Braunau will „braunes Erbe“ nicht touristisch vermarkten

Zeitgeschichtstage in der Geburtsstadt Adolf Hitlers

Braunau. In Predappio, dem Geburtsort Mussolinis, blüht das Geschäft mit dem Duce, T-Shirts mit dem Konterfei des Faschisten-Führers verkaufen sich ebenso gut wie andere geschmacklose Souvenirs. Nicht anders ist es am Obersalzberg in Berchtesgaden, wo Hitler seinen inoffiziellen Regierungssitz hatte. Ein Kiosk auf dem Gelände der „Alpenfestung“ bietet massenhaft Broschüren an, die den Menschen Adolf Hitler ins „rechte“ Licht rücken. Hitler wird den Lesern als Tierfreund vorgestellt, als warmherziger Partner der Eva Braun, aber auch als begnadeter Maler. Die fragwürdige „Hofberichterstattung“, in denen die politischen Verbrechen Hitlers verschwiegen werden, findet reißenden Absatz.

Daß die Auseinandersetzung mit dem „unerwünschten Erbe“ auch anders geschehen kann, dafür liefert Braunau ein Beispiel. Die Bezirksstadt, die als Geburtsort Hitlers zu trauriger Berühmtheit gelangte, hat Ihre NS-Vergangenheit touristisch nie vermarktet. Als vor kurzem der neue Obmann des Braunauer Tourismusverbandes die Einrichtung eines Hitler-Museums vorschlug, stieß er mit diesem Verlangen bei den verantwortlichen Politikern auf taube Ohren.

Braunaus Bürgermeister Gerhard Skiba geht sogar noch einen Schritt weiter. Er tritt ernsthaft gegen den Rechtsextremismus ein und versucht der Grenzstadt Profil als Ort der Begegnung zu geben. Ein Beispiel dafür ist die Unterstützung der ersten Braunauer Zeitgeschichtstage, die am Sonntag Abend nach dreitägiger Dauer zu Ende gingen. Bei dieser vom Innsbrucker Universitätsassistenten Andreas Maislinger geleiteten Veranstaltung ging es um den angemessenen Umgang mit dem „unerwünschten Erbe“ des Nationalsozialismus. Vertreter von Orten, die wie Braunau mit dem Nationalsozialismus und Faschismus assoziiert werden, tauschten dabei ihre Erfahrungen aus.

Salzburger Nachrichten
http://www.salzburg.com

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