14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005

Georg Meindl, der Student von Altheim

(Aus der Wachberger-Chronik, 1905, ALTHEIM; unveröffentlicht.
Volksschuldirektor Wilhelm Wachberger 1855-1916)

Bayern war in der Gewalt der Österreicher. Als erobertes Land wurde es mit dem harten Druck einer eisernen Militärherrschaft behandelt und niedergehalten. Über die brutale Gewalt der mutwilligen Soldateska ergrimmt erhob sich das bairische Volk, voran die Innviertler, um das unerträgliche Zwangsjoch abzuschütteln. Überall erscholl der Ruf: "Lieber bairisch sterben als österreichisch verderben!"

Der große Bauernkongress zu Braunau legte in den Memoranden an den Reichskonvent zu Regensburg vom 23. Dezember 1705 die bewegenden Ursachen des Aufstandes dar:

1) Unerhörter Druck durch die Beamten und die in den Quartieren liegenden kaiserlichen Völker.
2) Die Anordnung einer Rekrutenaushebung von 12.000 Mann in Baiern für die kais. Armee in Ungarn und Italien und zwar je eines Mannes von acht Höfen und Erlag von 16 fl. Beim Loskauf.
3) Der weitere Auftrag zur Stellung von 4000 Mann ohne Loskauf. Jeder Ausreisser sollte niedergehauen oder gehenkt werden, sein Dorf aber einen anderen Mann stellen.
4) Die Schleifung der bairischen Festungen.
5) Der Wunsch der Bauernschaft nach größerer Unabhängigkeit, nach Minderung der Steuerlast und Setzung auf den alten Fuß vor 30 Jahren.
6) Anhänglichkeit an das alte Churhaus.
7) Besetzung der Stadt München, Abreise der Churfürstin und befürchtete Abführung des Churprinzen nach Österreich.
8) Aufreizung durch französische Söldlinge.

Sie klagten in bewegten Worten über die feindliche Invasion, schweren Brandschatzungen, vielseitige Plünderungen, über Sengen und Brennen der Habschaft, über schmähliche Unteerdrückung, grausame Plackerei, gewalttätige Abpressung, Notzwang der Weiber und Töchter neben schändlichen Misshandlungen. Den Soldaten genügten die vorgeschriebenen Portionen nicht. Sie wollten noch dazu Wein, Bier und Met, Gesottenes und Gebratenes, an Festtagen die besten Fische und noch ein Stück Geld unter dem Teller. Der Bauer musste für die Offiziere auch für das Konfekt mit Zucker sorgen. Dafür wurden nicht selten die Teller und Schüsseln dem Bauer an den Kopf geworfen. Das Vieh wurde aus dem Stalle geführt und geschlachtet. Feldfrüchte wurden mutwillig verdorben und junge Obstbäume beschädigt. Mancher Soldat ließ sich vom Bauer ins Wirtshaus oder zum Krämer führen und der Bauer musste die schwere Zeche oder die ausgewählten Waren aus eigenem Säckel zahlen. Unter den vorgekommenen Grausamkeiten werden erwähnt: Das Zusammensperren der Leute im offenen Hofe bei grimmiger Kälte oder das Zusammensperren in einer Kammer bei großer Hitze, das Annageln durch den Bart oder das Kinn an den Tisch, das Bockspannen und das feste Zusammenbinden der Hände am Genick. Die Steuereinheber werden mit Blutegeln verglichen. Selbst den Verarmten schickt man militärische Exekution ins Haus.

Sehr schmerzlich berührte das Landvolk die Schleifung der Festungen und Schanzen. Der Bau hatte Millionen gekostet. Nun sollten sie selbst diese abtragen. Nun sollten sie selbst dem Vaterland das Messer an die Gurgel setzen.

