung im Jahre 1945 am sogenannten Hitler-Haus, am oder vor dem „Geburtshaus des Führers“ ein antifaschistisches Mahnmal errichtet worden wäre, nachdem die Kriegsgreuel und die Millionen Toten, die der Hitler-Krieg und die Hitler-Herrschaft gekostet haben, noch in grausam frischer Erinnerung waren. Es hat jedoch 44 Jahre lang gedauert, bis diese Selbstverständlichkeit endlich Wirklichkeit wurde.

Das jahrzentelange Versäumnis hängt damit zusammen, dass ÖVP und SPÖ ja zunächst jahrelang um die Nazistimmen buhlten und dass es auch Auffassungen gab, mit Hitler werde es ebenso sein wie mit Napoleon und dass man dann als Stadt mit einem „berühmten Denkmal“ noch viel Geld verdienen werden könne. So wurde als das Hitler-Haus offiziell zunächst „ignoriert“.

Neonazi provozieren

1979 provozierten ANR-Neonazi bereits beim Hitler-Haus, und nun war es wohl allen, auch wenn sie auf beiden Seiten politisch blind waren, bewußt, dass diese Provokationen weiterwuchern werden und Braunau dadurch in der Welt einen äußerst fatalen Ruf erhalten müsste.

Ein überparteiliches Personenkomitee für Frieden und Antifaschismus forderte die Anbringung einer mahnenden Inschrift am Hitler-Haus. Bereits 1979 war ein Transparent am Haus befestigt: „Nie wieder Faschismus!“, das von Bürgermeister Fuchs gegen den Willen der Bezirkshauptmannschaft genehmigt worden war.

1983 wurde dann im Gemeinderat die Anbringung einer Tafel am Hitler-Haus beschlossen. Die SPÖ wurde dabei von der Landes- und Bundespartei nur recht halbherzig unterstützt, wodurch neue reaktionäre Schachzüge ermöglicht wurden. Von allerlei Hintermännern wurde die Hauseigentümerin dazu gebracht, gerichtlich gegen die Mahntafel vorzugehen. Als Argument wurde „Besitzstörung“ angegeben, weil Demonstrationen und Beschädigungen zu befürchten wären. Die Eigentümerin hat allerdings nie in diesem Haus gelebt und sämtliche Reparaturen wurden von der Stadtgemeinde Braunau durchgeführt. Das Haus selbst hat die Republik als Hauptmieter, die das Gebäude an die Stadt Braunau untervermietet hat, von der es der Lebenshilfe für eine geschützte Werkstätte für Behinderte weitergegeben wurde. Obwohl das Argument der „Besitzstörung“ an den Haaren herbeigezogen war, gab das Kreisgericht Ried in bekannt reaktionärer Grundhaltung der Klage der Hauseigentümerin statt, und die Anbringung der Gedenktafel wurde auf diese Weise verhindert.

Ein gutes Geschäft

Finanzielle Zusammenhänge um dieses Haus sind recht interessant. Die Nazis kauften der Familie Pommer das Gebäude 1938 zum vierfachen Verkehrswert um 150.000 Reichsmark ab und sanierten es. Familie Pommer klagte nach dem Krieg auf Rückstellung nach dem gleichen Gesetz, mit dem die Rückstellung „arisierten“ Eigentums geregelt war, obwohl die Familie nicht zu diesem geschädigten Personenkreis gehörte, und merkwürdigerweise bekam sie auch recht und erhielt das Haus für 150.000 Schilling wieder zurück; das war wertmäßig etwa ein Zehntel des ursprünglichen Kaufpreises. Dazu erhielt die Familie auch noch einen zinsenfreien Kredit der Gemeinde Braunau. Dann wurde es durch die öffentliche Hand angemietet. Die Eigentümerin erhält derzeit rund 22.000 Schilling im Monat. So „besitzgestört“ möchte wohl mancher sein!

Als Gerhard Skiba sein Amt als neuer Braunauer Bürgermeister übernahm, versprach er mit einer eindeutigen Aktion die Meinung der demokratischen Mehrheit der Bevölkerung zur Vergangenheit zu demonstrieren. Schließlich ging es darum, Braunau von dem Odium der Hitler-Stadt zu befreien, und damit auch dem ohnehin schwer angeschlagenen Ruf Österreichs in der Welt zu dienen.

Am 5. April 1989 wurde unmittelbar vor dem Hitler-Haus ein Gedenkstein aufgestellt, der die Inschrift trägt:

„Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus, Millionen Tote mahnen.“ Der Gedenkstein ist so aufgestellt, dass photografierende Touristen fast zwangsläufig auch die Inschrift ins Bild bekommen.

Auf der dem Haus zugewandten Rückseite des Mahnmals befindet sich der Hinweis auf die Herkunft des Steines: Er stammt aus dem Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen und ist zugleich ein Symbol für das Leiden und tausendfältige Sterben in den Konzentrationslagern.

Die Errichtung des Mahnmals für die Opfer des Faschismus gerade vor diesem Haus ist einerseits ein Schlussstrich unter beschämende und schädliche Querelen, aber auch (hoffentlich) ein erster und schon längst überfällig gewesener Schritt in Richtung Vergangenheitsbewältigung.

Wolfgang Simböck
Volksstimme
http://www.kpoe.at/aktuell/volksstimme

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.