
geändert von Herrn Josef Meißner
Die Personen:
Peter Nagl, Reschenbauer von Dobl
Thomas Wagner, der „Prediger“, Jungbauer
Simon Veith, Jungbauer
Johann Zeilmayr, Bauer
Ziska Zeilmayr, seine Frau
Maria Nagl, Reschbäuerin von Dobl
Johanna Dobler, verlobte von Simon
Magd 1bei Zeilmayr
Magd 2 bei Nagl
Hias, Knecht bei Nagl
Martin und
Jakl Zeilmayr, Söhne des Zeilmayr Hofs
Großschopf, ein Anführer der Aufständischen
Kagerl, ein Anführer der Aufständischen
Johannes Hoffmann, Kommandant der Aufständischen
Anderl, sein Adjutant
ein Kundschafter
Naz, ein Rekrut
Generalwachtmeister von Kriechbaum, Führer der kaiserlichen Truppen
Oberstleutnant von Marschall, Befehlshaber der Ansbachischen Grenadiere
Hauptmann Weber, Offizier der Aufständischen
ein östereichischer Feldwebel
ein sächsischer Quartiermeister
Pfarrer von Beutelsbach
Josefa, seine Köchin
der Schwarze Bauer
Bauern, Knechte, Grenadiere, Kürassiere, Husaren
Opening
(Der Markt ist im Gange, von rechts zieht der Spielmannszug durch den Markt, Kinder tanzen hinterdrein, nebenher, einzelne Marktleute drohen, schimpfen.
Von der rechten und der mittleren Plattform schauen die Frauen dem Zug nach.)
Reschin: Die schon wieder! Hast’s g’sehn, Zeilmayerin? Seit’s unsern Kurfürst nach Frankreich vertriebn haben wird’s immer schlimmer.
Zeilmayrin: Freilich. Verzweifeln könnst. Seit zwoa Jahr geht jetz des scho. Unsere Bubn und Knecht holns zwangsweis zu ihrem Heer, die Saubande, die kaiserliche.
Magd 2: Warum is er denn eigentlich weg nach Frankreich, der Kurfürst
Zeilmayrin: Weil er angfangt hat, gegen den Kaiser in Wien Krieg z’führn
Magd 1: Warum denn des?
Reschin: Na, wegen dem spanischen Erbgut, sagn’s
Zeilmayrin: Weil’s um die spanische Kron’ geht.
Magd 2: Und mia ham kaum mehr was zum beißn
Reschin Überall gibt´s a bös Blut
Magd 1: Des geht nimmer lang gut ...!
(Die Bäuerinnen gehen nach hinten ab, die Mägde nach vorn.)
Man hört Schüsse knallen und die Soldaten fallen in den Markt ein und plündern ihn.
Reiter sprengen über den Markt.
RONDO I
Wagner: (indem er mit den vier anderen Bauern zum Lagerfeuer geht) Huschala! Mi friert’s ganz sakrisch !
Resch: Heut Nacht kriegt’s Vollmond. Da is allerwei kalt.
Wagner: (zu Simon, der Holz anschleppt ) Leg zua, schür ein, Simon.
Zeilmayr: Verfror’ns Krischberl! (Er legt nach. )
Simon: Iatz hock ma schon a paar Stund beinand ...
Zeilmayr: A langer Tag.
Resch: Wird wahrscheinlich no a lange Nacht.
(Schweigen)
Wagner: (andächtig) Im Winter , wenn d’Erdn g’frorn is, und der Schnee knirscht unter die Füß , wie er’s net leid’n wollt , daß ma drüber geht ,da kann ma’s kaum Glaubn, daß einmal wieder’sTroad aufm Acker steht. Ganz derkommen is d’Welt . Alles staad, alles weiß ,wie verwunschen ... Und dann, auf einmal im Frühjahr der Auswärts, und alles is wieder anders.
Simon: Spinnt der allerweil a so?
Resch: (trocken ) Drum heiß’n s ihn ja an Prediger.
Zeilmayr: Paß auf, glei fangt er vom Himmel an und vom Herrgott .
Resch: Laßt’s ihm sei Ruh!
Zeilmayr: Er redt manchmal wie a Dichter, unser Thomas.
Wagner: (unbeirrt) Der Auswärts, des sind desmal mir. Und recht früh sind mir dran. S’wird sich ebbas rührn in der Welt , weil mir aufg’standn sind.
Resch: (skeptisch ) Dei „Auferstehung“ kann uns schon noch teuer z’stehn kommen ...
Wagner: (träumerisch) Wie der Stum, wie der Auswärts sind mir übers Land g’fahrn, gell? Des hätt vor einem Jahr keiner glaubt, daß mir Bauern allein sowas z’Weg bringen tat’n ?!
Resch: Die letzte Trumpfsau is no net g’spielt . Net von uns und ned von den andern.
Zeilmayr: Meinst - wegen Sendling ...
Simon: Was war da eigentlich genau los? Ma hört überall bloß G’rücht.
Wagner: (aus seiner Träumerei geschreckt ) Hams arge Prügel kriegt, d’Oberläner, von die Kaiserlichen?
Zeilmayr: So kann ma auch sagn.
Simon: Etz red! Außer damit Resch.
Resch: Massakriert habn sie’s, im Sendlinger Friedhof vor München. An zweitausent Leut sind g’falln heißt’s .
Wagner: So ein Wahnsinn!
Simon: Wie is des zugangen? Die wollt’n doch warten auf unser Unterländer Heer?
Wagner: Auf die Rottaler?
Zeilmayr: Haben’s aber ned. Die Oberländer habn no nie was derwarten können.
Resch: Red kein Schmarn
Zeilmayr: Des wird schon a Ursach g’habt haben.
Resch: Ersichtlich war keine, sagn´s. Der Jäger und der Passauer, weißt scho, der Student, die habn die andern antrieben. „Mir machen München allein frei, wenn´z ihr net mittuts“, solln die Tölzer Schützen g´schriern habn. Ein Haufen Leut warn beieinand.
Zeilmayr: Sind aber mit der Zeit immer weniger word´n, weil sich in der Nacht welche aus dem Staub g´macht habn.
Simon: Am Roten Turm, heißt´s, habn´s an Erfolg g´habt.
Resch Aber dann sind´s im Sendlinger Friedhof umstellt wordn.
Zeilmayr: Ergebn habn´s sich. Auf die Knie sind´s nauskrochen, sagn´s.
Resch: Aber alle habn sie´s massakriert.
Wagner: Ich mein, i hör die armen Leut schrein. I mein, i kann die abg´hackten Köpf und Arm und Füß sehn. I riech´s Blut im Schnee...
Resch: Hör auf, Prediger! Da werd´s einem ja zweierlei!
(Schweigen)
Simon: Ob mir überhaupt´s an Erfolg habn, gegen die regulären Truppen?
Zeilmayr: (hart) Des merken mir schon, bald mir morgen auf Vilshofen marschiern.
Resch: Mia sind noch zwenig Leut. Verstärkung Der Meindl wär recht mit seine Schützen.
Wagner: Kugelfest soll er sein.
Resch: Du glaubst einen jeden Schmarrn, Thomas.
Zeilmayr: Die Leut reden viel. Aber wenn mir noch 1000 Mann mehr hätten, das wär notwendig. Der d´Arnan zu Vilshofen hat 1500 unter seinem Kommando.
Simon: Mir sind leicht doppelt soviel.
Resch: Na und? Die wo ihn nausschmeißen wollten aus Vilshofen, vor stuckerer acht Tag, die waren auch net viel weniger. Und zammg´haut habn sie´s bei Lissing, daß die Fetzen g´flogen sind.
Zeilmayr: (bedächtig) Sind bloß 300 blieben, bei Lissing.
Resch: (aufgebracht) Bloß 300! Da wär einer schon z´viel!
Simon: Bald sie sich rentiert, unser Sach, wenn mir´s nausschmeißen, die Kaiserlichen, dann is kein Opfer z´schad dafür.
Wagner: Mir habn einen Wahlspruch: Lieber bayerisch sterben, als wie im Kaiser seinem Unfug verderbn.
Resch: Hör auf! I kann´s nimmer hörn!
Zeilmayr: Des reimt sich ja...
Resch: Weil´s wahr is!
Wagner: „Was is Wahrheit“? hat der Pilatus gsagt und hat sich d´Händ gwaschn.
Resch: (aufgeräumt) Was meinst jetz du, Prediger: Nehmen mir Vilshofen, morgn oder übermorgn, oder kriegn mir auch Prügel?
Wagner: (will antworten, da sieht er den „Schwarzen Bauern“ vom Hintergrund her kommen und faßt ihn scharf ins Auge) Grüß dich nachher! (Schw. B. bleibt stehen, nickt und stützt sich auf seine Sense)
Simon: (zu ihn) Gibt´s was Neues? (Schw. B. schaut wortlos in die Runde) He, du! Wer bist? Gib Parola!
Schw. B.: (nimmt die Sense und mäht über den Boden) Wsssd!
Resch: A komischer Patron!
Simon: Wie heißt? (Als keine Antwort kommt, hebt er das Gewehr) Wer bist? Wo kommst her? A Antwort!
Schw. B.: Kalt is. Derf sich unsereins ein bißl aufwärmen bei euch?
Resch: Geh her. Leg nach, Simon!
Schw. B.: (mäht im Näherkommen über den Boden) Wsssd.
Zeilmayr: Du mußt dei Sens grad richten. So taugt´s bloß zum Mahn, net zum Stechen!
Schw. B. : Unsereins taugt´s a so.
Zeilmayr: Lang bist du noch net dabei.
Schw. B.: Wo?
Resch: Beim Aufstand. Bei der Defension.
Schw. B.: Doch. Von Anfang an.
Zeilmayr: Da schau her. Von Anfang an. Kennst den Plinganser? Die Kagerl-Brüder? Den Großschopf?
Schw. B.: Ich kenn´s alle.
Wagner: (sinniert) Von Anfang an. Is so kurz erst her, und doch schon so lang. Wie war des eigentlich: Wie alles ang´fangt hat. Wie unser Auswärts aufg´standn is und herg´fegt übers Land?
Zeilmayr: Ungut war´s.
Simon: Nimmer zum Aushaltn war´s. Hätt sonst einer von uns an Hof lassen und s´Gwehr gnommen?
Resch: Komisch. Seit mir loszogn sind, bin i nimmer drüber zum Nachdenken kommen.
Zeilmayr: Dabei hast du dir am längern Zeit lassen.
Resch: Kann schon sein. I bin keiner von der schnellen Seitn.
Wagner: Manchmal denk ich: Des is alles wie ein Traum.
Simon: Wie a Alptraum.
Zeimayr: (nüchtern) Es ist eins zum andern kommen. Erst is der Kurfürst aus dem Land, dann habn wir eine Besatzung kriegt, dann habn´s uns Soldaten in d´Höf glegt, und die habn uns drangsaliert.
Resch: Und Steuern habn´s uns aufpreßt, wie mirs so schlimm noch net g´habt habn...
Simon: Dann habn´s uns s´Viech gnommen...
Zeilmayr: Und dann habn´s mir meine Bubn ausm Bett grissen und fort zu die Rekruten. Und hätten fort solln nach Italien.
Schw. B.: (mäht) Wsssd.
1. BILD
(Auf der ersten Gerüst-Etage rechts der Bühnenmitte erscheinen ein junges Mädchen und ein juger Mann . Während sie sich liebkosen und miteinander kichern, ist Zeilmayr hinübergegangen. Er erscheint mit einer brennenden Kerze in der Hand hinter ihnen.)
Zeilmayr: Jetzt schlagt´s 13! Was tust jetzt du in der Menscherkammer!
Martin: Mei, Papa, was werd i da schon tun...!
(Er richtet sich auf und knöpft gelassen die Hose zu.)
Zeilmayr: (wütend zur Magd) Hast du Malefizmensch ihm an Kopf verdreht? Auf Lichtmeß bist drauß`, des sag ich dir!
Magd: I kann gar nix dazu, Bauer. Er hat mir schöne Augn g´macht, net ich ihm.
