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Der Standard 28. September 1992 Historisch belastete Städte wollen sich emanzipieren Gerhard Marschall Braunau - Wie am besten mit "unerwünschtem Erbe" umzugehen sei, diskutierten am vergangenen Wochenende im Rahmen der "1. Braunauer Zeitgeschichtstage". Vertreter von 18 europäischen Orten, dernen Namen historisch belastet ist. Die Tagung von Andreas Maislinger (Assistent an der Universität Innsbruck) als wissenschaftlich begleiteter Erfahrungsaustausch konzipiert, sollte konkrete Möglichkeiten für den praktischen Umgang mit derartigen Stigmata aufzeigen. Namensbürde Die Berichte der Teilnehmer über ihre jeweilige Namensbürde und deren Last ließen das gemeinsame Problem zutage treten: Es seien durch die Bank die mittelgroßen bis kleinen Orte, die nach wie vor unter ihrer Stigmatisierung zu leiden haben, während es größerern, weitaus stärker belasteten Städten gelungen sei, sich ein neues Image zu verpassen und sich so quasi aus der Geschichte herausstehlen. Auschwitz oder Dachau, Mauthausen oder Braunau seien mit ihrer Brandmarkung bewußt alleingelassen worden, auch um auf ihnen stellvertrentend die Schuld an politischer und gesellschaftlicher Verirrung abzuladen, lautete eine der Theorien. DDR-Altlast Ähnliches passiere
jetzt in den neuen deutschen Bundesländern, wo das bei der Tagung
ebenfalls vertretene Bautzen für einen gehörigen Teil der
DDR-Altlast geradezustehen habe. Andreas Gruber, Kulturstadtrat von
Wels, forderte die Betroffenen zur Emanzipierung auf, die da heißen
soll: "Wir lassen uns eine solche Verkürzung der Geschichte
zu unseren Lasten nicht mehr gefallen." Die Zeit für solche
Korrektur sei nicht nur reif, sondern auch gut, waren die Tagungsteilnehmer
einer Meinung. Nach jahrzehntelang praktizierter Verdrängung wachse
nun in der Bevölkerung, vornehmlich in der Jugend, das Bedürfnis,
sich diesem Vermächtnis zu stellen. |
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