Rieder Volkszeitung, 22. Dezember 1983

11. Braunauer Zeitgeschichte-Tage vom 27. bis 29. September

40 Jahre nach humanitärer Tat
Medaille für Hofrat Petsche

RIED/WIEN. - In Anwesenheit des Bundespräsidenten, des Unterrichtsministers, von Frau Minister a.D. Dr. Firnberg und namhafter anderer Gäste wurden vom Botschafter des Staates Israel am 30. 11. im jüdischen Gemeindezentrum Wien drei Persönlichkeiten aus Österreich geehrt, die während der NS-Zeit unter Gefahr für das eigene Leben jüdischen Mitbürgern geholfen haben.

Die verliehene "YAD VASHEM"-Medaille ist eine sehr hohe Auszeichnung, die vom gleichnamigen Jerusalemer Institut und von der Menschenrechtskommission für besonders humanes Handeln während der Judenverfolgung zuerkannt wird. Einer der Ausgezeichneten ist Hofrat Mag. Roman Erich Petsche aus Ried.

Für den Rieder Maler kam diese Ehrung, die von seinerzeit beteiligten Personen angestrengt worden ist, sehr überraschend. Seit diesen Vorfällen sind vierzig Jahre vergangen, er selber hat nie davon gesprochen und nach so langer Zeit auch nicht mehr daran gedacht. In der Laudatio führte Botschafter Michael Elizur u.a. aus:

"Die dritte Medaille, die ich heute die Ehre habe zu verleihen, gebührt Herrn Hofrat Magister Roman Erich Petsche. Die Zeugen seiner Guttat leben in Israel. Die Erinnerung an ihre an ein Wunder grenzende Rettung durch den damaligen Wehrmachtsoffizier Petsche ist in ihren Herzen für immer lebendig. Im Frühling des Jahres 1944 begann die deutsche Besetzung in Novi Sad in Jugoslawien, das damals zu Ungarn gehörte. Deutsche Offiziere wurden auch in jüdischen bürgerlichen Häusern einquartiert und bei der Szyk-Familie war es Herr Petsche, der seine unfreiwilligen Gastgeber beruhigte und ihnen versprach, daß alles in Ordnung sein würde. Als die Juden von Novi Sad kurz danach doch nach Auschwitz deportiert werden sollten, brachte Herr Petsche sofort die fünfjährigen Töchter des Hauses in einem Militärwagen zum Bahnhof und nahm sie als seine eigenen Töchter nach Budapest, von wo sie dann in die Sicherheit eines Klosters gebracht wurden. Herr Petsche kümmerte sich auch weiter um die Familie und um andere Juden der Stadt, und es gelang ihm, einige am Leben zu erhalten. Frau Miriam Ascher aus Ramat Chen und Frau Hava Szyk aus Kibutz Lahavot Haviva, die kleinen Mädchen von damals, schrieben rührend an Yad Vashem über den Schutzengel in Wehrmachtsuniform, der ihnen, von Güte und Hilfsbereitschaft strahlend, erschien."

Hofrat Petsche dankte abschließend namens der Geehrten für die hohe Auszeichnung udn verwiese auf Pflichterfüllung und das selbstverständliche menschliche Gebot, anderen in der Not zu helfen. Er habe außerdem im Bewußtsein der Schicksalschläge innerhalb der eigenen Familie gehandelt. Die Familie seiner Mutter, die, aus galizischem Adel stammend, eine nationalbewußte Polin war, hat ebenfalls mehrere Mitglieder im KZ verloren.

 
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