Braunauer Rundschau
4. September 2003

ZEITGESCHICHTE-TAGE
"Parallele Leben" von 10. bis 12. Oktober im Gugg

Was Braunau, Broumov und Lavarone verbindet

BRAUNAU / Bis zum Ersten Weltkrieg gehörten Böhmen, Südtirol und das Innviertel zu einem Staat. Plötzlich verschoben sich die Grenzen, aus Mitbürgern wurden Kontrahenten und die Regionen nahmen unterschiedliche Entwicklungen.
Dass es trotzdem Parallelen gab und gibt, davon sind die Organisatoren der nächsten Zeitgeschichte-Tage überzeugt. Sie stellten das Symposion von 10. "Parallele Leben".

Lebendig werden diese parallelen Leben, weil es bei den Zeitgeschichte-Tagen um drei konkrete Orte geht, die die Geschichte anschaulich machen. Im Mittelpunkt stehen neben dem heimischen Braunau das böhmische Broumov, bis 1945 deutschsprachig und ebenfalls Braunau genannt, und die norditalienische Gemeinde Lavarone, die ebenfalls enge historische Bezüge zum Innviertel hat.
Wie es den Einwohnern der drei Orte im 20. Jahrhundert ergangen ist, welcher Schmerz durch Krieg, Vertreibung, Besetzung und Diktatur verursacht wurde, aber auch welche Hoffnung und Freude durch Wiederaufbau und Annäherung entstehen konnte, wird Thema der Vorträge und Diskussionen vom 10. bis 12. Oktober im Gugg sein.

Prof. Florian Kotanko, der Vorsitzende des Vereines für Zeitgeschichte, hat sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Stadt Broumov schickt unter anderem den Vertreter der sudetendeutschenen Vertriebenen, um über die Geschichte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu berichten. Broumov war damals ja großteils deutsch besiedelt. "Die heutigen Beziehungen zwischen den Sudetendeutschen und der Stadt Broumov sind sehr gut und nicht von einem Feindbild geprägt, wie man glauben könnte. Es gibt eine Reihe von Kontakten etwa mit der bayerischen Partnerstadt Forchheim."

Als Referenten der Zeitgeschichte-Tage sind Historiker aus den drei Gemeinden und ihre Bürgermeister geladen, darüber hinaus diskutieren die Botschafter Dr. Emil Brix, Jiri Grusa und der italienische Senator Alberto Robol aus Rovereto.

3 FRAGEN AN:
Prof. Mag. Florian Kotanko,
Vorsitzender des Vereines für Zeitgeschichte

Wie ist das Thema "Parallele Leben" zu verstehen?

Es geht darum zu zeigen, wie sich Ereignisse von übergeordneter Bedeutung in den drei Orten Braunau, Broumov in Böhmen und Lavarone in Norditalien niedergeschlagen haben. Zum Beispiel: Wie hat sich die Weltwirtschaftskrise ausgewirkt, wie hat sich die Infrastruktur entwickelt, wie das Bildungssystem? Gibt es Parallelen?

Warum ausgerechnet diese drei Orte?

Das Interessante ist, dass die drei Orte Braunau, Broumov und Lavarone bis 1918 zu einem Staat gehört haben und sie ab 2004 wieder zu einer großen Einheit, der EU, gehören werden. Der Bezug zum böhmischen Braunau entstand erst in den vergangenen zehn Jahren. Die frühere Stadträtin Margarete Aichinger war da aktiv, auch die Musikkapelle war oben.

Zu Lavarone bestehen schon längere Kontakte?

Lavarone hat Bezug zu Braunau, weil 1915 die Bewohner dieser Gemeinde, die im Frontgebiet lag, deportiert worden waren. Einerseits mit dem Argument der Sicherheit, aber auch weil die österreichische Führung Verrat durch die Italiener gewittert hat.

Man hat sie unter anderem in den Bezirk Braunau gebracht und dann hier in einem riesigen Lager konzentriert. In Braunau erinnert der Trentiner Platz beim Gymnasium daran.

 

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