Zeilmayr: (grob) s´Maul halt! Herrgottsnaa! Mein Bubn hab ich net für ein Gschbusi mit der Mitterdirn vorg´sehn. Mit dem hab i andere Plän!
Magd: (schnippisch) Mit der Dobler Franziska, des weiß i schon.
Zeilmayr: Wenn du´s weißt, dann halt dich g´fälligst raus, du Mistmatz!
Magd: A so laß i auch vom Bauern net mit mir red´n!
Martin: (der mehr amüsiert zugehört hat) Geh weiter, Papa, laß doch. D´Veronika is a nett´s Dirndl, da fehlt nix. Und a weng a Lieb braucht der Mensch. B´sonders, wenn d´Hochzeit noch net festg´setzt is ...
Zeilmayr: Net unter meinem Dach. Solang du deine Haxn unter mein Tisch streckst... (er horcht kurz nach draußen)
Magd: Muß der Jungbauer kuschn!
Martin: Des meinst auch bloß du!
Zeilmayr: Aufsässig werd´n, ha? Des freut mich! (Horcht wieder)
(Links um die Gebäudeecke dringen Geräusche, ein Trupp Soldaten mit dem Feldwebel an der Spitze und einem von zwei Pferden gezogenen Leiterwagen biegen ein.)
Zeilmayr: Hörst nix?
Martin: Na.
Zeilmayr: Freilich, wenn man bloß as Ludern im Kopf hat...
Magd: Jetz hab ich was g´hört!
Zeilmayr: (leise, aber barsch) Goschn haltn, alle zwei!
(nach unten) Was is da los? Wer is um d´Weg?
Martin: Des wird der Jakl sein. Die jung Kleindirn is auch net von der verkehrtn Seit´n...
Magd: A da schau an!
Zeilmayr: Staad!
Martin: Geh weiter, Jakl, gib´s zu! Mich hat der Vater auch grad erwischt!
Feldwebel: Vurwärts!
(Im Hintergrund klirren Scheiben, Geschrei von Frauen, dazwischen laute Befehle)
Bäuerin: Jessas Maria! Soldaten!
Zeilmayr: Gott´s Willen! Die Kaiserlichen!
1. Soldat: Keine Faxen net. Mitkommen! (Er zeigt mit dem Bajonett auf Martin.)
Martin: Seid´s ihr g´sund?
2. Soldat: Mir schon. Und du auch - noch...
Magd: Hilf, gütiger Herrgott!
Zeilmayr: (tritt vor Martin) Langsam. Was wollt´s?
Feldwebel: (tritt mit blankem Säbel ein) Zwangsrekrutierung.
Zeilmayr: Aber doch net bei uns! Da Großknecht is schon bei die Soldaten, d´Ernt is noch zum einbringen, un mir sind bloß zu dritt, meine Bubn und i.
Feldwebel: Euer Ernt interessiert den Kaiser z´Wien an Dreck. Auf geht´s! Der Prinz Eugen braucht Soldaten!
Zeilmayr: (erbittert) Daß er z´Italtien drunt Krieg führ´n kamm gegen unsern Kurfürst, gell?!
Feldwebel: Euer Kurfürst is kein Kurfürst nimmer. Der ist jetzt ein ganz kleiner Flüchtling bei die Franzosen. Dauert nimmer lang, dann haut der Prinz Eugen die ganze Bagasch zum Teufl!
Martin: Aber net mit unserer Hilf! Sucht´s euch andere Deppen!
Feldwebel: (tritt zum Bett, scheucht die Magd mit einer Handbewegung hinaus und setzt sich gemütlich) Siehst, Bürscherl, wenn du mir so auf´m Kasernenhof kommen wärst, dann könnt´st in fünf Minuten antretn zum Spießrutenlaufen. Aber bis dahin habn wir noch ein bißl Zeit. (Springt jäh auf und hält Martin die Säbelspitze unters Kinn) Und jetz vurwärts. I mag keine Faxen.
(Soldaten drängen Zeilmayr mit den Bajonetten zurück, der Feldwebel führt Martin,
immer den Säbel an seiner Kehle hinaus.)
Jakl: (den eben zwei andere Soldaten unten hinausführen und zum Kettenwagen bringen) Laßt´s mich wenigstens was anziehn!
(Er sieht auf dem Wagen einen bereits angeketteten Rekruten.)
Jakl: Naz! Habn´s dich auch ...?
Feldwebel: (von oben herunter) Steht dir eh gut. Auf´n Wagen mit die zwei. Und anketten!
Zeilmayrin: (erscheint händeringed im Hof, während Zeilmayr den Vorgang wie angewurtzlt von oben betrachtet) I bitt euch um aller Heilign willen, laßt´s mir meine Bubn da! Nehmt´s des Viech, nehmt´s des Geld, nehmt´s, was ihr wollt, aber laßt´s mir meine Bubn.
Feldwebel: Ein andermal. Heut brauchn mir bloß Rekrutn.
Zeilmayrin: Halbert nackert reißen´s mir´s aus die Arm!
2. Soldat: Is eine warme Nacht...
Feldwebel: Und so renn´s net so leicht weg. Und erkannt sind sich auch gleich...
(Die beiden werden von den Soldaten zu den dritten Rekruten auf den Wagengestoßen und angekettet. Der Trupp setzt sich in Bewegung.)
Zeilmayr: (dumpf von oben) Des wird euch noch leid tun!
Feldwebel: (über die Schulter) Beschwer dich beim Kaiser, Mistbreiter!
Zeilmayrin: (verzweifelt) Was geht uns euer Kaiser an!
Feldwebel: (im Abgehen) Wirst as noch früh g´nug merken!
Schw. B.: (Steht im rechten Tribünenabgang auf der obersten Stufe und wetzt seine Sense)
Feldwebel: (Sieht den Schw. B. und läßt anhalten)
Hörst, was is mit dir da oben?
Schw. B.: Warten tu ich!
Feldwebel: (Lacht)
So, - willst mitfahrn? Das kannst haben.
Hast auf uns gwart?
Schw. B.: (Sieht dem Feldwebel mit stechendem Blick an)
Auf dich hab ich gwartet!
Fledw.: (Kurz verwirrt - lacht dann)
so is recht, nacha kumm her!
Schw. B.: (Schreitet die Treppe herab)
Feldw.: (Schroff)
A weng Beeilung - mach schneller!
Schw. B.: (Schaut ihn fest an)
Kannst as net erwarten?
Werd dir noch amal schnell gnug gehn!
Feldw.: Jetzt zua, weiter, - laß dei Sensn geh!
(Will ihn anfassen)
Schw. B.: (Fixiert ihn mit einem Blick der keinen Widerspruch duldet)
Mich langst net an!
Ich geh scho mit.
Desmal geh i mit dir - (Geht weiter auf den Feldw. zu)
S´nächste mal gehst du mit mir!
Feldw.: (Wirkt unsicher - versucht dies zu überspielen und schreit)
Jetzt pack mas!
Soldaten: (die die den Wortwechsel mit gespannter Mine verfolgten setzten sich in Bewegung, blicken jedoch immer wieder zum Schw. B.)
RONDO II
Zeilmayr: (steigt langsam vom Gerüst und begibt sich wieder zur Gruppe am Lagerfeuer)
So war des damals. G´hört hab i nix mehr von meine zwei Bubn, bis heut net.
Simon: Der dritte, von dem du grad erzählt hast, der Naz, war des net dem Schwengseisen sein Bub? Dem Schlosser?
Zeilmayr: Ja, freilich.
Resch: Sind viel Handwerker und Taglöhner dabei, bald mehr wie Bauern.
Schw. Bauer (nähert sich von hinten)
Zeilmayr: Ein komischer Patron.
Simon: (zu Wagner) Der schlagt dich noch, Prediger. Der is noch g´spaßiger wie du!
Zeilmayr. (zum Schw. B.) Du mußt dei Sens grad richten glaub mir´s halt!
Schw. B.: Ist unsereins schon recht a so.
Resch: Laßt´s ihn stehn. Des ist ein Zwielichtiger.
(Man hört Pferdegetrappel. Anderl und Großschopf reiten vorbei.)
Resch: (nachdenklich) Da kommt eine eilig Botschaft zum Kommandanten.
Simon: War des net der Anderl, der Adjutant von unserm Hoffmann?
Zeilmayr: Ja. Der war in Burghausen bei unserer neuen Regierung.
Des sind auch allesamt so „Paruckenhansln“, tät der Großschopf sagn.
Simon: Der Großschopf?
Zeilmayr: Der wo mit´m Anderl vorbeig´ritten ist. Einer von die ersten, wo mit dabei warn beim Aufstand.
Resch: Der Plinganser z´Burghausen wär schon recht, aber dem Cofort trau ich net. Und der Prielmayr, der Kastner, hat den Plinganser sogar schon einmal in Arest nehmen lassen, weil halt der Pinganser die erste Geign spieln wollt.
Wagner: Des is ja des Ungute. Daß unsere Leut in der Regierung net einig sind, des macht a schlechts Bildl. Des färbt ab auf die einfachen Leut.
Resch: Des is die Angst. Des darf man nicht nerkennen.
Man weiß nie, wie´s nausgeht. (Schweigen)
Wagner: Da kommt der Großschopf mit dem Anderl.
Großschopf: Grüß euch, Manner. Was gibt´s Neu´s?
Zeilmayr: Wollten mir eigentlich von euch wissen. Bei uns tut sich net viel. Außer, daß mir sakrisch friern bei der Hundskältn.
Anderl: Wiss´ma schon. Des is ungut. Die Leut habn kein rechte Freud an der Landesdefension, wenn sich nex tut und der Hunger und d´Kältn beißn. Aber morgn rührt sich was. Da geht´s auf Vilshofen.
Resch: (skeptisch) Gwiß?
Großschopf: Wenn mir´s doch sagn. Da Kommandant kommt schon noch vorbei zum visitiern.
Zeilmayr: Hat er Angst, daß mir ihm davonlaufen?
Anderl: Naa.
Großschopf: Obwohl - in der letzten Nacht sind wieder a paar Hundert weg. Und der letzte Aufruf von Burghausen und Braunau hat auch wenig Wirkung g´habt.
Resch: Des Generalaufgebot? Vom Landeskongreß?
(Anderl gibt Großschopf einen rippenstoß, aber der läßt sich nicht beirren)
Großschopf: Laß mi! Früher oder spater erfahr´n sie´s doch. Ja. Des Generalaufgebot war a Fehlschlag.
Resch: Sauber.
Anderl: Aber Verstärkung is unterwegs.
Zeilmayr: So. (Schweigen)
Großschopf: Jetz laß´ mer die leidige Sach. Werd schon werden...
Wagner: ...sagt der Ochs zum Bären.
Großschopf: Erzählt´s lieber, mit was ihr euch die Zeit vertreibt´s, den langen kalten Tag.
Simon: Von früher habn wir g´redet, wie alles ang´fangt hat, mit dem Aufstand und mit der Landesdefension.
Zeilmayr: (schwer) Dann hab i verzählt, wie´s mir meine Bubn rausg´rissen habn, mitten in der Nacht.
Großschopf: (interessiert) Verzähl! Habn mir die net befreit, damals?
Zeilmayr: Naa. Sind wahrscheinlich in irgendeiner Garnision. Wir wissen net, wo.
Großschopf: Wann war des?
Zeilmayr: In der zweiten Augusthälften.
Anderl: Da war noch nix los mit´m Aufstand.
Großschopf: Da war´n mir sauber z´spät. Aber sonst hätt´st sicher sein können, Zeilmoar...
Zeilmayr: Schon gut.
Großschopf: Gar net weit weg von Vilshofen habn mir den ersten Rekrutentransport überfalln und befreit. Weißt es noch, Anderl?
Anderl: Freilich. Der Kagerl Toni war auch dabei. War des a gspaßige G’schicht
(Während sich die Gruppe der Bauern wieder niederläßt, gehen Großschopf und
Anderl nach links ab, Kagerl und andere Bauern stoßen hinzu. Sie verbergen sich im
Gebüsch am Abhang, während man von der Gebäudeecke her das Rasseln eines
Kettenwagens hört.)
