14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005
Hans Ferdinand Maßmann
Maßmann studierte Evangelische Theologie und Klassische Philologie in Berlin und Jena. Bereits als Gymnasiast und später als Student in Berlin war er begeisterter Turner bei Friedrich Ludwig Jahn. Von 1815–16 diente er als Freiwilliger im Zweiten Ostpreußischen Regiment. Nach dessen Auflösung schickte Jahn ihn gemeinsam mit Eduard Dürre nach Jena. Dort setzte er seine Studien fort und wirkte als Vorturner in der Burschenschaft. 1817 wurde er wegen der Anstiftung der Verbrennungsszene bei der Wartburgfeier von der Jenaer Universitäts-Behörde mit acht Tagen Karzer bestraft. 1818 folgte Maßmann dem Ruf des Turnplatzleiters Wilhelm Harnisch als Hilfslehrer und Vorturner nach Breslau. Von dort wurde er 1819 wegen seiner Beteiligung an den als „Breslauer Turnfehde“ bezeichneten Streitigkeiten im Zuge der „Ersten Demagogenverfolgung“ nach Magdeburg ausgewiesen, wo er zum Hospitieren und Unterrichten am Domgymnasium der Aufsicht des Konsistorialrats Johann Andreas Matthias unterstand. Da er aber dort keine finanzielle Unterstützung erhielt, wanderte er noch im selben Jahr heimlich zu Fuß nach Erlangen, zeigte sich aber am 31. Dezember selbst beim Berliner Polizeiministerium an. 1823 fand er eine Anstellung in der „Detmannschen Lehranstalt“ in Nürnberg. 1829 wurde er in München als einer der ersten zum Professor für Germanistik berufen und richtete 1831 dort einen großen Turnplatz ein. Kurioserweise prägte er mit seiner ebenfalls 1831 erschienenen Schrift Der Heldentod der bayerischen Landesverteidiger bei Sendlingen, 1 Stunde von München, in der Christnacht des Jahres 1705 über die Sendlinger Mordweihnacht mit der erfundenen Figur des sagenhaften „Schmieds von Kochel“ eine heute als urbairisch erscheinende Legende. 1843 rief ihn das preußische Ministerium zurück nach Berlin. Als ehemaliger Lieblingsschüler Jahns wollte er die Tradition des öffentlichen Turnens in der „Hasenheide“ wiederbeleben und war ein energischer Gegner des aufkommenden Schulturnens. Aber der Schwung der Freiheitsjahre von 1811 bis 1819 war in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nicht mehr vorhanden und Maßmann scheiterte mit seinem Vorhaben. Dennoch sind seine Leistungen für das deutsche Vereinsturnen bedeutend. Hoffmann von Fallersleben verspottete Maßmann aus philologischer Rivalität, als Gegenwehr verfaßte Maßmann sein Lied Ich hab mich ergeben mit Herz und Hand, Fallersleben wiederum das Deutschlandlied. Diese beiden offenbar langlebigen Vaterlandsgesänge sind also gewissermaßen das Ergebnis eines philologischen Duells.