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Salzburger Nachrichten, 4. Mai 2002 Späte Ehrung für Feldwebel Schmid
Von Walter Schwarz WIEN (SN). Zeitzeugen: "Er war nicht religiös, er war kein Philosoph. Er las keine Zeitung. Bücher schon gar nicht. Er war kein geistiger Mensch. Seine alles überragende Eigenschaft war die Menschlichkeit." Anton Schmid, geboren am 9. Jänner 1900 in Wien. Erschossen am 13. April 1942 um 15 Uhr im Militärgefängnis Stefanska in Wilna (Vilnius), Litauen. Am 25. Februar 1942 war er vom Feldgericht der Wehrmachtskommandantur 814 (V) in Wilna wegen der Rettung von 300 jüdischen Ghettogefangenen zum Tode verurteilt worden. Spät, aber doch wird dem selbstlosen Feldwebel der Wehrmacht in seiner Heimatstadt Wien Ehre zuteil. Am 22. Mai wird sich die Bezirksvertretung des 20. Bezirks Brigittenau, in der Anton Schmid seit den zwanziger Jahren bis zu seiner Einberufung 1939 gelebt hat, für die Benennung der mehrere Kilometer langen Donauufer-Promenande nach dem Judenretter von Wilna aussprechen. "Einstimmig" - davon geht Bezirksvorsteher Karl Lacina (SP) aus. Offiziell muss die "Verkehrsflächenbenennung" vom Kulturausschuss des Gemeinderates abgesegnet werden. Anton Schmid war bereits 1967 von der Holocaust-Erinnerungs- und Forschungsstätte Yad Vashem in Jerusalem als "Gerechter unter den Völkern" posthum geehrt worden. Seit 2000 trägt eine Bundeswehrkaserne in Rendsburg (Schleswig-Holstein) seinen Namen. Immerhin war 1990 in der Brigittenau eine städtische Wohnhausanlage nach Schmid benannt worden. Der jüngste Anstoß für die nun bevorstehende Ehrung kommt von den jungen niederösterreichischen Schriftstellern Manfred Wieninger und Christiane M. Papst, die derzeit an einem Buch über Schmid arbeiten. U. a. haben sich bereits Europarats-Präsident Peter Schieder, 1. Nationalratspräsident Heinz Fischer, Simon Wiesenthal und der Verleger Fritz Molden massiv für die Ehrung eingesetzt. JWeninger und Pabst schildern, wie Schmid als Leiter der "Versprengtensammelstelle" beispielsweise den polnischen Juden Max Salinger in eine Wehrmachtsuniform steckte, ihm ein reguläres Soldbuch verschaffte und als Gefreiten Max Huppert auftreten ließ. Die 300 todgeweihten Ghettogefangene schaffte er in einem Wehrmachts-Lkw aus Wilna. |
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