2. BILD
(Bauerntrupp begibt sich in Lauerstellung, Großschopf und Anderl gesellen sich dazu)
Kagerl: (der vorne geblieben ist, während die anderen im gebüsch Deckung nehmen) Ich hör was!
Großschopf: Halt´s Maul, Kagerl! Wenn´s was spannen, drehn´s ab.
Kagerl: Wieso? Die wissen doch net, daß mir Gwehr habn.
Anderl: Und daß mir die Mehrern sind...
Großschopf: Paßt´s auf, daß die Rekruten nix passiert.
Anderl: Staad. Jetz biegen´s um die Ecken.
(Ein Kettenwagen mit zwei Soldaten voraus, dann dem Quartiermeister und einem
dritten Soldaten hinter dem Wagen kommt hereingefahren. Die bauern springen vor
und sperren den Weg, andere beziehen hinter dem Wagen Stellung.)
Großschopf: Halt! Stehnbleib´n!
Quartierm.: (zieht den Säbel) Wegelagerer! Kuck mal an! Straße frei, oder es knallt! (Die Soldaten legen an.)
Kagerl: Paßt´s lieber auf, daß net bei euch scheppert!
Anderl: Schaut´s euch um!
(Die Soldaten wenden sich um und sehen die Bauern auch hinter sich. Ein paar von ihnen gehen in Anschlag.)
Quartierm.: Überlegt´s euch, Leute! Ihr steht gegen kaiserliche Soldaten! (die Soldaten stellen sich Rücken an Rücken. Zwei Bauern springen vor und drängen den dritten Soldaten vom Wagen weg.)
Großschopf: Mir wolln euch nix. Solang ihr staad halt´s wird kein Pulver net verbrannt.
Quartierm.: Was habt ihr vor?
Kagerl: Ihr macht´s jetz die G´fangenen die Ketten runter und schleicht´s euch.
Quartierm.: Seid Ihr wahnsinnig?
Rekruten: (auf dem Wagen) Frei! Macht´s uns frei! (Sie rasseln mit den Ketten.)
Anderl: Mir bringen der Mutter ihre Bubn wieder heim!
1. Soldat: Herr Quartiermeister, die machen Ernst!
Quartierm.: Ruhig Blut! (zu Großschopf) Das ist ein ordnungsgemäßer Rekrutentransport. Laßt passieren, oder ihr kriegt einen Ärger, daß ihr ihn nie mehr vergeßt!
Kagerl: s´Maul halt, mit deiner verdrehten Goschen! Wie der Kerl schon redt!
Bauern: Haut sie´s zamm, schießt sie nieder, die österreichische Bagasch!
Quartierm.: Da wird wohl zurückgeschossen werden!
2. Soldat: (zupft ihn am Ärmel) Das sind die Mehrern, Herr Quartiermeister. Mir habn net viel Schancen.
Großschopf: Euer Mann hat recht. Überlegt´s euch, aber net z´lang. Viel Zeit gebn mir euch nimmer.
Rekruten: Macht´s es fertig, die Sauhund!
Anderl: Drauf!
Bauern: Reißt sie´s nieder!
Großschopf: Langsam! Vielleicht geht´s noch im Gutn.
Quartierm.: Ihr seid in der Überzahl. Aber ein halbes Dutzend von euch nehmen wir noch mit...!
Kagerl: Schluß! Nimmer redn! Schießn!
(Ein Soldat will Großschopf und Kagerl mit dem Bajonett zurückdrängen. Ein Schuß kracht, der Mann wird am Arm verwundet und läßt sein Gewehr fallen, das sofort von einem Bauern ergriffen und gegen ihn gerichtet wird.)
Kagerl: (brüllt) Nieder mit die kaiserlichn Hund!
Quartierm.: Halt! (Er stößt den Säbel vor sich in den Boden.) Wenn ihr die Rekruten habt, laßt ihr dann passieren?
Kagerl: (höhnisch) Reut dich dein bisserl Lebn jetz doch! (Gelächter bei den Bauern)
Quartierm.: (kalt) Ich kann bloß rechnen. Vier Leben gegen drei.
Großschopf: Gut. Wenn ihr sofort abhaut´s, passiert euch nix. Los Männer, tut´s den Bubn die Ketten nunter.
(Die Bauern machen sich mit Geschrei an die Arbeit.)
Bauern: Hurra!
Rekruten: Frei! Frei!
Quartierm.: (gibt den Soldaten einen Wink): Los, kommt!
Anderl: Schleicht´s euch!
(Die Bauern drohen den Soldaten mit Sensen, Dreschflegeln und Gewehren.)
Kagerl: Eure Gwehr laßt´s aber da! Und den Sabel auch!
Quartierm.: (fest) Nein!
Großschopf: Laß´ doch gehn! Sind mir froh, daß net mehr passiert is! Mir habn, was wir wolln.
Quartierm.: Das werdet ihr noch bereun!
(Die Bauern lachen höhnisch hinter ihm her, während das Gespann mit dem Wagen davonrumpelt.)
Anderl: Denen habn mir´s zeigt, oder?!
(Die Bauern und die befreiten Rekruten verschwinden in die entgegengesetzte
Richtung, aus der der Wagen gekommen ist.)
Kagerl: Mir brauchma aber unbedingt no mehr G’wehra
Anderl: Genau! Säbel, Bajonetta kimma auch braucha. Mir ham sonst koa Chance.
3. BILD
(Auf der zweiten Gerüstebene links der Bühnenmitte wird ein Vorhang beiseite ge-
zogen. Man sieht die Pfarreresköchin, die eben einen Tisch deckt und den Stuhl da-
vor zurechtrückt.)
Köchin: Abendessen, Hochwürden!
Pfarrer: (von hinten) Gleich!
Köchin: (nach einer Pause) Hochwürden, des Essen wird kalt!
Pfarrer: (beim Eintreten) Was gibt´s überhaup?
Köchin: Mei, viel kriegt man ja zur zeit net am Markt. A bißl an Kohl, ein paar gelbe Rübn, was d´Bauern halt so g´lagert habn. Aber Preise verlangens, nicht zum derzahlen. Ihr müßt mir mehr Haushaltsgeld gebn, Hochwürden, sonst kan i für kein guts Essen mehr garantieren!
Pfarrer: Mir habn doch erst g´schlacht? Was ist denn mit der Pfarrersau, die war doch zeckerlfett?
Köchin: So fett auch wieder net. Die vorige war besser beieinand. Das mehrer hab ich g´räuchert. Und verwurscht. Weil doch die Zeiten so schlecht sind und weil ma ja nie weiß...
Pfarrer: Justament aus der Arbeit hast mich wieder g´rissen.
Köchin: (unbeirrt): Da liegst mir jetz schon seit einem Vierteljahr damit in die Ohren. Nix gibt´s, ich hab net mehr. Die Bauern bringen kein Kirchgeld mehr auf.
Köchin: Aber Ihr halt´s ihnen allerweil noch d´Stang!
Pfarrer: Es is verständlich. (Er setzt sich an den Tisch.) Die Steuern und Abgaben sind unbarmherzig. Einfach z´viel für die meisten Leut. Und jetz noch die Zwangsrekrutierung. Des gibt einen Aufruhr, wirst sehn! Grad war ich an einem Bericht für´n Bischof. Bei allem Verständnis für die Lag´ von der Bevölkerung: Aber der Rumor, den´s da veranstalten, des gibt noch ein Unglück. Des steuert in einen Bürgerkrieg.
Köchin: d´Obrigkeit is allerweil viel zu nachsichtig mit dene Bauernschädel!
Pfarrer: (essend) Des grad net. Aber auch harte Maßnahmen rechtfertigen noch keine Revolte.
Köchin: Re - was?
Pfarrer: Revolte. Aufstand.
Köchin: Jessas naa, meinens wirklich, daß soweit kommt?
Pfarrer: Hat ja schon ang´fangt. Bei Vilshofen hab´s vor zwei Tag einen Rekrutentransport überfallen, d´Soldaten davong´jagt und die Rekruten befreit. Und die sind jetz natürlich mit dabei bei der Hetz auf den nächsten Transport. Des gibt ein Unglück, des sag ich dir.
Köchin: Hört´s Ihr nix, Hochwürden?
Pfarrer: Wennst ein wenig leiser schmatzen tät´st, könnt man vielleicht was hörn...
(Unterdessen hat ein Trupp Bauern unter Aufstellung genommen, Hauptmann
Weber und Großschopf klopfen mehrmals kröftig an.)
Köchin: Jetz hat´s an die Tür poltert. I schau nach.
Pfarrer: (hinter ihr her) Wenn´s der Zeilmayr is, wegen seine Bubn, laß ihn rein. Dem Mann muß g´holfen werden, des geht ja wirklich net, mitten unter der Arbeit alle Kräft´ aus dem Hof wegführn. Ich red mit dem Pfleger.
Köchin: (öffnet) Jessasmariandjosef! Was wollt´s jetz ihr, jetz am Abend und... und Spieß und...Hochwürden! Herr Pfarrer!
Pfarrer: (erscheint gleichfalls unten) Was gibt´s?
Kagerl: Landesdefension. Grüß Gott, Herr Pfarrer.
Pfarrer: Gottes Segen, Manner. was treibt euch her, so spät, und... was soll´n die Waffen?
Großschopf: Mir rüsten.
Pfarrer. Gegen wen?
Kagerl: Gegen die Österreicher.
Pfarrer: Na sauber. Da werd´s ihr einen Erfolg habn. Was wollt´s von mir?
Kagerl: (bündig) Euer Flinten, Euer Kugelbüchs und Gottes Segen!
Pfarrer: Sonst nix?
Großschopf: Des wär alles.
Pfarrer: (zunächst ruhig, steigert sich dann immer mehr in Zorn) des wär alles. So. Und die Pfarrkass´und s´Kirchengeld und die Meßg´wänder und den Kelch und mein Abendessen, des laßt ihr mir. Großzügig. Muß ich schon sagn.
Kagerl: d´Geld wär net schlecht. Aber d´Gwehr und der Segen helfen für´s erste auch.
Pfarrer: (brüllt los) Ja seid´s denn ihr narrisch! Is euch noch zum Helfen? Gegen die Kaiserlichen, gegen s´Reichsheer rüsten. Und dem Pfarrer das Jagdg´wehr fortnehmen wolln und dann auch noch um einen Segen bitten - net bitten: fordern! Ja ihr Bauernklacheln, ihr elendigen! Schämt´s ihr euch gar net? Euch werd ich helfen!
Köchin: Um Gotteswilln, Hochwürden, die drohn euch ja!
(Bauern murren und schütteln uhre Waffen.)
Weber: Laßt´s mich erklären, herr Pfarrer...
Großschopf: Wenn er´s net gutwillig gibt, dann müssen mir´s uns selber nehmen. Da gibt´s keinen Radi!
Anderl: Hilft nix, Hochwürden, mir brauchen mehr Gwehr. Die andern habn jeder eins, und bei uns bloß jeder zehnte, wenn´s gut geht.
Pfarrer: Die andern - des sind Soldaten, ausgebildete Reichstruppen. Da hat freilich jeder eins. Und einen Säbel dazu. Ja spinnt´s ihr denn? Mit reguläre Truppen wollt´s ihr´s aufnehmen? Die haun euch doch zum Teufl, bis ihr auf drei zählt habt´s!
Großschopf: Bis jetz war’s umkehrt
Anderl: (stolz) Ja. Dreimal habn mir´s schon davong´haut.
Pfarrer: Micht trifft der Schlag! Ja, ihr seid´s ja Revoluzzer! Anführer! Ihr werdt´s ja aufg´hängt, wenns euch erwischn.
Kagerl: Wenn´s uns erwischen. Aber die erwischen uns net.
Weber: (einlenkend) Und drum brauchen mir die Waffen.
Köchin: Schämt´s euch net, den Pfarrer um Gwehr und Segen zwingen wolln!
Kagerl: Du halt dein Maul, du alte Bißgurrn! dich kenn´ ma schon!
(Die Bauern schreien erbittert durcheinander.)
Pfarrer: Eine Ruh! Ruh, sag ich!
