14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005

13.-17. November 2005 – Die erste Stadt fällt: Burghausen

Dienstag, 13. November 1705

Gegen 19.00 Uhr abends marschierten ca. 600-700 Bauern im Schutz der Dunkelheit von Süden her kommend auf Burghausen zu. Sie stießen am südlichen Rand der Spi­talvorstadt an die erste Stadtbefestigung, das so genannte Griestor (Ecke Kapuzi­ner­gasse / Salzlände), direkt an der Salzach gelegen. Hier überfielen sie die Torwa­che und kamen nun ungehindert zum „Mauttürl“, dem Spitalturm beim Mautner­schloss. Angeblich öffnete dieses ein Handschuhmacher, bei dem Meindl und Plin­gan­ser zu Schulzeiten gewohnt hatten. Das Ziel der Aufständischen war, die kaiser­lichen Truppen der Hauptwache an der Salzachbrücke zu überfallen und die Burg zu besetzen. Die Burg war ein strategisch wichtiges Ziel, denn hier wurden im Zeughaus Geschütze und Munition gelagert. Diese wurden zur Einnahme Braunaus und weite­rer Städte im Rentamt benötigt, zudem war die Ausstattung der Aufständischen sehr einfach: „Morgen­stehrn oder Ländtlerkolmbspieß, Gabl, groß knopfete Steckhen oder Prigl auch Hackhen“.

Die Aufständischen kamen zwar im Schutz der Dunkelheit, doch sie verrieten sich durch ihr Geschrei und wurden aus dem Haus Stadtplatz 110 beschossen. Die kai­serliche Besatzung nutzte ihren Schock zum Angriff, es kam zu Kämpfen: 30 Tote und 300 Gefangene bei den Aufständischen, 4 Tote und 22 Überläufer bei der kai­serlichen Armee waren die Bilanz.

Mittwoch, Donnerstag 14./15. November 1705

Die Kämpfe zwischen aufständischen Bauern und kaiserlichen Truppen gingen wei­ter, bis sich die Bauern schließlich vor die Tore der Stadt zurückzogen. Hier hielten sie die drei Mühlen im Vorort St. Johann besetzt. Die Burghauser Bürger paktierten zunächst mit den kaiserlichen Truppen, am 15. November verhandelten sie mit den Bauern. Ihr Ziel war, eine Zerstörung der Stadt zu verhindern.

Freitag, 16. November 1705

Die zahlenmäßig unterlegenen kaiserlichen Truppen kapitulierten in Form eines schriftlichen „Accords“ mit der Bauernschaft. Abends legten die Soldaten das Gewehr nieder, Bürger und Bauern übernahmen gemeinsam die Torwachen der Stadt.

Samstag, 17. November 1705

Um 9.00 Uhr marschierten 700 Mann vom Bauernheer in Burghausen ein, um 14.00 Uhr zogen die restlichen 82 Mann Besatzung ins salzburgische Tittmoning ab. Nach­mittags kam Johann Georg Meindl mit weiteren 400 Mann in die Stadt. Meindl bezog im heutigen Gasthof Bayerischer Hof Quartier.

Quellen und Literatur:

Diarium (Tagebuch) über das, was sich in dem Bauernaufstand zu Burghausen be­ge­ben, 1705, 1706 (vermutlich verfasst vom Bürgermeister Johann F. Hagn), Bayeri­sche Staatsbibliothek München, Cgm 1943; siehe hierzu die (nicht wortgetreue) Über­setzung in: Riezler, Sigmund und Wallmenich, Karl v. (Hgg.): Akten zur Ge­schich­te des barischen Bauernaufstandes 1705/06, III. Teil. München 1915, S. 180-214.

Alois Buchleitner: Lieber bayerisch sterben als kaiserlich verderben, in: Heimatverein Burghausen (Hg.): Alois Buchleitner: Texte zu Burghausen, Burghausen 1992, S. 97-111.