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| Braunauer
Rundschau 4. September 2003 ZEITGESCHICHTE-TAGE Lebendig werden diese parallelen Leben, weil es bei den Zeitgeschichte-Tagen
um drei konkrete Orte geht, die die Geschichte anschaulich machen. Im
Mittelpunkt stehen neben dem heimischen Braunau das böhmische Broumov,
bis 1945 deutschsprachig und ebenfalls Braunau genannt, und die norditalienische
Gemeinde Lavarone, die ebenfalls enge historische Bezüge zum Innviertel
hat. Prof. Florian Kotanko, der Vorsitzende des Vereines für Zeitgeschichte, hat sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Stadt Broumov schickt unter anderem den Vertreter der sudetendeutschenen Vertriebenen, um über die Geschichte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu berichten. Broumov war damals ja großteils deutsch besiedelt. "Die heutigen Beziehungen zwischen den Sudetendeutschen und der Stadt Broumov sind sehr gut und nicht von einem Feindbild geprägt, wie man glauben könnte. Es gibt eine Reihe von Kontakten etwa mit der bayerischen Partnerstadt Forchheim." Als Referenten der Zeitgeschichte-Tage sind Historiker aus den drei
Gemeinden und ihre Bürgermeister geladen, darüber hinaus diskutieren
die Botschafter Dr. Emil Brix, Jiri Grusa und der italienische Senator
Alberto Robol aus Rovereto. Wie ist das Thema "Parallele Leben" zu verstehen? Es geht darum zu zeigen, wie sich Ereignisse von übergeordneter
Bedeutung in den drei Orten Braunau, Broumov in Böhmen und Lavarone
in Norditalien niedergeschlagen haben. Zum Beispiel: Wie hat sich die
Weltwirtschaftskrise ausgewirkt, wie hat sich die Infrastruktur entwickelt,
wie das Bildungssystem? Gibt es Parallelen? Das Interessante ist, dass die drei Orte Braunau, Broumov und Lavarone
bis 1918 zu einem Staat gehört haben und sie ab 2004 wieder zu
einer großen Einheit, der EU, gehören werden. Der Bezug zum
böhmischen Braunau entstand erst in den vergangenen zehn Jahren.
Die frühere Stadträtin Margarete Aichinger war da aktiv, auch
die Musikkapelle war oben. Lavarone hat Bezug zu Braunau, weil 1915 die Bewohner dieser Gemeinde, die im Frontgebiet lag, deportiert worden waren. Einerseits mit dem Argument der Sicherheit, aber auch weil die österreichische Führung Verrat durch die Italiener gewittert hat. Man hat sie unter anderem in den Bezirk Braunau gebracht und dann hier in einem riesigen Lager konzentriert. In Braunau erinnert der Trentiner Platz beim Gymnasium daran.
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