Weber: Bittschön, Hochwürden, bleibt´s ruhig. Ich erklär´s euch. Ich bin der Hauptmann Weber...
Pfarrer: Hauptmann von eignen Gnaden, nehm ich an...
Weber: Nein, regulärer Hauptmann von der Landesdefension. Mir stellen unter die Landfahnen Korps zamm, das wird eine ganz reguläre G´schicht.
(Sie dringen ein, drängen die Köchin zurück, man hört sie drinnen schreien.)
Weber. Gebt´s nach, Hochwürden, sonst kann ich für nix garantiern!
Pfarrer: Also gut, die Gwehr könnt´s habn. Aber auf meinSegen wart´s ihr umsonst.
Kagerl: (frohlockend) Da schau, Hauptmann, eine Pistoln hat er auch g´habt, der Herr Pfarrer!
Großschopf: Gelt´s Gott, Hochwürden! (Er macht eine spöttische Verbeugung.)
Kagerl: Auf ein andermal! (Man hört die Köchin kreischen)
Weber: Jetz muß Ruh sein! Vergreift´s euch net an der Wirtschafterin! Los, abziehn!
Kagerl: (spöttisch) Jawohl, Herr Hauptmann! (zu Großschopf und den anderen) Gehn mir, Manner! ( Sie ziehen ab.)
Weber: Nix für ungut, Herr Pfarrer. Sie sind halt noch net recht diszipliniert. Is erst noch ein Aufgebotskommando. Aber mir bringen ihnen schon noch einen Schliff bei, des könnt´s mir glauben.
Pfarrer: Ihr rennt´s in euern Untergang, des sag euch i!
(Weber ab. Die Köchin wankt mit blutendem Kopf heraus.)
Pfarrer: (erschrocken) Josefa! Wie schaust denn du aus!
Köchin: Die Sauhund habn´s Kastl aufbrochen und des ganze Kirchengeld mitgnommen.
Pfarrer: Naa!
Köchin: Und mein Erspart´s mit dazu! (Sie wankt ins haus zurück.)
Pfarrer: (starr) Des sind ja - Verbrecher!
(Er wendet sich um und geht langsam ins Haus zurück.)
RONDO III
(Die Bauern sitzen schweigend am Feuer.)
Resch: (nach einer Weile) Ja. Es is net allerweil alles gut gwesen, was passiert is.
Zeilmayr: Die Jungen sind halt oft z´gach.
Simon: Sind immer bloß ein paar, wo über d´Sträng schlagn.
Wagner: Wenn der Mensch Unrecht bekämpft, macht er leicht selber eins.
(Von hinten nähert sich ihnen Johannes Hoffmann. Er geht leicht gebückt. Man
merkt, daß ihn Sorgen plagen.)
Zeilmayr: Ah, der Herr Kommandant.
Wagner: (steht auf und salutiert lustig) Melde gehorsamst, alles vollzählig. Zu Befehl, Herr Oberst! (Sie lachen.)
Resch: Ihr schaut´s so sparsam heut, Hoffmann.
Hoffmann: mei, d´Verantwortung habn für schwach 4000 Leut, des is kein Pappenstiel...
Simon: Wie is´ jetzt mit Vilshofen. Gehn mir morgen?
Zeilmayr: Mir wolln was tun, net bloß umeinanderhocken.
Wagner: Lieber kaiserlich erschossn werdn als wie bairisch erfriern!
(Er lacht, aber die anderen sehen ihn stumm an.)
Hoffmann: Mir marschiern morgen. Vilshofen muß wieder uns g´hören. Mir habn Order, daß mir den Arnan nausschmeißen aus der Stadt.
Resch: Des habn die unsern vor zehn Tag schon probiert. Und dann hat´s die Gaudi bei Lissing geben.
Hoffmann: Mir sind mehrer, und mir kriegen wahrscheinlich nch Verstärkung vom Meindl und seine Schützen.
Simon: Warum is eigentlich Vilshofen g´fallen ?
Hoffmann: Was willst machen gegen 1400 Mann Infanterie und guat 100 Reiter. Haben eh tapfer g’schossn die unsern. Aber wia die Ansbachischen Grenadier eingriffn haben, sinds’ naus durchs ostliche Tor und davon. (Pause)
Resch: Was is eigentlich mit dem kaiserlichen Heer, des die Unsern bei Sendling massakriert hat?
Hoffmann: Des is von München wegmarschiert. Aber wo´s jetz stehn, weiß i net genau. recht na können´s aber noch net sein.
Zeilmayr: Weiß man des gwiß?
Hoffmann I schick einen Kundschafter los, heut abend noch.
Simon: Da kommt der Anderl mit noch einem.
Hoffmann: Des werd der Kundschafter sein.
Anderl: (im Näherkommen) Des is der Dobler Veitl, Kommandant.
Kundschaft.: Zu Befehl, Herr Oberst.
Hoffmann: Du kennst dich aus, um Eggenfelden?
Kundschaft.: Ja. Ganz gut.
Zeilmayr: Bist aus der Gegend?
Kundschaft.: Ja.
Hoffmann: Dann zieh los. In der Nacht is jetz am besten vorwärtskommen. Und paß auf, laß dich net erwischen. Lieber net so genau, aber dafür glei z´rückkommen, wennst den Feind g´sehn hast. Verstanden?
Anderl: Der Veitl kennt sich aus. Der kundschaft´ net zum ersten Mal.
Hoffmann: Dann los! (Kundschafter steht stramm, geht dann ab.)
Und ihr, halt´s euch bereit. Morgen in aller Früh geht´s auf Vilshofen.
Zeilmayr: Wird auch langsam Zeit.
4. BILD
(Auf der ganzen Spielfläche erscheinen Männer, Frauen und Kinder. Während die
Jungen mit ihrem ausgelassenen Treiben all sie Härte der Zeit vergessen machen,
stecken die Alten ihre Köpfe zusammen.)
Reschin: (die mit anderen an einem Tisch auf der hohen Gerüstebene sitzt, winkt die Magd herbei)
Magd 2: (steigt die Treppe hinauf und beginnt mit der Reschin eine gestenreiche Unterhaltung)
ÄltererMann: (löst sich aus einer Gruppe und geht zu den geht zu den Spielleuten und schimpft)
Iaz muaß amoi a ruah sei mit deara Tanzerei! Habd´s den es gar koan Charakter? Iaz is de Zeit eh so schlecht und es denkts grad ans luadan.
Aus is mit da Muse!
S´Brautpaar is eh scho hoam und für eng wars a des gscheiter.
Junger Mann: Do hast recht, mach mas a de Brautleit noch!
(mit höhnischem lachen)
Wos ebbern grod machen?
(Die Jungen lachen, die Alten murren)
Reschin: (zur Magd)
Ja red weiter!
Magd 2: ...und der Micherl hat verzählt...
Reschin: Der Micherl vom Hahnerbauern? War der auch dabei?
Magd 2: (wichtigtuerisch) Freilich! Und der hat verzählt. daß die Soldaten grennt sind wie die Hasen. Gar kein bißl g´wehrt habn sie sich.
Reschin: Was der Micherl verzählt, muß man net alles glauben! Des is ein Sprüchemacher.
Resch: (der in diesem Augenblick hinzu tritt) Wer?
Reschin: Der jung Hahnerbauer von Aldersbach.
Resch: Da sagst wahr!
Magd 2: Unser Hias hat auch gsagt, daß des stimmt, was der Micherl verzählt!
Resch: (wird hellhöhrig)
Der Hias? - Unser Knecht? - War der auch dabei?
Magd 2: Ja feilich, weil ich ihn g´fragt hab!
Resch: (richtet sich auf und schaut zu einer Gruppe junger Männer - schreit wutentbrannt)
Hias!!
Alle horchen auf
Hias: (geht, nichts Gutes ahnend, zum Tisch vom Resch)
Resch: (hart)
Was muß i da hörn?
Hias: (schweigt verlegen)
Resch: Hast du nix anders z´tun als solche Faxen? Schaff ich dir z´wenig Arbeit an? Daß du für´s Rebellieren Zeit findst?
Gib eine Antwort!
Hias: Wie i s´Roß zum Schmied g´weist hab...
Reschin: Wie er s´Roß zum Schmied g´weist hat! Ah, drum bist so lang ausbliebn! Schamst dich net, an Bauern so hintergehn!
Resch: Halt di do ausser, Maria.
(Zum Hias)
Des mag i jetzt scho genau wissn!
Also!
Hias: (betreten)
Wie i s´Roß zum Schmied g´führt hab, sind´s mir begegnet, die Burschen von Beutelsbach, von Aidenbach und ein paar von Griesbach warn auch dabei. Der Großschopf und die zwei Kagerlbrüder habn´s kommandiert.
Resch: Ausg´rechnet die!
Reschin: Und vom Großschopf hab i auch noch nix G´scheit g´hört. Der sollt net Großschopf heißn, sondern Großgoschn! Der, mit seiner...
(Resch wirt ihr einen mahnenden Blick zu)
... weil´s wahr is!
Resch: Und dann?
Hias: Mei, dann habn´s g´sagt, i soll mitgehn. Sie taten Rekruten befrein, die wo die Kaiserlichen in der Gegend ausg´hoben habn. Alle Burschen und Mannerleut müßten mittung, und eine Hetz wär´s auch...
Resch: Eine Hetz. So.
Hias: Und dann bin i halt mitgangen.
Reschin: Dann is er halt mitgangen. Und s´Roß
Hias: (murmelt) Des war schon beim Schmied. Aber der Schmiedjakl is auch mitgangen.
Resch: Sauber! Und dann?
Hias: Dann habn mir´s halt befreit.
Reschin: D´Rekruten?
Hias: D´Rekruten. Ja.
Resch: Und die Soldaten?
Hias: Die sind glei davon. Gar net g´schossen habn´s. Weil mir die mehrern warn.
Magd 2: (mit Genugtuung) Und ihr Kommandierer is über sein Sabel g´stolpert.
Hias: Sagt der Micherl. G´sehn hab i des net.
Magd 2: Hast mir aber verzählt!
Hias: Jetz halt´s Maul: Hast mir schon g´nug Ärger ein´brockt, du Rindviech.
Johanna: (betritt in diesem Augenblick von hinten die Stube) S´Gott beieinand. War der Simmerl schon da?
Resch: Der Veith Simmerl?
Johanna: Ja.
Reschin: (launig) Halt´s jetz euer Rendezvous schon beim Nachbarn?
Johanna: (verlegen) Naa... (zu Resch) Weil, der Simon wollt zu Euch, Resch, weil - er will, also...
Resch: No?
Johanna: Aufstehn tun d´Leut überall im Gäu. G´fallen wolln sie sich nix mehr lassen, keine Rekrutierung nimmer und kein Viech soll mehr wegtrieben werden, und nimmer kujonieren wollen sie sich lassen von die Soldaten. Eine Landesdefension wolln´s aufstelln. Der Simmerl auch.
Resch: (trocken) Und?
Johanna: Und ihr sollt´s auch mittun! Und i ... i halt´ nix davon. Weil des bloß ein Unglück gibt. Und weil der Simmerl und ich...
Reschin: (begütigend) Und mein Mann soll ihn z´ruckhalten. Oder?
Johanna: (erleichtert) Ja!
Resch: Is´jetz wirklich schon soweit? Revoluzzern wolln´s?
Hias: Weil´s wahr is! Weil des so net weitergehn kann!
Resch: (wendet sich ihm ruhig zu) Was dir die andern einspeiben, Hias, des is mir wurscht. Solangst du bei mir im Dienst bist, haltst dich da raus. Und wenn net: Dann suchst dir auf Lichtmeß einen andern Hof.
Magd 2: (erschrocken) Jessas, Bauer, is des Euer Ernst?
Resch: Bei mir wird net rebelliert! mir tun unser Arbeit, zahln unsere Steuern - auch wenn´s hart sind - und scher´n uns nix um Politik.
Reschin: Gottseidank, Mann. Des is ein Wort!
Resch: (schmunzelnd) Brauchst dir nx denken, Mutter, i bin kein Heißsporn nimmer.
Hias: (murrend) Aber wenn die andern alle auch...
