Braunaus „Erbe“ angezweifelt

Interview: Pfarrer Alois Dürlinger

BRAUNAU, MARIA ALM / Alois Dürlinger (44), Pfarrer im Salzburger Skiort Maria Alm, ist mit seinen Überlieferungen zu Hitlers Geburtsort in die Schlagzeilen geraten. „Das wollte ich gar nicht, die Sache hat für mich auch keine besondere Bedeutung“, rückt er im Rundschau-Interview mit Redaktionsleiter Reinhold Klika so manche Falschmeldung zurecht.

Warum haben Sie Ihr Wissen erst jetzt öffentlich gemacht und Ihre Vorgesetzten oder Historiker nicht schon vor zehn Jahren informiert?

Ich habe nichts öffentlich gemacht. Das ist eine Falschmeinung. Wahr ist: In den 80er-Jahren hat mir der Kapuziner-Pater Ubald diese Geschichte in einem Priesterseminar erzählt. Er sagte, ein Mitbruder von ihm sei Zeitzeuge gewesen. Ich habe dem aber keine Bedeutung beigemessen. Jahre später, bei einem Dekanatsausflug mit meinen Pongauer Kollegen, habe ich das einmal erzählt, als wir in der Nähe von Braunau waren. Einer meiner Kollegen kannte den Nürnberger Buchautor Egon Fein und wusste, dass dieser ein Hitler-Buch schreibt. Er hat ihn über meine Aussagen informiert. So ist die Geschichte ins Rollen gekommen. Persönlich hatte ich null Interesse an der Veröffentlichung und maß der Sache auch keine Bedeutung bei. Damals sind viele Kinder irgendwo, beispielsweise bei der Feldarbeit, auf die Welt gekommen. Da wurde kein großes Aufsehen gemacht. Außerdem habe ich auch keinen Bezug zu Braunau.

Die ganze These stützt sich auf die Aussagen des Kapuziner-Paters Ubald. Was wissen Sie über ihn? Wie glaubwürdig ist seine Überlieferung?

Pater Ubald war ein ruhiger, gesetzter Mensch und sehr glaubwürdig. Er selbst hat es von einem Mitbruder erfahren, der Zeitzeuge war. Das Ganze ist eine Überlieferung, beweisen kann man es nicht. Es ergibt auch null Logik, dass der Zeitzeuge das erfunden hätte.

Hunderte Historiker haben sich mit dem Leben des Diktators Adolf Hitler befasst, jedes noch so kleine Detail recherchiert. Wie erklären Sie sich, dass so ein Umstand – Geburt in Simbach, nicht in Braunau – so lange „unter dem Teppich“ geblieben ist?

Das ist eine spannende Frage, der man nachgehen sollte. Gab es nicht jemand, der davon wusste, die Hebamme kannte? Zeitzeugen gibt es leider nicht mehr. Aber vielleicht noch mehr Überlieferungen als nur jene von Pater Ubald, der ´92 gestorben ist.

Kommentar: Von Reinhold Klika (Redaktionsleiter der Braunauer Rundschau).

Millionenfach wanderte Hitlers „Mein Kampf“ über die Ladentische und damit auch die ersten Zeilen, die da lauten: „Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, daß das Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn zuwies…“ Und nun soll Braunau gar nicht die „Stadt des Führers“ sein, sondern Simbach? In „Mein Kampf“ schreibt Hitler weiter: „Nur wenig haftet aus dieser Zeit noch in meiner Erinnerung, denn schon nach wenigen Jahren mußte der Vater das liebgewonnene Grenzstädtchen (Braunau) wieder verlassen…“ Für Hitler selbst war Braunau sein Geburtstort. Simbach wird mit keiner Silbe erwähnt. Für die im neuen Hitler-Buch aufgestellte These fehlt jeglicher Beweis. Sie stützt sich lediglich auf Überlieferungen, die stimmen und genauso gut falsch sein können.

Schlussendlich ist es von marginaler Bedeutung, ob der spätere Diktator in einem Zollhaus oder in der Salzburger Vorstadt das Licht der Welt erblickt hat. Die große Frage ist vielmehr, wie wir heute mit seinem „Erbe“ umgehen. Auch wenn Hitler nicht in Braunau, sondern in Simbach geboren wäre, hätten wir die verdammte Pflicht, alles dafür zu tun, dass nie wieder solche Verbrecher heranwachsen. Darin liegt die eigentliche Aufgabe, nicht im Erforschen derartiger Details.

Bericht: Braunaus Erbe angezweifelt

BRAUNAU / Ein neues Hitler-Buch bringt die Geschichtsschreibung durch-einander. Der Nürnberger Historiker Egon Fein behauptet in seinem Werk „Hitlers Weg nach Nürnberg“, der Diktator sei am 20. April 1889 gar nicht in Braunau, sondern in Simbach (im Zollhaus) geboren worden, also auf deutschem Boden. Fein stützt sich auf Aussagen des Maria Almer Pfarrers Alois Dürlinger, der wiederum auf den 1992 verstorbenen Pater Ubald und dieser auf einen Zeitzeugen. „Die Überlieferung ist glaubwürdig, beweisen lässt sich aber nichts“, so Pfarrer Dürlinger zur Braunauer Rundschau. Auch wenn Hitlers Geburtsort Simbach wäre, bliebe er dennoch ein Österreicher, denn: Die Staatsangehörigkeit eines Kindes richtete sich schon 1889 nach jener der Eltern. Und die waren Österreicher. Braunaus Bürgermeister Gerhard Skiba misst der „Aufregung“ keine große Bedeutung bei: „Unsere Aufgabe ist und bleibt es, aktiv aufklärend zu wirken, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen. Da spielt es keine Rolle, ob wer 100 Meter vor oder nach der Innbrücke geboren wurde.“

Braunauer Rundschau
http://www.meinbezirk.at/oberoesterreich/braunau/

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