Wels, 14. März 2005


MAGISTRAT DER STADT WELS
KB-A-27-2004
Wels, 14.03.2005

14. März 2005

Sehr geehrter Herr Dr. Maislinger!

Nach längeren Recherchen kann ich Ihnen denn doch einige, allerdings eher
vage Nachrichten aus Wels über die Angelegenheiten des Aufstandes der
"Bayrischen Bauren" um die Jahreswende 1705/06 mitteilen:

In den Ratsprotokollen der Jahre 1705-1707 (Stadtarchiv Wels, Handschrift
Nr. 51) finden sich folgende Hinweise:
fol. 109, 26. Oktober 1705: Der Bürgermeister berichtet im Stadtrat über die
Zusammenkunft der Stände in Linz. Dort wurde die harsche Forderung des
Kaisers (Joseph I.) nach hohen militärischen Leistungen der Stände
diskutiert. Eine ständische Kommission wurde dazu eingerichtet.
In einem 2. kaiserl. Reskript wurde die Forderung erhoben, dass zur
"rasierung(?) Braunau aus disem Landt : 1000 Man gestellt werden solten ..."
Die Stände möchten eine Reduktion auf 600 Mann erwirken.
In einem 3. Reskript wird die Forderung erhoben, jede Feuerstätte solle ein
Fuder Salz annehmen. Die Stände wollen eine Minderung dieser Forderung.
In dieser Sitzung wird auch ein kaiserliches "Landttagsschreiben"
präsentiert, ddto. Wien, 28. September, mit Lasung zu einem Landtag am 29.
10. in Linz. Befehlsgemäss nominiert die Stadt Wels ihren Bürgermeister als
Delegierten. Dieser Termin wurde aber immer weiter in das Jahr 1706
verschoben.

fol. 115, 18. November: Präsentation einer Intimation der Verordneten, dass
aus dem Trauttmandorff'schen Regiment zu Pferd 1 Leutnant, 1 Tambour und 3
Gemeine "... biß die Bayrische Bauren Unruhe wieder gestilt ...", ins
Quartier gelegt werden.
Außerdem wird festgestellt, dass das alte Provianthaus baufällig ist,
weshalb ein Lokalaugenschein vorgenommen werde.

fol. 118v, 4. Dezember: "Weilen gestern die auß Braunau außgezogene ganze
Garnison von 16. biß 17.nerley Trouppen mit vielen OberOffiziern ins
Quartier gekommen, und man nicht versichert, wan diese etwan delogiert
werden möchten also ist geschloßen worden dass Hr. StattRichter und ich
Stattschreiber derentwegen noch heut nacher Linz hinabraisen solten."

fol. 121, 9. Dezember: Stadtrichter u. -schreiber referieren über Erledigung
in Linz am Freitag, Samstag und Sonntag, wo stündlich auf die von Hof per
eigener "Staffetta" erwartete Resolution vertröstet wurde ("... wohin die
alhier in Quartier ligende Braunauische Garnison weither zu employren ...").

fol. 122, 14. Dezember: Präsentation des landeshauptmannischen Patents,
ddto. 2. 12., wonach allen Landsinwohnern alle "communication und
Gemainschafft mit denen tumultuirendten Bayrischen Bauren bey Leib: und
Lebensstraff verbotten ..." wird. Der Inhalt ist der Bürgerschaft am Rathaus
"abzulesen" (= zu affichieren).

fol. 124v, 16. Dezember: Präsentation eines Vorspanns-Auszügls über 93
Gulden für einen aus Italien zur Abholung ihrer Recrouten herabgekommenen
Trains mit 93 Pferden für die von 24. 11. bis 11. 12. durchmarschierten
Soldaten.

fol. 125v, 16. Dez.: Ablesung des LH-Patentes und Verweis, "...daß wan sich
jemand Er seye nun ein frembder oder alda wohnhafft, mit aufrührerischen
Reden vernehmen lassen wurde ...", sie (die Hörer) es pflichtgemäss den
"Herrn Vorgehern" anzuzeigen schuldig seien.

Jahrgang 1706:
fol. 2, 8. Jänner: Specification über Lieferungen aus Klöstern,
Herrschaften, Pfarren etc. an verschiedenen Getreidesorten, Heu und Stroh "
...in hiesiges Magazin .."

fol. 9, 29. Jänner: Ein LH-Patent vom 18. d. M. befiehlt, "... alle
Gartgeher, /: alß deren sich gar viel bey denen Bayrischen rebellanten
eingefunden haben sollen:/..." handfest zu machen und dem kaiserl.
Landrichter nach Linz einzuliefern. Zu publizieren und affichieren.

Soweit die Belege in den Ratsprotokollen. Von den zitierten Patenten haben
sich zwei im Original erhalten:
Das unterm 16. Dez. zitierte wurde am 11. Dez. 1705 in Linz ausgestellt und
gedruckt, ist von Johann Philipp Spindler, Lands-Anwalt, unterschrieben (im
Druck). Das Patent vom 18. 1. 1706 (Druck) ist von LH Franz Joseph Grav von
Lamberg eh. unterschrieben, wie auch vom Landschreiber Johann Everhardt
von Zeppenfeldt, und mit Papiersiegel versehen. Beide Stücke liegen unter
Akten, Sch. Nr. 1209 im Stadtarchiv Wels. Wenn gewünscht, ergehen vorerst
Kopien an Sie.

Mit freundlichen Grüßen

Für die Stadt Wels
In Vollmacht:

Günter Kalliauer

_______________________

Magistrat der Stadt Wels
Kultur und Bildung
Dst. Stadtarchiv

Tel.:  07242/235-8130
Fax:  07242/235-1556
e-mail: a@wels.gv.at  oder
           kalliaug@wels.gv.at
http://www.wels.gv.at/KulturBildung

 
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