Resch: (entschieden) Im Reschendobl net. Punktum!
Johanna: Klopft hat´s. Des is der Simmerl.
Simon: (im Eintreten) S´Gott beieinand!
Reschin: (launig) No, Revoluzzer, wo naus heut?
Simon: Resch, i muß mit dir reden!
Resch: Weiß schon!
Simon: Glaub ich net. Aber i sag´s dir: D´Landesdefension wird aktiv. Die Landfahnen treten zamm, mir machen mobil!
Resch: (trocken) So.
Johanna: Simon, was ihr da vorhabt´s - des kann net gutgehn.
Reschin: Des is meine Meinung auch!
Simon: Ihr wißt´s ja kaum, was mir wolln!
Resch: Was i weiß, des g´langt mir.
Simon: s´ganze Land steht auf. Werd´s es sehn. s´ganze Land! Mir habn a Parol´ ausgebn: Lieber bairisch sterbn, als wie im Kaiser sein´m Unfug verderbn!
Resch: So. Und da damit jagt´s ihr die Kaiserlichen ausm Land...
Simon: Net spottn, Resch, net spottn! Du mußt zugebn, daß´ net so weitergehn kann. Mit die Steuern, mit die Zwangsrekrutierungen, mit die Soldaten ihre Schikan´. Oder? Habn´s euch net die zwei Bubn vom Hof g´holt?
Resch: Des war keine Zwangsrekrutierung. des war schon im Frühjahr, und nächst´s Frühjahr kommen´s wieder hat´s g´heißn.
Simon: Hat´s g´heißn. Aber die ganzn Rekruten habn´s jetz aus die Garnison´ naus und schickens´s nach Italien!
Reschin: Um Christi willen! Auf Italien? Weißt des gwiß?
Simon: I darf maustot umtalln, wenn´s net stimmt!
Resch: (verwirrt) Auf Italien?
Simon: Und wißt´s, was d a tun müssen? Gegen unsern Kurfürst Krieg führn, gegen unsern eignen Landesvater.
Reschin: Naa!
Johanna: (leise) Des hab i auch schon g´hört.
Resch: (gibt sich einen Ruck) Des hilft alles nix. Deswegen können mir net rebelliern. Des bringt nix, bloß Leid und Blut und Tod. Mir habn kein regulärs Militär.
Simon: Aber mir kriegen wieder eins. Sind g´nug abdankte Soldaten da. Söldner auch, und ehemalige Offizier. Mir stellen eine Landesverteidigung auf. Der Hauptmann Weber führt unsere Truppen im Viertel da an.
Resch: Der Weber is kein Hitzkopf. Meint der, daß die G´schicht eine Aussicht hat?
Simon: Wenn alle zammhalten, dagt er, dann könnten mir die Kaiserlichen ausm Land fegen wie ein Wind!
Johanna: Wenn alle zammhalten... wenn, Simon! Simmerl, die mehrern reden doch bloß. Des weißt du doch auch!
Simon: Jetz sag i euch noch was: Der Zeilmoar tut auch mit!
Reschin: Was du net sagst!
Resch: Der Jungbauer?
Reschin: Net der jung. Den habn´s doch vor drei Tag erst rekrutiert, mitsamst sein´m Bruder.
Resch: Aber der alt Zeilmoar wird doch net -
Simon: Doch. Des kann er net stehn lassen, sagt er. Mit seine Bubn, und überhaupt. Der greift mit an! ( Es enteht eine längere Pause.)
Resch: (bedächtig) Aber i net. (Er wendet sich ab.)
(Während die übrigen abtreten, geht Resch vach vorne; er bleibt zwichen Gerüst
und Lagerfeuer stehen und wendet sich an das Publikum, nachdem auf der obersten
Gerüstebene der Schwarze Bauer aufgetaucht ist und das Leitmotiv auf der Flöte
gespielt hat.)
Resch: I tu aber jetzt doch mit. Meine Maria wollt net, daß ich mittu. Aber in der Nach hat´s allerweil g´weint um unsere Bubn. Und dann - die andern, von der Landesdefension, habn uns droht, da´uns den Hof niederbrennen, wenn mir net mittun. Mormal kümmert mich sowas net. I bin net leicht zum Erschrecken. Aber wennst die eignen Dienstboten nimmer traun kannst... Und wenn schon einer geht, vom Hof, dann i selber; net der Knecht hab ich mir denkt. Unserm Hias sind seine Flausen sowieso vergangen: Wie er erlebt hat, wie d´Soldaten bei Vilhofen 200 Burschen auseinandertrieben habn. Ein paar habn´s g´fangen und g´foltert, und einem s´Maul aufg´schnitten von einem Ohrwaschl zum andern . des hat er mit anschaun müssn, ausm Versteck. Da is er dann lieber am Hof bliebn. (zu Wagner) I halt nix von so Parola wie „Lieber bairisch sterbn...“ Aber s´Land is im Aufruhr, d´Leut sind nimmer zum Haltn. A paar b´sonnene Köpf braucht´s dann da auch, hab i mir denkt. Drum tu i mit. Viel Hoffnung - hab i net.
(Er geht zum Lagerfeuer )
(Während Resch seinen Monolog spricht, fährt von rechts ein Bauer mit einem Kugespann auf den Vorplatz. Bei der Stelle „und wenn scho oana geht vom Hof dann i und net da Knecht“ beginnt er zu pflügen. Ein Mädchen fährt die Kuh auf und ab.)
(Auf der linken und mittleren Bühnenplattform stehen plötzlich drei Soldaten.)
Feldwebel (zum pflügenden Bauern) „Brrr! Machma Feierabend!“
(er schlendert die Treppe herab)
Bauer: (erschrickt) Wos? Wia?!
Feldwebel (grinsend): „Du bist gwieß scho müd! Derfst ausspannen. Jetz machen mir weiter.“ (Bauer steht unschlüssig) (im Befehlston) „Auspannen!“ (Geht zur Kuh, betastet sie)
O mei, da dürfen mir a Zeitlang köcheln! Die is zäh wie Schuhleder!“
Mädchen: „Ned! Um Gott´s Barmherzigkeit willen - ned die Bleß. Habt´s eh schon die Roß davon. Ned a no die letzte Kuah!“
1. Soldat: (wendet sich ihr langsam zu) „Ja, wer bist denn du? Bist du die Dreingab zur Kuah?“
(Er und die beiden anderen Soldaten mustern das Mädchen schamlos. Der Bauer steht mühsam beherrscht neben dem Pflug und ballt die Fäuste.)
Mädchen: „Laßt´s uns die Kuah - bittschön! (Sie kniet vor den Soldaten nieder.)
1. Soldat: „Was is´ dir denn wert ... wenn mir die Kuah dalassen? Ha? Da mußt uns schon was bieten dafür!“ (Er faßt sie spielerisch am Genick und streichelt sie an der Backe.)
Bauer: (will auf ihn los) „Rühr mir du mein Dirndl ned an!“
2. Soldat: (hält ihm das Gewehr an den Hals) Halt dich ausser, du , sonst rumsts!“
1. Soldat: (grinsend) „Des werd´s eh gleich!“ (Er schaut unzweideutig auf das vor ihm knieende Mädchen.) „Komm, schaun mir einmal, was du überhaupt wert bist...“ (Er zieht sie hoch, sie folgt ihm zögernd.)
Bauer: (schreit) „Mariann!“
2. Soldat: „´s Maul halt!!“ (Er gibt dem 3. Soldaten einen Wink. Der schneidet mit dem Messer die Zugstricke durch.)
Bauer: „Aber ihr habt´s doch g´sagt...“
2. Soldat: „I hab nix g´sagt. Und wenn der ander kein Rindfleisch mag, nacher is des sein Sach. I mag eins!“
(Er und der 3. Soldat führen die Kuh fort. Der Bauer steht hilflos mit geballten Fäusten und schaut ihnen nach. Dann wischt er sich mit dem Ärmel über die Augen.)
(Auf der mittleren Plattform steht der Schwarze Bauer und bläst sein Leitmotiv. Er spielt, bis das Mädchen, das vom 1.Soldaten unter das Gerüst durch die mittlere Tür geführt wurde, von dort wieder erscheint und zögernd, mit leerem Blick, zum Pflug zurückkommt. Vater und Tochter sehen einander nicht an. Der Bauer knüpft die abgeschnittenen Enden der Zugstricke zusammen und hängt sich selber vor den Pflug, den jetzt das Mädchen führt. Die beiden gehen nach rechts ab, die Musik verstummt. Blackout.)
5. BILD
(Während die Bauern hinter dem Wall aus Reisigbündeln unbeweglich sitzen ble
ben, kommen hinter der linken Gebäudeecke der österreichische Feldwebel, der
Quartiermeister, Soldaten und die drei vom Zeilmayr-Hof weggeführten Rekruten
hervor. Gleichzeitig nehmen auf der obersten Gerüstebene in der Bühnenmitte Ge-
neral Kriechbaum und Oberst Marschall an einem Tisch zum Essen Platz, den zwei
Soldaten hereinstellen. Unten wird Kasernenhofatmospfäre spürbar)
Feldwebel: (weist einen Soldaten an, ein Lagerfeuer am oberen Ende des Platzes anzufachen. Dann nimmt er mit süffisantem Grinsen die drei Rekruten in Augenschein) Wunderschönen Morgen, die Herren! Sie sind mir ab solfort unterstellt und werden die Ehre haben, von mir ausgeildet zu werden. (brüllt) Und wann´s ihr Bauernschädel net funktionierts, wie unser gnädiger Kaiser und i uns des vurstelln, dann werdn mir euch schleifn, bis euch des Gelbe aus die Eier rinnt!
Marschall: (von oben) Brüll er leiser, verdammt, Feldwebel, oder will er mir die Mahlzeit versaun!
Feldwebel: Zu Befehl, Herr Oberstleutnant:
Kriechbaum: Da gibt´s nicht mehr viel zu versaun, Marschall. Der Fraß ist schier nicht zu genießen. Aber was soll´s: Der einfache Mann ißt noch schlechter.
Marschall: Man kann sagen, was man will über unsere kaiserliche Administration zu München: Aber auf Dinieren verstehn sich die Herren.
Kirechbaum: Ein gutes hat die magere Kost: Sie schärft neben den langen Märschen den Soldaten den Grimm auf das Pack, dem sie die Unbill zu verdanken haben...
Marschall: alte Strategie: Je hungriger der Soldat, umso wüster haut er drein, vor allem, wenn Beute in Aussicht.
Kriechbaum: Da wird unsern braven Leuten der Schnabel wohl ziemlich sauber bleiben.
Marschall: Na, ich denk, die Rottaler Bauern und ihre Ochsen stehn nicht schlecht im Fleisch!
Kriechbaum: Bei den Abgaben? (Sie lachen.)
Ich frag mich, ob Wien die Situation nicht provoziert hat, durch die übermäßigen Forderunge. Man hätte rechtzeitig steuern können Wer in Italien Krieg führt, darf sich die Nachbarschaft der Erblande nicht zu sehr vergrämen.
Marschall: Ich kümmer mich nicht um hohe Politik. Das überlaß ich den Kavalieren bei Hof. (Zu einem Soldaten, der Essen bringt) Na endlich! Und Gott gnad ihm, wenn das Fleisch genauso kalt ist wie die Suppe war!
Quartierm.: (beiseite zu den Rekruten, die der Feldwebel besichtigt hat) Macht euch nicht zuviel draus. Aber seid vorsichtig. Den Feldwebel müßt ihr nicht eizen, sonst habt ihr noch weniger zu lachen als sowieso.
Jakl: I denk mir halt: Hund, die wo belln, beißn net!
Quartierm.: Der schon! Täusch dich nicht, mein Gutester, der schon!
Martin: Du, sag einmal...
Naz: (stößt ihn an) Martl, du kanst doch dem Quartiermeister net einfach „du“ sagn...
Quartierm.: Schon gut.
Martin: Also: Wo kommt´s Ihr denn her, Quartiermeister? Ihr habt´s so eine komische sprach?!
Quartierm.: Nu, aus Sachsen. Das hört man doch, oder?