Der allgemeine Ausbruch des Aufstandes geschah Ende Oktober 1705. Die 2. Rekrutenaushebung gab den Anlaß zur massenhaften Ansammlung der Bauernburschen. In der Inngegend begann die Erhebung im Rottal. Der Aufstand begann mit der Vertreibung und Ermordung der Pfleger und Amtsleute, Erbrechung der Amtshäuser, Befreiung der Rekruten. Zu den Stellungen erschien niemand mehr. Die Pfleger riefen die Kaiserlichen zu Hilfe. Bald gerieten die Bauern mit diesen in Kampf. Die Rebellion verbreitete sich auch auf Braunau und Weilhart. Mit unglaublicher Schnelligkeit wälzte sich der Aufstand über Altheim, Mauerkirchen, Höhnhart usw. Den festesten Fuß fasste er überhaupt in den jetzigen Gerichtsbezirken Mauerkirchen und Braunau. An die Spitze dieser Bewegung traten 2 Studenten und zwar Johann Georg Meindl aus Altheim und Sebastian Georg Plinganser aus Pfarrkirchen. Es waren dies 2 kräftige, feurige Jünglinge, welche mit Energie und Geschick die Bewegung organisierten und leiteten.

Als Haupträdelsführer am rechten Innufer wurde der "Student von Altheim" bezeichnet, denn so wurde Meindl allgemein genannt. Er wurde 1682 auf dem Wirtshaus Nr. 37 zu Wenig geboren. Seine Mutter war eine Kasingertochter von Hauserding. Meindl studierte die unteren Klassen am Jesuiten-Gymnasium zu Burghausen. Er wohnte mit seinem späteren Kampfgenossen, dem Studenten Plinganser, bei einem Handschuhmacher. Am 9. November 1699 wurde Meindl als "Logicus" an der phil. Fakultät zu Salzburg immatrikuliert. Am 23. Juni 1698 hatten seine Eltern laut Briefnotelbuch des Marktes Altheim die Braugerechtsame zwischen der Angergasse und der Metzgers Simon Kaufmann Behausung - heute Raschhofer Nr. 50, in Altheim gekauft. (In den bairischen Geschichtsbüchern wird daher Meindl nach seinem 2. Heimatort der "Student von Altheim" genannt)

Am 17. Oktober 1709 übernahm ein Bruder Hans Karl Meindl das Anwesen in Altheim und die Eltern übernahmen wieder die Taverne in Weng. Vom Jahre 1716 an besaßen Seitenverwandte das Wirtshaus in Stern. . Am 13. Juli erhielt Meindl an der Univ. zu Salzburg das Bacalaureat aus der Philosophie. Wahrscheinlich verließ Meindl schon 1703 die hohe Schule während der Einfälle der Kaiserlichen in das heutige Innviertel und tauschte die Feder mit der Waffe.

1705 konnte in Altheim eine Steuer nicht eingehoben werden wegen der damals entstandenen Bauernrevolte, wodurch alles in Konfusion geraten, dass einiger Gehorsam zu den allergnädigsten Anbefehlungen nicht zu haben gewesen.

Meindl sammelte die Bauern von Altheim und Mauerkirchen, die von Aspach und Höhnhart aber der Wirt von Schweigersreith, welcher in der Liste der Haupträdelsführer auch aufscheint.

Die Bauern verjagten die einzeln in den Quartieren liegenden Reiter, erstürmten alle Amts- und Stockhäuser, überfielen das Landrichterhaus zu Mauerkirchen, befreiten die Rekruten, verjagten die Beamten und bemächtigten sich der Gewehre. Eine Bauernschar aus dem Landgericht Ried überfiel auch die Schlösser Neuhaus und Katzenberg und plünderten den Dechant in Gurten. Die Verwalter in Aurolzmünster und St. Martin wurden schimpflich behandelt.

Am 11. November erschien die zusammengerottete Bürger- und Bauernschaft von Pfarrkirchen, Kößlarn und Rottalmünster, 500 Mann stark, ganz unverhofft in Obernberg. Sie zogen unter Trommelschlag ein und verlangten von den Bürgern Gewehre, Bier und Brot, bezogen das Nachtquartier und verblieben bis zum anderen tag mittags. Die An- und Rädelsführeer waren der Schreiber Plinganser und der Graf Sanfer (?)´schen Verwalter Franz Steinhauser von Mühlheim. Die Schar zog nach Braunau.

