13. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Kleiner Grenzverkehr"
1933 bis 1938 an Salzach und Inn
Braunau am Inn, Stadttheater, 24.- 26. September 2004

Braunauer Rundschau  30. September 2004


ZEITGESCHICHTE-TAGE / Der "kleine Grenzverkehr" spürte die große Weltpolitik

Von Würsten, Virginias und Nazi-Propaganda

BRAUNAU / "Kleiner Grenzverkehr 1933 bis 1938" hieß das Thema der jüngsten Zeitgeschichte-Tage, das zu einer runden Sache für das zahlreiche Publikum wurde. Zeitzeugen vermittelten ihre Erinnerungen an das Leben an Inn und Salzach, Historiker lieferten den wissenschaftlichen Überbau und erstmals
ermöglichten Schriftsteller einen literarischen Zugang.

"Das Jahr 1933 war sowohl für Österreich wie Deutschland prägend", wie Mag. Florian Kotanko, der Obmann des Vereins für Zeitgeschichte, die Auswahl des Tagungsthemas begründete, weil es das Ende des Parlamentarismus in beiden Ländern bedeutete.

So erinnerte Max Schneider aus Bayerisch Gmain an die Propagandawelle der
Nazis, die Flugblätter über der österreichischen Grenze abgeworfen haben und
an die Erschwernisse, die die Grenzbalken etwa für Bauern darstellten, die
Felder im anderen Land besaßen. Rudolf Vierlinger aus Simbach verwies auf
den Simbacher Grenzbahnhof, der im März 1938 eine wichtige Rolle spielte.
Die SS überwachte zwar den Nachrichtenverkehr über das Simbacher Postamt, vergaß aber auf die Bahnleitung.

Bei den Recherchen zur gefragten Zeitspanne mussten viele Forscher die
mangelnde Quellenlage zur Kenntnis nehmen, da auch die meisten heutigen
Zeitzeugen diese Phase nur als Kindheitserinnerungen parat haben. Das
Schmuggeln über die Grenze ist hingegen in vielen Geschichten präsent
geblieben. Virginia-Zigarren und Würste wanderten regelmäßig unter Hüten
oder in Regenschirmen versteckt über die Salzach nach Bayern, Schuhe und
Stoff gingen den umgekehrten Weg. Engelbert Höfelmeier (83) aus Ettenau etwa erinnert sich gut an den Benzin-Kanister, den er wöchentlich zum Befüllen
nach Tittmoning tragen musste. Florian Schwanninger aus Hochburg-Ach
berichtete von einer Beschwerde des Pfarrers von Ach wegen des
unzureichenden Grenzschutzes vor illegalen Nazis.

 
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