Jakl: Sachsen? I denk mir, mir sind bei die Kaiserlichn. Und der Kaiser sitzt doch in Wien?
Naz: Des is doch Österreich, oder net?
Quartierm.: Mir sind Reichstruppen, mein Gutester. Aus aller Herren Länder.
Feldwebel: (kommt wieder heran) Maulaffen felhalt´n gibt´s bei uns net. was lungert´s ihr umeinander?
Martin: Mir habn den Befehl net ganz verstanden, Herr Feldwebel. Wo solln mir hin?
Feldwebel: Der Herr is schwerhörig. Nett. Aber gegen Taubheit gibt´s ein gutes Mittel. Des heißt Exerzieren. Also: Hinlegen!
Jakl: Ha?
Feldwebel: (brüllt) Hinlegen! (Sie werfen sich nieder.) Aufstehn! Hinlegen. Und Auf-stehn. Und Hinlegen! Euch werdn´n mir die Hammelfüß schon so lang ziehn, daß´s drüber stolperts! Auf! Hinlegen! Auf!
Marschall: (ist beim Beginn des Exerzierens aufgesprungen und hinuntergelaufen) Ist er noch bei Verstand? Hab ich ihm nicht gesagt, er soll mir das Essen nicht versaun mit seinem Gebrüll? Und was soll die Hinwerferei? Bild er die Kerls an der Waffe aus, das ist weiß der Teufel nötiger als seine Schikane. In ein paar Tagen müssen die Burschen schießen, und wahrscheinlich wissen sie nicht mal, wo bei einer Muskete vorn und hinten ist!
Martin: Verzeihn, Herr Offizier, mir können ganz gut schießen, der Jakl und ich. Und der Naz hat auch schon...
Marschall: (erbost) Maul haltn! Wart er gefälligst, bis er gefragt ist, Bauernsau!
Feldwebel: (in seinem Element) Bauernsau, hirng´schissne! Maul haltn!
Marschall: (faucht ihn an) Ich brauch sein Echo nicht, verstanden? Und tu er, was ich sag! Wenn ich in zwei Stunden kontrollier, und die Burschen funktionieren nicht, kann er was erleben! (Stürmt wiede hinauf.) Keine Disziplin, diese Österreicher! wenn ich da an meine Ansbachischen Grenadiere denk...
Feldwebel: Jawohl, Herr Oberstleutnant! ... Drecksau, puderte! Paruckendepp!
(Soldaten und Rekruten lachen)
Felwebel: Euch werd´s Lachen schon noch vergehn! Dienst an der Waffe! Los! Sofort! (Er geht mit den drei Rekruten und drei Soldaten zum Hintergrund.)
Naz: (Im Abgehn) Des schaut net nach einer Gaudi aus...!
Jakl: Nach einer Gaudi is mir schon lang nimmer!
6. BILD
(Während der Feldwebel mit den Rekruten im Hintergrund links Laden und Feuern
einer Muskete erklärt und die Leute drillt, entsteht rechts vorne Lärm. Drei Soldaten
einer davon beritten, schleppen den sich heftig wehrenden Kundschafter unter der
Verbingdsbrücke herein. Er hängt mit den gefesselten Händen an einem langen
Strick, den der Reiter führt.)
1. Soldat: Gib Ruh, sonst kriegst noch eins übern Schädel!
2. Soldat: Saukerl, dreckerter!
Marschall: (von oben) Was gibt´s?
1.Soldat: Einen G´fagenen bringen mir ein, Herr Oberst!
Marschall: Ich komm´ ! (Nach hinten) Herr Generalwachtmeister! (Kriechbaum erscheint und geht mit Marschall in den Hof hinunter.)
Quartierm.: (mit Blick auf den Gefangenen) Arme Sau!
2. Soldat: Halt´s ihn fest, ich hol den Feldwebel.
1.Soldat: Der Kommandant und der Oberst kommen schon.
Kriechbaum: Wer ist der Kerl?
1. Soldat: Mir habn ihn abg´fangt, wie mir auf Patrouille warn, Herr General.
2.Soldat Hat sich zwischen die Büsch versteckt und is verdächtig umeinanderg´schlichen.
Marschall: Vermutlich ein Bauernspion.
Kriechbaum: Wer ist er? Wo kommt er her? Antwort er!
Marschall: Wird´s? Oder muß man ihm den Mund öffnen...!
Kundschaft.: I bin unschuldig!
Marschall: Das sagen alle!
Kriechbaum: we ist ein Späher der Rebellen, hab ich recht? Gesteh er, dann passiert ihm nichts.
Kundschaft.: I hab mit keine Rebellen durchaus nix z´tun.
Kriechbaum: Larifari! Man sieht ihm das schlechte Gewissen auf eine Meile an!
Marschall: Red er schon! Wo sind seine Kumpane? Wo steht der Hoffmann´sche Rebellenhaufen?
Kundschaft.: I weiß nix! I bin der Kreitmoar von Schärding. Wollt auf Vilshofen an Ochsen kaufn.
Kriechbaum: Da hat er sich aber ein Stück verirrt!
(Gelächter unter den Umstehenden.)
Kundschaft.: Wirklich! I hab mich verlaufen. I bin net ortskundig. I bin der Kreitmoar von Schärding und...
Marschall: (energisch) Erspar er uns seine Faxen! Pack er aus. Oder soll ich ihn stäupen lassen?
Kundschaft.: (erschrocken) Net, bittschön, Herr Offizier...
1.Soldat: Der war bestimmt ortskundig! Wie der durch die Büsch davon is, der hat sich auskennt.
Kriechbaum: Verdammt, erspar er sich und uns die Prozedur! Wir wollen wissen, wo sich die Rebellen aufhalten.
Kundschaft.: Und wenn´z mich umbringt´s- i weiß nix!
Kriechbaum: (zu Marschall) Eine harte Nuß!
Marschall: Man wird Mittel und Wege finden...
Feldwebel: (der von hinten neugierig hinzugetreten ist) Wann man ihn urdentlich foltert, macht er Goschen schon auf!
Marschall: Will er das übernehmen?
Feldwebel: Zu Diensten, Herr Oberstleutnant. Mit Vergnügen.
Kriechbaum: Ich würd ihm die Folter ersparen. Wir sind keine Unmenschen. Aber wir brauchen exakte Auskunft.
Kundschaft.: Um Christi Erbarmen! Hohe Herren! I weiß nix! Laßt´s mich aus, um Gotts willen, laßt´s mich!
(Die Soldaten, begleitet vom Feldwebel, schleppen ihn zum Hintergrund nach links.)
Kriechbaum: Ekelhaft!
Marschall: (lakonisch) Er will´s offenbar so.
Feldwebel: Der Herr hat´s gern robust. Bittschön, kann man machen, kann man machen... (Er zieht im Vorbeigehen einen Brand aus dem Lagerfeuer. Zu den Soldaten) Zieht´s ihm d´Hosen aus!
(Die Soldaten machen sich an dem Gefangen zu schaffen.)
Kriechbaum: Wenn das Rebellenlager in der Nähe ist, schlagen wir sofort zu!
Marschall: Ich würde vorschlagen, mit meinen Grenadieren von Vilshofen aus zu operieren. Es sei denn, die Zahl der Rebellen macht eine Vereinigung mit Ihrem Corpeto erforderlich, herr Generalwachtmeister. Solang´s nicht mehr als das Dreifache unserer Truppenstärke hat, scheint mir das freilich nicht nötig.
Kundschaft.: Aaaah!
Kriechbaum: Sie haben recht, Oberst. Die Stärke der kaiserlichen Waffen über einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner hat sich schließlich erst vor knapp zwei Wochen erwiesen.
Marschall: In offener Feldschlacht haben die Bauern nichts zubestellen.
Kundschaft.: Aaahh! Nimmer brennen, nimmer! I halt´s nimmer aus!
Marschall: Ich trau mir zu, mit 200 von meinen Grenadieren einen Haufen von 2000 Bauern aus dem Feld zu schlagen, daß sie laufen wie die Hasen.
Feldwebel: (kommt nach vorne) Der Bursch is g´ständig.
Marschall: Das hat er ja schnell hingekriegt!
Feldwebel: G´lernt is g´lernt... (Kriechbaum wendet sich angewidert ab.)
(Soldaten schleppend den bis aufs Hemd ausgezogenen Kundschafter an den A
men heran. Er kann nicht mehr laufen.)
Kriechbaum: Nun, hat er sich´s anders überlegt?
Kundschaft.: I sag alles. Um Christi Barmherzigkeit, nimmer brennen! I sag alles!
Marschall: Wo stehen seine Kumpane?
Kundschaft.: Bei Aidenbach. Südlich und östlich vom Ort.
Marschall: Fließt da nicht ein Bach.?
Kundschaft.: D´Alders, ja. Die habn´s im Westen als Schutz.
Kriechbaum: Wer führt sie? Der Hoffmann?
Kundschaft.: Der Hoffmann kommandierts.
Kriechbaum: Wieviel sind ihrer?
Kundschaft.: Gut 3000. Sie warten noch, wolln morgen auf Vilshofen.
Marschall: Kriegen sie Verstärkung? Wann?
Kundschaft.: Verstärkung, ja.
Kriechbaum: Wieviel? Red er schon!
Kundschaft.: I weiß net.
Feldwebel: Soll i nochmal...?
Kundschaft.: Naa! Jesus, naa! I weiß net. I weiß bloß, daß noch welche kommen solln. Weiß net wieviel. Nimmer brennen, i tat´s sagn, gwiß! I tät´s sagen... ( er bricht in Schluchzen aus)
Kriechbaum: Hör er auf! ( zu Marschall) Wie weit ist Aidenbach von hier?
Marschall: Nicht weit von Vilshofen. Ein Marktflecken. Ich denk, ein Tagesmarsch von Eggenfelden.
Kriechbaum: Reiten sie nach Vilshofen, Oberstleutnant. Sammeln Sie ihre Leute! Greifen sie von Norden her an! (Marschall salutiert und ab)
Kriechbaum: (zu einem Soldaten) Befehl an die Husaren in Pfarrkirchen: Sofort nach Aidenbach in Bewegung setzen! Wir marschieren in einer Stunde los. (zum Feldwebel) Antreten lassen! Weg mit dem Spion!
(Das Feld wird geräumt, die soldaten nehmen Aufstellung, von rechts fährt die Kutsche herein)
Kriechbaum: (tritt vor seine Soldaten)
Soldaaten!Ihr kennt mich. Ein Georg Friedrich Freiherr von kriechbaum ist kein Mörder! Ein Generalwachtmeister im Dienste seiner kaiserlichen Gnaden, ein Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist kein Mörder.
Den Aufstand im Oberland haben wir in Sendling niedergeworfen! Es war keine „Mordweihnacht“! Das Militär mordet nicht, es wirft nieder! Aufstände müsen niedergeschlagen werden.
Zu harte Übergriffe sind bedauerlich. Aber - wir dulden keine Revolten!!
Nach Aidenbach! Maarsch!
(Der gesamte Troß marschiert unter den Klängen des Spielzuges ab)
7. BILD
(Auf der mittleren Gerüstebene , die den Reschenhof darstellt, sitzen Reschin,
Zeilmayrin und Johanna beisammen.Sie handarbeiten.)
Zeilmayrin: Daß i ihn net z´ruckhalten kann, weiß ich ja. Und der Kältn den ganzen Tag draußn, und die Märsch´! Und mit der Verpflegung hängt´s auch, hat mir euer Knecht verzählt.
Reschin: (zur Magd, die in diesem Augenblick eintritt)
Is der Hias schon wieder z´ruck?
Magd 2: Der is doch erst vor zwei Stund los, da kann er doch noch net z´ruck sein. Aufpackt, wie der war...
Zeilmayrin: Schickst regelmäßig eine Brotzeit naus, Maria?
Reschin: Naa. Kann ja net, weil i normal net weiß wo´s grad umeinanderziehn. Aber diesmal hab i´s g´wußt, daß net weit weg sind. Des hat sich rumg’sprochen, daß’auf Vilshofen gehen.
(Schweigen)
Zeilmayrin: Wo ebba meine Bubn jetz sind...