Zur Zeit, als die Rebellen von allen Seiten ihren Weg nach Braunau nahmen, fiel im Posthause zu Altheim die Affäre mit dem Grafen Franz Anton Lamberg vor. Die "europäische Fama" erzählte hierüber: "Baiern war vorher ein Kriegsschauplatz für gewaltige Armeen und die größten Feldherren der Welt, nun ist es ein Tummelplatz aufrührerischer Bauern. Man hört fast alle Posttage von neuen Widersetzlichkeiten der Bauernrotten gegen die eigenen Amtleute. Sie wurden umso bärbeissiger, weil sie solche von der abgedankten bairischen Miliz überreden, als ob ihr flüchtiger Kurfürst an der Revolte großen Gefallen fände. Daher mehrt sich die Anzahl der rebellischen Köpfe, und es ist den zwischen Ried und Braunau aufgestandenen Untertanen geglückt, dass sie die durchpassierende Münchner Post aufgefangen. Unter ihren aufgeworfenen Offizieren befindet sich ein Wirt von Ried, der Pfleger von Mühhlheim und auch Brauers Meindl Söhne. Sie haben den kaiserlichen Obristenleutnant Grafen von Lamberg zu Altheim von der Post gefangen weggeführt und denselben, obgleich er vorgegeben, dass er nur einer andächtigen Wallfahrt nach Altötting wegen diesen Weg gereiset, gleichwohl über 1000 fl. An Geld und Geldeswert abgenommen und nichts anderes als gebackene Hutzeln und Birnen zu essen gegeben unter dem Vorwand, dass die scharfe kaiserliche Exekution ihnen nichts als diese Hutzeln zur täglichen Kost übrig gelassen habe. Das größte Glück dieses Offiziers ist gewesen, dass ihm nicht die Haut vollgeschlagen wurde, sondern dass sie denselben, nachdem sie ihm seine durchsuchte Equipage fein leicht gemacht, endlich auf einen Leiterwagen gesetzt und nach Ried fortgeschleppt, bei dessen Ankunft man auf den Straßen einen kaiserlichen Leutnant, 8 Dragoner und 4 Husaren tot gefunden".

Das Theatrum Europaeum 1705 bemerkte, dass Graf Lamberg als Obristleutnant zu seinem Regimente zu reisen im Begriffe gestanden. Die Beute wird auf 700 Taler angegeben. Im Gepäck fanden die Rebellen einen Brief, den sie , weil sie ihn nicht lesen konnten, zerrissen.
Nach Martini 1705 wurde Braunau von beiden Seiten eingeschlossen. Plinganser stand mit den meisten Rottalern im Hauptquartier Simbach. Meindls Corps stand am rechten Innufer gegen Ranshofen. Binnen 8 Tagen sollen 24.000 Mann in Braunau konzentriert gewesen sein. Sie waren aber mangelhaft bewaffnet. Um Geschütze und Gewehre zu erhalten, eroberte Meindl Burghausen, wo er 4 neue elfpfündige Kanonen erbeutete. Am 18. November kam das Geschütz in Braunau an.
Von Ranshofen und Haselbach aus rückte er jetzt mit 6000 Mann gegen Braunau. Hier kommandierte Graf Tettenbach. Bei Moos in Simbach hatten die Rottaler ihre Stuck aufgestellt. Am 26. November waren bereits 8 Häuser in Brand geschossen. Die Bürgerschaft von Braunau bat den Festungskommandanten um Übergabe, da man den Brand nicht dämpfen könne. Vom Inn war wegen des Schießens kein Wasser zu holen und der Stadtgraben war von den Bauern abgegraben worden.

Nach 14tägigem Widerstand gab Graf Tettenbach die Verteidigung auf. Die Bauern besetzten das Wassertor und die Kapuzinerschanze. Am 28. November erfolgte der Ausmarsch der 700 Kaiserlichen. Der Kommandant blieb noch im Arrest und musste sich mit 1000 Reichstalern von der Plünderung seines Hauses loskaufen.

200 Reiter nahmen bei den Bauern Dienste. Am 29. dauerte der Einzug des Bauernheeres von 7 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags. Die in den Festzug einmarschierende Bauernschar zählte 20.000 Mann. Tettenbach hatte 600 Gulden in 2 Strümpfen hinterlassen. Die Hälfte erhielt Meindl. In der Festung waren 50 Kanonen und 500 Zentner Pulver zurückgeblieben.

