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Rundschau 16. Oktober 2003 ZEITGESCHICHTE / Die Erfahrungen dreier Orte am Weg
nach Europa BRAUNAU / "Erst wenn wir wissen, warum wir uns alle nicht mögen, kommen wir einen Schritt weiter." Mit dieser ironischen Aufforderung lieferte Botschafter Dr. Emil Brix zum Auftakt der Braunauer Zeitgeschichte-Tage einige Denkanstöße zur Identität Mitteleuropas. Es ging um "Parallele Leben" in eben dieser Mitte Europas, aufgezeigt an den Beispielen Braunau am Inn, Braunau in Böhmen (heute Broumov) und Lavarone in Trient. "Es stinkt viel in der Geschichte" Die beiden Delegationen aus Tschechien und Italien und die österreichischen Gastgeber konnten leider nicht festhalten, warum sie sich nicht mögen - zu groß sind durch jahrelange Kontakte die Sympathien geworden. Die Frage, welche Tradition überwiege, die der gegenseitigen Ressentiments oder des Gemeinsamen, werde sich aber in Zukunft verstärkt stellen, meinte Brix. Sich dabei auf die Geschichte zu berufen, sei jedoch oft heikel, denn "es stinkt viel darin". Viele Konflikte entstehen dadurch, dass sich Nachbarn eben sehr gut kennen. Mitteleuropa als romantizistische Idee hält Senator Alberto Robol als eher abgeschlossene Sache. Er gab zu bedenken, dass Italiens Interesse auch anderen Kulturräumen gilt, etwa dem mediterranen Raum. Und er bedauerte, dass das europäische Interesse an Italien abnehme. In Anbetracht des Beitritts Tschechiens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 wollen die Broumover ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben. "Die Tschechen sind von Neuem schnell begeistert, aber auch schnell enttäuscht", sagt Dr. Libuse Rucková, Bürgermeisterin von Broumov. Hoffnung, nie mehr Kriege zu führen Ihr Amtskollege Aldo Marzari aus dem etwa 1200 Einwohner großen Tourismusort Lavarone im Trentino, dessen Einwohner 1915 nach Braunau deportiert worden waren, weiß, wie schwer es ist, sich als kleines Dorf in der globalisierten Welt zu behaupten. Dazu dürfen sich die Gemeinden Unterstützung aus der EU erwarten, wenngleich es nicht nur um materielle Vorteile gehen dürfe, wie Braunaus Bürgermeister Gerhard Skiba betonte. "Die Leute haben die berechtigte Hoffnung, dass man sich in der EU nie mehr verfeindet und Kriege führt." Wenngleich es wichtig sei, dass sich die Mitglieder kennen. "Dann kann man in der EU drauf drängen, dass Entscheidungen im Sinne der Kommunen getroffen werden."
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