Johanna: Tu dich net ab, Zeilmoarin, die kommen schon wieder.
Zeilmayrin: Und jetz der Mann auch noch im Feld. So ein Kreuz, naa, so ein Kreuz!
Reschin: Seit ma des von Sendling weiß, sind viel wieder heim.
Zeilmayrin: Der meine net. Der is stur wie ein Ochs.
(Unten klopft Pfarrer Schönbucher an.)
Magd 2: Klopft hat´s!
Reschin: Dann mach halt auf! (Die Magd geht öffnen und kommt mit dem Pfarrer zurück.)
Pfarrer: Gottes Segen!
Alle: Grüß Gott, Hochwürden.
Reschin: Setzt´s Euch her, Hochwürden.
Pfarrer: Vergelt´s Gott.
Zeilmayrin: Wo geht´s denn umeinander, Herr Pfarrer!
Pfarrer: Ich schau mich um. Kopf an bei die Höf´, schau nach dem Rechten. Fast überall sind ein paar von die Mannsbilder rebellisch worden.
Johanna: So kann ma des net sagn!
Reschin: Rebellisch?
Pfarrer: (bitter) Net? Aufruhr is im ganzn Gäu. Wie eine Krankheit is des, wie eine Seuch´. „Liaber bayrisch sterbn als kaiserlich verderbn...!“ So ein Unfug! Als wenn´s net schon so g´langen tät, die Not und die Kriegslasten.
Magd: (aufmüpfig) Eben! Und des kann net so weitergehn. Drum sind´s naus.
Reschin: Sei du staad. Du bist net g´fragt.
(Magd eingschnappt ab)
Zeilmayrin: Man müßt die Manner abhalten, eh sie eine Dummheit machen.
Pfarrer: Die is schon g´macht. Gegen´n Kaiser und d´Obrigkeit aufmucken!
Johanna: Aber so eine Obrigkeit is auch net...
Pfarrer: Was?!
Johanna: I mein, die habn uns doch bis aufs Blut g´schundn und kujoniert!
Pfarrer: Des war net d´Administration z´München. Des warn d´Soldaten.
Johanna: Weil die Obern sie net im Griff habn!
Zeilmayrin: Und daß´ unsere Bubn ausm Bett in d´Garnison g´holt habn und ins Feld stelln - is des Recht?!
Pfarrer: Zugebn. Des is hart. Trotzdem darf man als Untertan net gegn die gottg´wollte Obrigkeit rebelliern. Es gibt schließlich G´richt´und Pflegschaften!
Reschin: Die meisten Pfleger habn doch mittan und d´Soldaten deckt. Und die andern habn sich nix sagn traun.
Pfarrer: Unrecht bleibt Unrecht. Und die Sach mit´m Aufstand geht in Grabn nei, des kann ich euch gleich sagn.
Reschin: Meint´s wirklich, Hochwürden?
Johanna: I halt des nimmer aus! Des Rumsitzen und warten. I halt´s net aus. I muß wissen, wie´s ihm geht, dem Simon.
Pfarrer: Is der auch mit draußen?
Johanna: Ja.
Pfarrer: (kopfschüttelnd) Wie eine Krankheit. So ein vernüftiger Bursch.
Johanna: (entschlossen) I geh naus. I geh ins Lager. Bei Aidenbach, sag´ns, habn´s ein Lager. I muß redn mit ihm.
Pfarrer: Eine gewagt Sach! Wer weiß, was passiert, wenn jetz Soldaten in der Näh sind.
Reschin: Auf eine Frau hörn die allerweil net, Johanna. Des hat kein Zweck, Hannerl.
Zeilmayrin: Hochwürden, i bitt Euch, wollt´s es net Ihr versuchen?
Pfarrer: Was?
Zeilmayrin: Redt´s ihnen ins G´wissen, Hochwürden. Sagt´s ihnen, sie solln heimgehn. Bittschön, Herr Pfarrer, versucht´s es!
Pfarrer: (bitter) Viel werdn sich die net sagn lassen von mir.
Reschin: Hochwürden: Ich mein auch, wenn´s Ihr des nochmal versuchen täts. Es hat bestimmt mehr Sinn, wie wenn mir Weiberleut... Und man muß´ doch versuchen, gell?
Zeilmayrin: Bevor´s ein zweites Sendling gibt!
Pfarrer: (nach kurzem Zögern) Gut. I geh.
Johanna: I geh mit!
(Sie gehen über Treppen auf und ab, zwischendurch halten sie inne)
Johanna: Heuer im Frühjahr wolltn mir heiratn. I will, daß er wieder heimkommt, heil, mit g´sunde Glieder. I will ihn net verliern.
(Sie schweigt eine Weile.)
Wenn’s draußen bleibn, die Manner,wenn´s erschossen werd´n, des is net zum Ausdenken....bestimmt habn´s Angst. Wie mir. Aber uns fragt keiner. Uns fragn´s nie. (sie wischt sich mit dem Ärmel über die Augen)
RONDO IV
(Die Bauern verlassen den Schutzwall und kauern sich wieder am Lagerfeuer z
sammen. Wagner steht etwas abseits und schaut zum Himmel.)
Wagner: Wenn der Auswärts übern Wald pfaucht, rumpelts im Boden drin. Des is des Zeichen, daß der streng Winter d´Herrschaft verliert. Dann kommt bald der Eisgang. Und dann schiebt´s d´Blumen naus: Krokus, Märzbecher...
I kann´s kaum erwartn, daß der streng Herr Winter, der streng Herr Kaiser sein Herrschaft verliert. Der Auswärts muß kommen! Eine gelbe Sonn´ muß aufgehn.
Simon: Im Winter is die Sonn meistens rot.
Wagner: Wie Blut. (Sie schweigen.)
(wendet sich wieder der Gruppe zu) Wie ich aus der Garnison abg´haut bin, habn´s grad exerziert. I sag euch, es is ein Bildl, des brennt sich ein. Wenn sich die Reihen zammschließen, und vorwärtsrucken, stehn und anlegn. Und die G´schützer mit ihrene schwarzn Mäuler in Stellung zogn werdn - und dann die Kürassier auf die Gäul mit´m Pallasch vor der Schulter...
Und die Trommeln und die Pfeifen, durch Mark und Bein geht des.
Resch: (trocken) Des is ja der Sinn von der Feldmusik. Daß die andern Angst kriegn.
(Von hinten kommen Johanna und Pfarrer Schönbucher.)
Pfarrer: Grüß Gott, Manner.
Resch: Gott´s Segen, Hochwürden.
Pfarrer: Den kann ich euch net wünschen zu eurer Sach.
Simon: (erschrocken) Hanna! Hannerl, was machst du denn da?!
Johanna: Simon, komm mit heim!
Zeilmayr: Ein Weiberleut hat im Lager nix zum Suchen! Was wär denn des!
Simon: Geh heim, Johanna. Wenn dich die andern sehn!
Johanna: Schämst dich mit mir?
Resch: Der Zeilmoar hat recht, Johanna: Frauen habn nix verlorn im Feldlager. (zum Pfarrer) Ihr hätt´s sie net mitgehn lassen dürfn, Hochwürden.
Pfarrer: Sie hat sich nix sagen lassen. Wie ihr. Ihr seid´s eine dickschädlige Rass´, ihr Bauern.
Resch: (schmunzelnd) Des macht der Boden. Der is hart zum Derpackn...
Pfarrer: Euere Frauen schicken mich. Sie habn Zeitlang nach euch. Eine Botschaft habn´s mir auftragen. Ihr sollt´s heimkommen. Die Revoluzzerei hat kein Sinn. und ich sag´s euch auch: Ihr rennt´s in euer Verderben.
Zeilmayr: (unwirsch) Schleicht´s euch, ihr zwei! Laßt´s uns allein.
Resch: Nix für ungut, Hochwürden. Aber jetz sind mir einmal da. Mir sind net solang umsonst im Feld. Morgen geht´s auf Vilshofen.
Wagner: Mir habn eine Losung!
Pfarrer: (böse) Ich kenn die sell Red schon: „Lieber bairisch sterbn als wie kaierlich verderbn!“ Schmarrn, sag i!
Wagner: Des stimmt net ganz: Lieber bairisch sterbn als wie im Kaiser sein´m Unfug verderbn, heißt´s richtig!
Resch: Mir habn nix gegen den Kaiser. Bloß gegen sein ungutn Krieg in Italien, wo er unsere Bubn braucht dazu. Gegen den Unfug habn mir was.
Wagner: Und den machn mir nimmer mit!
Simon: Und wenn der ganze Schnee verbrennt!
Zeilmayr: (wild) Geht´s heim, Pfarrer. Lest´s eine Meß - für die toten von Sendling. Für die Toten von Lissing. Für die verbrennten Höf und die verschleppten Bubn. Uns laßt´s unsern Ruh!
Pfarrer: Wo ich steh, steht auch die Kirch! Und die Kirch sagt euch...
Simon: Aufhörn! Mir wolln´s nimmer hörn!
Johanna: Simon! Komm mit. I bitt dich!
Simon: Geh heim, Johanna!
Wagner: Mir bleibn. Mir sterb lieber bairisch.
Pfarrer: Euch is nimmer zum Helfen.
Resch: Der Herrgott wird ein Einsehn habn mit unserer Plag.
Pfarrer: Der hilft zu keine Rebellen!
(Zeilmayr springt auf und hebt das Gewehr. Der Pfarrer sieht ihn fest und erschrocken an.) Nur zu! (Zeilmayr senkt die Waffe und setzt sich wieder.)
Johanna: Resch, einen Gruß von Eurer Bäurerin. Sie denkt an dich.
Resch: Ich an sie auch. (Schweigen)
Pfarrer: Komm, Johanna. Mir habn da nix mehr verlorn.
(Johanna steht mit hängenden Arman und sieht Simon unverwandt an. Er blickt zu Boden. Der Pfarrer kehrt zu ihr um und nimmt sie am Arm.) Komm! (Sie gehen.)
Simon: Hanna! (Er sieht ihr nach, dann geht er langsam zum Feuer und setzt sich.)
8. BILD
(entfällt ganz)
9. BILD
(Der Spielmannszug marschiert durch.Die Kutsche fährt ein und Kriechbaum und Marschall entsteigen ihr und nehmen auf der linken Gerüstebene Platz. Die Schlachtreihe der Soldaten nimmt Aufstellung. Aus dem Hintergrund in Bühnenmitte und rechts bei der Verbindungsbrücke kommen Bauern und erblicken die Soldaten.)
Zeilmayr: Da kommen´s!
Wagner: Man muß´ dem Hoffmann sagn!
Zeilmayr: Wie die vorrucken, in Reih und Glied, wie die Bajonett´ blitzen und die Sabel, des geht in einem Takt, des bewegt sich...
Wagner: Wie eine Maschin´!
Resch: Jetz ziehn´s die G´schütz in stellung.
Wagner: Herrgott, die scharzn Mündungslöcher, da wennst hinschaust, na....
Resch: Warum lassen die unsern d´G´schütz net auffahrn? Was is da los? Warum sitzen d´Reiter auf?
Zeilmayr: Die krieg´n des Rennen!
Resch: Kommandant! Kommandant! Hoffmann!
Wagner: I hab´s euch g´sagt - wer die Kriegsmaschin einmal g´sehn hat, der vergißt´s nimmer. alles im gleichen Takt, wie Marionetten, wie Maschinenmenschen...
Resch: Des is so ... unbarmherzig..
Zeilmayr: Wo bleibt der Hoffmann?
(Bauern schreien und laufen durcheinander.)
Bauern: Kommandant, wo is der Kommandant?
Feldwebel: (zu den Soldaten) In Stellung. Legt an!
Resch: Hoffmann! Herrgott nochmal! Hoffmann!
Hoffmann: (erscheint von hinten auf der rechten Plattform, beobachtet Soldaten, Anderl erscheint unten.)
Da schrei´ns , nach mir und nach ´m Herrgott. Aber da is keine Hilf nimmer. Die Sach geht in d´Hosen! Die is schon verlorn, bevor´s ang´fangt hat. Was kann i helfen? Anderl, mei Pferd!