ürgermeister und Rat wurden in Eid und Pflicht genommen. Schon während der Belagerung hatte Meindl die Mannschaft organisiert, in Kompanien geteilt und in eine Liste aufgenommen. Daraus entstand die churbairische Landesdefension, wie sich die Bauern selbst nannten.

Am 2. Dezember wurde die Artillerie von Braunau durch Altheim nach Schärding geführt. Kommandierender Offizier war der Bildhauersohn Bonaventura Schwanthaler aus Ried. Diesem gab Obernberg 48 bairische Goldgulden, um allen Ungelegenheiten aus dem Wege zu gehen. Schwanthaler kam am 3. Dezember in Schärding an.

In der Liste der bairischen Rebellen finden wir auch: "Georg Meindl, Feld-Marschall und General über ein Regiment Reulter". Ein früherer Studienkollege und jetziger Kampfgenosse Plinganser wurde als Oberkriegskommissarius der Landesdefension bestellt; denn was Meindl mit dem Schwerte, das war Plinganser mit der Feder.

Erst jetzt erhob sich die Bauernschaft im Bezirke Schärding. Am 17. November rotteten sich die Bauern um Reichersberg zusammen und sammelten Gewehre. In Neuhaus war ein Bauernlager. Am 3. Dezember feuerten die Geschütze der Festung ohne Erfolg. Nun begannen die Bauern eine Kanonade mit glühenden Kugeln. Es entstand eine Bresche in der Mauer und ein Brand in der Stadt. Schärding musste am 4. Dezember kapitulieren. Am 3. Dezember verließ Oberst Wendt die Gegend bei Burghausen. Er wurde 14 Tage später von Meindl bei Neuötting und aufs Haupt geschlagen.

Während dieser Kämpfe trat die bairische Landschaft in München und Wien als Vermittlerin auf. Eine Bauerndeputation sollte die Beschwerden vortragen. Am 10. Dezember wurde im Schlosse Anzing, 3 Stunden unter München, ein Kongress eröffnet, bei welchem Meindl aber nicht anwesend war. Am 12. Dezember wurde ein 10tägiger Waffenstillstand geschlossen. Dadurch gewannen die Kaiserlichen Zeit, Reichstruppen heranzuziehen. Zugleich begann in der Landesdefension die Zwietracht, da viele (auch Meindl) mit dem Anzinger Traktat nicht einverstanden waren.

Am 21. Dezember fand in Braunau ein Bauern-Parlament statt, bei welchem die Regierung in Burghausen durch den Kastner und Rentmeister , der Adel durch den Freiherren Paumgarten von Ering, der Klerus durch die Dechanten von Reichersberg und Ranshofen vertreten war und auch der Landrichter zu Mauerkirchen Johann Josef Franz Graf von Aham auf Neuhaus anwesend war. In diesem Kriegsrat waren also Adelige, Pfarrer, Bürger und Bauern vertreten. Auf dieser Versammlung ging es sehr tumultuarisch zu. Die Partei der Bauern war für energische Kriegsführung, der Adel wollte einlenken. So verstrich die kostbare Zeit. Die Bauernschaft fing an, sich zu zerstreuen, um statt des Gewehres den Trischel wieder zu ergreifen.

Wendt vereinigte sich mit dem aus Tirol anrückenden Corps des General Kriechbaum. Am Weihnachtstag fiel die blutige Schlacht. Bei Sendling vor. Auf die Nachricht von der Niederlage auf der Oberlände zog sich die Bauernschar zurück.
Diese Erhebung, die anfangs nur in der Vaterlandsliebe und in einer treuen Anhänglichkeit an das legitime Fürstenhaus ihren Grund und keine andere Tendenz hatte, , als das hartgedrückte bairische Vaterland von dem harten Joche der österreichischen Militärherrschaft zu befreien, verlor nur zu bald ihr Ziel und den Charakter der Notwehr und schlug, weil unlautere Elemente sich beteiligten, in Ungebundenheit und anarchische Despotie über. Es riss Uneinigkeit unter den Leitern der Rebellion ein, welche die entfesselten Elemente nicht mehr im Zaume halten konnten oder wollten. So gebrach es der Landesdefension bald an der nötigen Einheit im Handeln, wozu noch schändlicher Verrat kam. Trotz der Massenhaftigkeit der Erhebung war das Ende Schwäche und jammervolle Niederlage.

