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Museum als Dankeschön Anna Rosmus über das große Glück Braunaus während der BesatzungszeitReportage von Barbara Ebner
Die Lebenshilfe zieht aus dem
Hitler-Haus in Braunau aus. Am
Kauf interessiert zeigt sich der
Österreichische Gedenkdienst.
Die Historikerin Anna Rosmus
sieht in der Errichtung eines
US-Veteranenmuseums nicht
nur eine Chance für den
Tourismus der Stadt Braunau,
sondern in erster Linie eine
bildende Instanz.

Bürgermeister Franz Stefan Karlinger begrüßte am 25. März 2006 US-Veteranen und Anna Rosmus in der
Stadt Enns. Foto: Anna Rosmus, Walhalla Finale. Verlag Dorfmeister
BRAUNAU. Durch einen Schulwettbewerb wurde Anna Rosmus mit 20
Jahren auf die Geschichte des Nationalsozialismus
in und rund um ihre
Heimatstadt Passau aufmerksam.
„Ich hatte davor keine Ahnung von
irgendwas, stürzte mich also regelrecht
ins Thema und hab seit daher
nie mehr aufgehört, in der Geschichte
zu graben“, so Rosmus. Durch ihre
Recherchen deckte sie zahlreiche
bekannte Passauer als Nationalsozialisten
auf. Dadurch geriet ihr Leben
schnell aus den Fugen. „Ich wurde
als Nestbeschmutzerin beschimpft,
massive Drohungen und Anfeindungen
bestimmten mein Leben. Ich
hatte ständig Angst, jemand würde
meine Kinder entführen. Selbst einer
Messerstecherei bin ich nur knapp
entgangen“, berichtet die Historikerin.
Um nicht länger um ihr Leben
fürchten zu müssen, emigrierte
sie schließlich in die Vereinigten
Staaten, wo sie seit 15 Jahren mit USVeteranen
zusammenarbeitet.
Hitler-Haus als Museums-Standort Im Augenblick bemüht sie sich zusammen
mit Andreas Maislinger
vom Österreichischen Gedenkdienst
um die Errichtung eines US-Veteranenmuseums
in Braunau. Da der
bisherige Untermieter des Hitler-
Hauses beschlossen hat auszuziehen,
würde sich das Haus als möglicher
Standort für das Museum anbieten.
Braunaus Bürgermeister Gerhard
Skiba steht dem allerdings ablehnend
gegenüber.
Amerikaner räumten auf „Nach Kriegsende traten die Amerikaner
ein schweres Erbe an“, so
Rosmus. „Die Besatzer mussten sich
um alles kümmern: Lebensmittel
aus Amerika einschiffen, Minen
entfernen, Brücken wieder aufbauen.
Die meisten Menschen wissen
das gar nicht. Sie hatten damals nur
das Bild von den Besatzern im Kopf,
die einem alles vorschreiben und
verbieten. Niemand hat die Leute
aufgeklärt. Dabei hätten wir eigentlich
längst schon mal Danke sagen
können“, so Rosmus. Aus diesem
Grund fände es die Historikerin
eine gute Idee, wenn in der Grenzzone
zwischen OÖ und Bayern ein
solches Museum errichtet würde, wo
die Menschen die Wahrheit über die
Besatzer erfahren könnten.
„Oberösterreich hat großes Glück
gehabt, weil hier ein besonders fähiger
Mensch Militärgouverneur
wurde.“ General Stanley Eric Reinhart
war während der Besatzungszeit
für alle Belange der Zivilbevölkerung
zuständig. „Während Bayern
einen Gouverneur hatte, der es
zwar gut meinte, aber hoffnungslos
unfähig war“, ergänzt Rosmus. Zu
Kriegsende, als ohnehin schon alles
am Ende war, ging es in Bayern immer
weiter bergab und auf der anderen
Seite des Inns, in Braunau, ging
es rapide bergauf, und das bei gleichen
Voraussetzungen. „Die meisten
Oberösterreicher wissen gar nicht,
wie viel Glück sie hatten. Daher
wäre OÖ ein guter Standort.“
Geglückte Zusammenarbeit Zwei Schwerpunkte müssten laut
Rosmus im Museum dominieren:
„Zum einen müsste die Zusammenarbeit
zwischen Bayern und OÖ
während des Krieges rauskommen,
im Sinne von ‚Geteilte Schuld und
geteilte Verantwortung‘. Zum anderen
müsste die geglückte Zusammenarbeit
zwischen OÖ und den
USA beleuchtet werden.
Anna Rosmus kennt viele US-Veteranen,
die Gegenstände aus der
NS-Zeit besitzen und einen Platz
dafür suchen. „Diese Menschen
wenden sich an mich, und wenn es
in Braunau ein Veteranenmuseum
gäbe, würde ich diese Dinge natürlich
dem Museum geben. Ich würde
außerdem mit Spenden helfen und
wäre zur Zusammenarbeit bereit,
sofern sich die Bevölkerung für ein
Museum ausspricht.“
Chance für den Tourismus Auch wirtschaftlich gesehen würde
das Museum der Stadt Braunau viel
bringen. „Ich arbeite seit 15 Jahren
mit Touristengruppen, bestehend
aus US-Veteranen, zusammen. Pro
Kopf zahlen diese Menschen zwischen
5.000 und 15.000 Euro für einen
solchen Besuch. Der Braunauer
Tourismus würde stark davon profitieren.“
Attentate, wenn Israel Haus kauft Eine Künstlergruppe aus den USA
schlug unlängst vor, dass Israel das
Hitler-Haus kaufen solle, um daraus
ein Museum zu machen, das die Ermordung
der Juden dokumentiere.
Rosmus hält diese Idee grundsätzlich
nicht für schlecht, allerdings
„finde ich den Vorschlag, dass gerade
Israel es kaufen soll, nicht gut.
Denn dann würden vermutlich die
ersten Attentate hier stattfinden.
Ziel wäre dabei nicht das Museum,
sondern Israel als Eigentümer. Israel
weiß das mit Sicherheit, daher
kann ich mir nicht vorstellen, dass
es so weit kommt.“ Rosmus rät beim
Verkauf des Hitler-Hauses zur Vorsicht:
„Wenn das Haus auf dem Privatmarkt
verkauft wird, werden sich
vermutlich Neo-Nazis um den Ankauf
bemühen, und was die daraus
machen würden, ist klar.“
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