11. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Wenige Gerechte?"
Zivilcourage und Widerstand in Diktaturen
Braunau am Inn, Kultur im Gugg 27.- 29. September 2002


Das Reisebüro des Josef Schleich

Die unglaubliche Geschichte des Grazers Josef Schleich, der 1938 - 41 tausenden Juden das Leben gerettet hat

"Das ist das Geschäft meines Lebens", soll Josef Schleich gesagt haben, als er 1938 beginnt, Juden aus Hitlerdeutschland herauszuschmuggeln. Die Nazis wollen Deutschland "judenrein" machen. Schleich schließt Verträge mit den jüdischen Kultusgemeinden ab. Auf zehn zahlende Flüchtlinge kommt einer, den er gratis außer Landes bringt. Für den Grazer Lebemann, der sich stets mit schönen Frauen umgibt und sieben Kinder zu versorgen hat, ist das ein einträgliches Geschäft. Für den flüchtenden Juden ist seine Privatwohnung, bald als "Schleichs Restaurant" bekannt, eine Station auf dem Weg in die Freiheit. Als Schleich 1941 verhaftet wird, hat er bis dahin cirka 20.000 Juden das Leben gerettet.


1938 erfolgt der Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland. Für die jüdische Bevölkerung beginnt die systematische Diskriminierung und Verfolgung. Juden wird die Ausreise gestattet, wenn sie ihr gesamtes Vermögen zurücklassen, das erlaubte Reisegeld beträgt 10 Reichsmark. Nur wenige Staaten sind bereit, die mittellosen Flüchtlinge aufzunehmen.
Der Grazer Josef Schleich betreibt zu dieser Zeit eine Hühnerzucht. Für die jüdische Kultusgemeinde hält er landwirtschaftliche Kurse ab und stellt dafür Zeugnisse aus. Viele Juden erhalten mit dem Zeugnis seiner "Landwirtschaftsschule" ein begehrtes amerikanisches Visum. Bald organisiert Josef Schleich auch selbst die Ausreise tausender Juden über die steirisch-slowenische Grenze nach Zagreb. Sonderbar scheint, dass die deutsche "Gestapo" den Menschenschmuggel duldet, doch Schleich hat offensichtlich gute Kontakte. Schließlich eröffnet er mit Genehmigung der Behörden in Wien ein Ausreisebüro für Juden. Zu dieser Zeit befinden sich hier fast 130.000 Juden und die ersten Transporte rollen in die Konzentrationslager. Der Andrang im Büro von Josef Schleich ist enorm, aus ganz Deutschland suchen Menschen seine Hilfe. Schleich bezahlt enorme Schmiergelder an deutsche und jugoslawische Grenzwachen und Polizisten. Er hat eine gut funktionierende Organisation aufgebaut, reist durch ganz Europa, um neuen Wege für seinen Menschenschmuggel und bereitwillige "Abnehmer" für seine Transporte zu finden.
Über das Ausmaß von Schleichs Tätigkeit gibt es keine genauen Aufzeichnungen, möglicherweise hat der Grazer Geschäftsmann von 1938 bis 1941 20.000 Juden außer Landes gebracht, viele ohne dafür Geld zu verlangen. Der elegante Geschäftsmann, der sich gerne mit schönen Frauen und Luxus umgibt, befindet sich mit seinen Unternehmungen immer auf des Messers Schneide. Zwölf Mal wird er von der Gestapo verhaftet, kommt aber immer wieder frei. Im März 1941 wird er endgültig von der Staatspolizei Graz festgenommen und vor Gericht gestellt.



Eine Koproduktion von Interspot Film GesmbH, ORF und BMBWK

Regie: Gerald Navara, Elisabeth Stratka
Kamera: Robert Neumüller, Harald Seymann, Pertti Pullinen
Produktionsleitung: Lore Frey, Heinrich Mayer
Produzent: Rudolf Klingohr

 

 
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