Nach der Niederlage bei München versammelte sich der Kongress wieder schleunig in Braunau. Man beschloss die Bildung von 5 Regimentern zu Fuß und 1 Dragoner-Regiment. Jede Pfarre musste 1 Pferd stellen oder 60 fl. Erlegen. Meindl hatte die Obristenstelle über die Schützen. Er erließ am 1. Jänner 1706 eine Ausschreibung, dass sich alle Bürger und Bauern, Väter und Söhne, Knechte und Tagwerker sollen stellen gegen den von Pfarrkirchen anrückenden Feind. Die Verordneten der Landschaft in München erließen Abmahnungsschreiben an das Volk und warnten vor den Anstiftern, die sich nur ihren eigenen Säckel spicken wollen. Aber es war bereits zu spät. Am 8. Jänner war bereits die Schlacht bei Vilshofen. Sie endete mit der Niederlage der Bauern. Meindl war zu spät gekommen, da er erst in letzter Stunde den Auftrag zum Aufbruch erhalten hatte. Ihm begegneten in Griesbach die Flüchtlinge. General Kriechbaum ging über Passau nach Schärding, welches sich unterwarf. Am 16. Jänner 1706 brach Kriechbaum gegen Braunau auf. Er machte bekannt, kein Mensch sollte verschont bleiben, wenn nicht bei seiner Ankunft die Festung sogleich übergeben würde.

Am 17. Jänner erschien er vor der Stadt. Ohne einen Schwertstreich zogen die Kaiserlichen in die Stadt ein. Auch Burghausen fiel und so hatten die Österreicher alle drei Festungen besetzt.

Der Rat von Altheim hielt sich neutral . Er erfüllte die Aufträge, wie sie ihm von der einen und von der anderen Seite zukamen. Dass aber ein Teil der Bürger zu den Bauern hielt, war wahrscheinlich. Der Markt Altheim unterwarf sich und bewarb sich um einen Salva Quardiabrief. Am 5. Februar 1706 verkündete die kaiserliche Administration den Spezial-Pardon: Nachdem sich gezeigt, welches Ende das frevelhafte Unternehmen des rebellischen Landvolkes genommen und Ursache wäre, gegen alle Gesellen, die wider uns im Felde gestanden, mit wohlverdienter Todesstrafe und Aschenlegung der Häuser zu verfahren, so wollen wir doch der Justiz die Güte vorziehen und allen Bürgern und Bauern, so von der Treue meineidig abgefallen, die Rädelsführer ausgenommen, die Beleidigung vergessen, sodass sie sich ohne Scheu zuhause um ihre Wirtschaft umsehen können. Bei Galeeren-Leib und Lebensstrafe wird die Ablieferung der Gewehre binnen 8 Tagen zu Obrigkeits Handen in das Zeughaus zu Burghausen anbefohlen und für die Entdeckung eines Verfehlens der Betrag von 50 fl. Zuerkannt. Meindl wurde schon früher mittels kaiserlichen Patentes nebst 3 anderen Häuptern der Rebellion für vogelfrei erklärt. Auf seinen Kopf war ein Preis von 100 Spreinsdukaten (?) gesetzt. Im Patent vom 5. Februar wurde er neuerdings geächtet und in der Liste der Regierung zu Burghausen als Hauptrebell bezeichnet. Nach der Niederlage bei Vilshofen zog Meindl mit seinen getreuen Schützen nach Wasserburg. Sie setzten über den Inn, um sich in den großen Waldungen zu verhauen und bis auf den letzten Mann zu wehren. Am 22. Jänner bestand Meindl noch ein siegreiches Gefecht mit einer kleinen kaiserlichen Abteilung. Die Schützen schlugen sich durch, setzten über die Salzach und kamen in den urwaldartigen Weilhartsforst. Sie errichteten einen Verhau und warfen Schanzen aus Schnee auf. Das reguläre Militär konnte ihnen nicht beikommen. So hielten sie sich noch 2 Monate im sehr strengen Winter. Nächtlicherweise besuchten sie die Einöden und Dorfschaften.