Mir habn z´wenig Leut, z´wenig G´wehr, z´wenig Pulver. Und z´wenig Courage!
Wer davonlaufen kann, soll laufen. Da is nix mehr zum Halten. Später werdn´s g´scheit daherredn und sagn: Der Hoffmann hat seine Armee im Stich lassen. Solln´s reden! Lieber noch ein paar retten als wie alle untergehn lassen vorm Feind.
Pack mer´s, Anderl!
(Hoffmann und Anderl sprengen unter der Verbindungsbrücke nach rechts davon,
von links rücken Reiter nach, zwischen der Reihe der Kaiserlichen und dem Lagerfeuer rennen die Bauern aufgeregt hin und her.)
Feldwebel: Gebt Feuer! (Eine Salve kracht, zwei Bauern stürzen schreiend zu Boden.)
Resch: Herrgott nochmal, halt´s euch zamm! Wehrt´s euch doch! (Er und Zeilmayr schießen, ein Soldat stürzt, die Reiter sprengen heran.)
Wagner: Lieber bairisch sterbn! (Er geht mit gefällter Sense gegen die Soldaten vor, wird aber von mehreren fliehenden Bauern mit nach hinten gerissen. Resch folgt ihm und bekommt ihn am Ärmel zu fassen.)
Resch: z´ruck! z´ruck zu mein´m Hof. Im freien Feld habn mir keine Chance. Mir verbarrikadiern uns auf mein´m Hof. Zeimer! Komm! (Zeilmayr will hinter ihnen herlaufen, wird aber von zwei Reitern abgeschnitten. Soldaten und Reiter verfolgen quer über den Platz fliehende Bauern und machen sie nieder. Zeilmayr hebt die Büchse, wirft sie aber dann weg und habt die Hände.)
Zeilmayr: I ergib mich! Pardon! Jessas Maria! Gebt´s Quartier! (Die beiden Reiter stürmen auf ihn los, er entgeht knapp einem Säbelhieb und stürzt auf die Knie.) Jessasmariaundjosef! Pardon! (Die Reiter attackieren ihn erneut.) Vaterunser, der du bist im Himmel, geheiliget werde dein... Aahh! (Ein Reiter stößt ihm die Lanze in die Brust. Er steht einen Augenblick unbeweglich, dann bricht er zusammen.)
(Von links hinten kommen die beiden Rekruten Martin und Jakl gerannt, auf ihren
Fersen der Feldwebel mit gezogenem Säbel.)
Feldwebel: Steht´s, Deserteur´, verdammte!
Martin: Schnell, Jakl! Zum Hof heim!
Jakl: Martl, da! Der Vater! (Die beiden bleiben erstarrt bei der Leiche Zeilmayrs stehen. Der Feldwebel wird von einem Bauern mit de Morgenstern angegriffen. Während er mit ihm beschäftigt ist, stürmen der Quartiermeister und zwei Soldaten an ihm vorbei. Martin erblickt sie.)
Martin: Da is der Quartiermeister. Jetz sind mir ausm Schneider. (Er läuft auf die drei zu und will Jakl mitreißen.) Herr Quartiermeister! (Die beiden Soldaten stoßen ihn mit den Bajonetten nieder.) Jakl!
Jakl: Um Gotteswillen, Martl! Herr Quartiermeister, des is doch der Martl! I bitt! Barmherzigkeit!
Quartierm.: Dienst ist Dienst! (Er haut ihn nieder)
(Aus dem Reschenhof beginnen Resch und Wagner zu schießen. Ein Soldat wird
am Arm getroffen.)
Feldwebel: (der eben den Bauern niedergehauen hat) Die schießen aus dem Hof! Achtung, Hinwerfen! (Soldaten werfen sich nieder und erwidern das Feuer. Mehrere Kaiserliche kommen von links dazu.)
Setzt´s ihnen den roten Hahn aufs Dach!
(Ein Soldat reißt einen Brand aus dem Lagerfeuer und rennt vor, bricht unter den Schüssen zusammen und kriecht zurück. Heftiger Schießen. In diesem Augenblick kommt Simon unter der Brücke angerannt, legt im Laufen an und feuert.)
Simon: I helf euch außer! Net locker lassen! Komm! (Er geht neben dem Hof in Stellung, lädt nach. Ein Schuß streift ihn.) Aahh! (Er reißt das Messer aus dem Gürtel und geht gegen die Soldaten an. Einer haut ihn nieder.)
Feldwebel: Drauf! (Mehrere angreifende Bauern werden niedergeschossen. Der Feldwebel ergreift einen Brand und rennt damit zum Hof.) Die räuchern mir aus, die Hund!
Quartierm.: Wer aus Tür oder Fenster springt, wird niedergemacht! Achtung, gleich kommt einer raus!
Wagner: (springt aus dem Haus, ein Schuß trifft ihn, er taumelt.) Gott im Himmel, i kann nimmer!
(Ein Soldat haut ihm von hintenden Säbel über den Kopf.) Uuhh! (Er taumelt auf den Feldwebel zu, der ihn dicht herankommen läßt und ihm den Säbel in den Leib stößt.)
Feldwebel: Du markierst kein Helden nimmer, Bauernsau! (Wagner rutscht langsam an ihm nieder. Aus dem Hof fällt wieder ein Schuß. Der Feldwebel greift isch an den Bauch und bricht langsam in die Knie. Er fällt aufs Gesicht.)
Soldaten: Jetz hat´s den Feldwebel troffen!
Quartierm.: Feuer auf den Hof!
(Schüsse krachen. Dann senkt sich ein rotes Tuch über den Hof, dessen Seitbalken kippen. Das Schießen im Hintergrund verebbt, der Schlachtlärm wird leiser. Während das Licht erlischt, sieht man schattenhaft Soldaten über die Verwundeten beugen. Dort verstummt jeweils das Jammern der Gefallenen abrupt. Ein Lichtkegel wird auf die oberste Gerüstebene gerichtet.
Von dort verläßt Kriechbaum seinen Beobachtungsposten und Marschall oder Gemmel trät vor)
Gemm/Mars Es haben sich aber die Rebellen ehe man die Höhe besteigen können, ohne Verlierung des geringsten Feuers in den hinter sich gehabten Wald gezogen. Ihr Kommandant und andere Offiziere sind auf ihren Pferden mit der wenig gehabten Kavallerie durchgegangen und haben ihre sogenannte Hauptarmee im Stich gelassen, welche der verbitterte Soldat sowohl zu Pferd als auch zu Fuß alsogleich umringt und gegen einen geringen Widerstand solchermaßen niedergemacht und massakriert, daß der wenigere Teil davongekommen; teils von ihnen haben sich in einige unweit von dieser Niederlage gelegene Bauernhäuser retirieret und sonderbar aus einem auf die Kaiserlichen mit kleinem Gewehr stark Feuer gegeben, daher diese Häuser sämtliche in Brand gesteckt und was nit darinnen verbrennen sondern entlaufen wollen, ohne Unterschied niedergemacht worden ist. Dieses Massakrieren hat in einem continuo von halber 12 Uhr mittags bis gegen 4 Uhr abends gewährt...(er rollt Papier zusammen, geht ab)
(Licht richtet sich auf mittlere Bühne. Dort steht der Schwarze Bauer und schwingt die Sense über die Planken.)
10. BILD
(Von links kommen Frauen und Kinder auf das Schlachtfeld und suchen ihre Angehörigen, der Pfarrer spendet den Toten seinen Segen, Johanna geht über das Schlachtfeld und beugt sich über die Gefallenen. )
Johanna: Mein Gott! Mein Gott! Des is ... Gott im Himmel - des is wie auf der Freibank. (Sie erblickt Zeilmayr.) Zeilmoar! Jessas naa! (Zeilmayr stähnt und krümmt sich.)
(Sie beugt sich zu ihm. In diesem Augenblick richtet sich hinter ihr Simon auf, den sie aber nicht gleich bemerkt.) Zeilmoar! Mein Gott, er lebt nocht. Vielleicht... weißt was vom Simon, Zeilmoar? (Zeilmayr versucht zu sprechen, es gelingt ihm nicht. Er stöhnt.)
Simon: Jo - Johanna!
Johanna: (fährt herum) Simon! Simmerl! Du lebst?!
Simon: Hanna, Hanna... (er stammelt unverständlich vor sich hin.)
Johanna: (stürzt zu ihm hin, bettet seinen Kopf auf ihren Schoß.) Ruhig. Sei ganz ruhig, Simon. I bring diech heim.
Simon: Heim? Sind d´Soldaten fort?
Johanna: (reibt ihm Hände und Füße) Du mußt versorgt werd´n Simon.
Simon: Stundenlang des Metzgern. Neben und über mir habn´s...
Johanna: Jetz is vorbei, Simon. Ruhig. Mir schaffen´s - i richt dich auf, stütz dich auf mich. Mir packen´s.
Simon: (hilflos) I spür meine Arm und meine Füß nimmer. Laß mich liegen, Hanna, es is z´spät.
Johanna: Du machst des schon. I bring dich heim.
Simon: (aufgeschreckt) Der Hof? Was is mit´m Hof?
Johanna: Niederbrennt!
Simon: Die Hund´ die vermaledeitn!
Johanna: Unsern Hof auch. Rundum hat´s brennt. I hab mich zwei Stund versteckt, wie d´Marodeut kommen sind. Unser Magd hat´s nimmer g´schafft. Die hab´s notzüchtigt. Mein Gott, hat des Madl g´schrien. Eine Stund lang. Und allerweil wieder...
Simon: Psst! Staad! I hab was g´hört! (Sie ducken sich nieder. Aus dem Hintergrund kommt langsam und gemessen der Schwarze Bauer, die Sense über der Schulter. Er bleibt stehen und beobachtet die beiden.)
Johanna: Is des .... einer von die Unsern?
Simon: (schaudernd) Der net! Des is... ich weiß net, er kommt mir net vor wie eing´wöhnlicher Mensch. Allerweil so komisch war der. Und wie d´Schlacht war, hab i mir einbildt, i seh ihn tanzn!
Johanna: Der Tod!
Simon: Staad, daß er uns net sieht!
Johanna: Er hat uns schon g´sehn! (Sie beobachten den Schwarzen Bauern, der sie eine Weile unverwandt ansieht. Dann wendet er sich um, schultert die Sense und geht nach links ab.)
Simon: (aufatmend) Er laßt uns gehn!
Johanna: Ja. Er hat g´nug tan. (Sie weist auf das Schlachtfeld.)
Simon: (verzweifelt) Alles umsonst. Verloren
Johanna: Irgendwas werd´s nutzen. Es kann net alles verlorn sein. Gehn mir, Simmerl Es muß ja weitergehn, irgendwie. (Sie richtet Simon auf, er nimmt ein Gewehr, um sich darauf zu stützen, blickt es an und wirft es angewidert weg. Johanna reicht ihm einen Stock.)
Simon: Ja. Es muß weitergehn. (Auf Johanna gestütz hinkt er mühsam nach rechts unter der Brücke durch.)
(Ein Lichtkegel richtet sich auf den Schwarzen Bauern auf der mittleren Gerüstebene.)
Schw. B.: Mit der Aidenbacher Schlacht ist der Aufstand endgültig z’sammbrocha. Ganz umsonst war er net. D’Steuerlast is kleiner wordn, d’Eintreibung war nimmer gar so gach, Zwangsrekrutierung hat aufg’hört.
Ein echter Volksaufstand!
Aus dem Volk sein Anfang,
An dem Volk sein Ausgang.
5000 Männer ..... tot
1000e Frauen und Kinder ....am Bettel
100e Höf .....verbrennt.
G´wonnen hat auf d´Letzt bloß unserereins.
Ein Vierteljahr später is ein Flugblatt auftaucht, auf dem z’lesen war:
„Ich Khlarwein sag wahr - es ist kein Zweifel
wer nit is bairisch - den hol der Teufel
Man hat mich geschlagen - wegen der Treu
Khlarwein bleib bairisch - laßt Leben dabei.“
(Er mäht über den Boden) Wssd.
(Er schultert seine Sense. Das Licht geht langsam aus. )