Die Frühlingssonne brachte die Schnee-Schanze zum Schmelzen. Weiterer Widerstand war unmöglich, ebenso die Rückkehr in das väterliche Haus. Selbst der Brauer Zyprian Meindl in Altheim, also der Vater des Studenten, wurde der Teilhabe am Aufstand beschuldigt.

Noch heute liegt im k.k. Haus-Hof- und Staatsarchiv zu Wien ein Zeugnis des Marktgerichtes Altheim vom 15. März 1706 auf. Es erklärt den Vater als unbeteiligt an der Rebellion, wohl aber seinen Sohn, der wider seinen Willen sich dazu gesellt hat. Er sei väterlich und mütterlich abgemahnt worden, das besorgende Unheil sei ihm vorgestellt worden. Neben diesem kann von unseren Bürgern auf den Notfall jurato beteuert werden, dass besagter Zyprian Meindl sich mehrmals hat vernehmen lassen, dass er sich sogleich einen Finger aus der Hand nehmen lasse, wenn sein Sohn nicht bei diesem Aufstande dabei gewesen wäre.

Meindl, der Student, ergriff die Flucht. In der Liste über die Haupträdelsführer vom 2. März 1706 (Reichsarchiv zu München) heißt es: "Gewisser Kundschaft nach soll der Hauptrebell Meindl samt dem Wirt von Schweigersreith als Kraxentrager nach Österreich gezogen sein, willens, sich in Ungarn zu den Rebellen zu schlagen". Dieses Gerücht hatte aber Meindl absichtlich verbreiten lassen. Er hielt sich eine Zeit lang verborgen, dann nahm sich der Erzbischof von Salzburg seiner an und nahm ihn in seine Leibgarde auf. Er wurde schließlich Kommandant dieser Garde und starb am 9. März 1767 im Alter von 85 Jahren. Er wurde in St. Sebastian begraben. Meindl war ein ehrlicher Mensch, der es mit der Sache der Bauern und seines Landes aufrichtig meinte. Sein Studiengenosse und Kriegskamerad Plinganser aber nahm eine zweideutige Haltung an. Er starb als Kanzler des Reichsstiftes St. Ulrich und Afra in Augsburg im Jahre 1738. Ein 3. Rädelsführer Johann Hoffmann, ein ehemaliger churbairischer Wachtmeister wurde in Braunau öffentlich enthauptet.

Meindl, ist ein Verwandter des jetzigen Prälaten von Reichersberg, der auch die Biografie des Helden niedergeschrieben hat.
Erst nach Jahren vernarbten die Wunden des Krieges. Fast alle Bauern waren verschuldet, manche ganz herabgekommen und verarmt. Gewerbe und Handel lagen darnieder. Am 20. Oktober 1708 beklagten sich Cammerer und Rat von Altheim bei der Regierung in ihrem Gesuche um Steuernachsicht, dass durch die Bauernrebellion die Kirchen- und Pupillargelder zu Schaden gekommen seien. Die Cammerkasse sei der St. Sebastian-Kapelle, der Corp. Christi-Bruderschaft und dem Armenhause stark schuldig. Der Markt könne daher die Steuer nicht zahlen, die Landschaft aber drohe mit militärischer Exekution.

Erst nach und nach fanden die Bürger mit den Bauern wieder leidliches Auskommen. Hier bestätigte sich wieder deutlich die Erfahrung, dass ein blühender Handwerkerstand einen wirtschaftlich gesunden Bauernstand voraussetzt, der alle anderen Stände im eigentlichen Sinne des Wortes nährt. Als sich die Bauern wieder erholten, wurden auch wieder Hochzeiten gehalten und die Kirchweihen und Jahrmärkte gut besucht.


Ich danke Prof. Lothar Bodingbauer in Altheim für die Übermittlung dieses Textes.
Dr. Andreas Maislinger


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