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14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005 Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005 Geschichte
von Konrad Meindl, Chorherrn in Reichersberg. Braunau,
1882.
Druck
und Verlag von Joseph Stampfl & Comp.
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Braunau
während der bairischen Bauernrebellion. 1705-1706.
Die Bauernrebellion nam im bairischen Walde ihren Anfang und
pflanzte
sich mit rasender Schnelligkeit an den In, die Isar und Pils
fort.
"Lieber bairisch sterben, als in des Kaisers Kot verderben" war
bekanntlich
der Walspruch der bairischen Bauern. Die Landleute aus
den
Gerichten Griesbach, Pfarrkirchen und dem Rotthal fanden sich auf
den
Musterungsplätzen zuerst bewaffnet ein, setzten die Ausgehobenen in
Freiheit
und drohten den Beamten mit dem Tode, wenn sie die-
selben
wieder einfangen wollten. Dazu gesellten sich auch bald die ver-
abschiedeten
bairischen Soldaten. Die Rebellen wurden immer verwe-
gener,
entwaffneten bei Kleeberg im Rotthal eine Abtheilung kaiserlicher
Husaren,
namen in dem Schlosse daselbst sowie dem Herrn von Matau
alle
Wehr und Waffen und schürten die Flamme des Aufruhres dies-
seits
des In. Um Ried sammelten sich schnell 300 Bauernbursche; sie
boten
auch die Bauernschaft um Braunau, Mauerkirchen, Altheim,
Hönhart
und Mattighofen auf, sich am 10. November 1705 an den
beiden
Sammelplätzen Tumeltsham und Aurolzmünster mit der besten
Wehr
einzufinden, wenn sie nicht an Leib und Gut gestraft und die
Dörfer
oder Güter angezündet werden sollten. Eine Schaar zog nach
wilden
Excessen dem In zu, plünderte die Hofmark Gurten, wo sie der
Dechant
Sigismund Stoll leider vergeblich von ihrem Treiben abzu-
bringen
suchte, überfiel dann die Schlösser Neuhaus und Kazenberg wie
den
Markt Obernberg und schien auch Schärding überrumpeln zu wollen,
um
die dort eingesperrten Rekruten zu befreien. Nach und anch wuchsen
die
Aufständischen auf 5000 Mann an, äusserten auch unverholen die Ab-
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sicht,
die Herrschaften, Obrigkeiten und Amtleute auszurotten, das völlige
Gubernium
sich zuzulegen und auch die obderensischen Bauern zu ver-
mögen,
sich ihnen beizugesellen.
Um durch eine einheitliche Leitung dem Unternehmen einen gün-
stigen
Erfolg zu sichern, hatte sich bereits im October 1705 ein Aus-
schuß
gebildet, der sich kurbairisches Landesdefensions-Ober-
kriegscommissariat
nannte. An der Spitze der Landevertheidiger
standen
Sebastian Georg Pliniganser, Studiosus der Rechte an der
hohen
Schule zu Ingolstadt, aus Pfarrkirchen gebürtig, ein kräftiger
unternemender
Jüngling, voll Verstand, und dessen Schulgenosse Johann
Georg
Meindl aus Stern bei Altheim.
Vor allem wollte man für die Operationen einen festen Haltpunkt
gewinnen.
Es rückten deshalb mehrere Bauernhaufen nach Erstürmung
der
ihnen im Wege liegenden Amtshäuser mit Schützen und Jägern
am
13. November 1705 vor die Festung Braunau, die in der Ge-
schichte
des Aufstandes eine bedeutende Rolle einnemen sollte. Die Bauern
hatten
den Plan, Braunau zu erobern udn zu behaupten, bis der
Kurfürst
mit bedeutender Macht heranrückte, wie man ihnen vorspiegelte.
Schon
am 26. Juli 1705 war der Befehl zur Demolierung der Festungs-
werke
erlassen worden; doch bis jetzt hatte noch niemand daran Hand
angelegt.
An der Stelle des am 21. October 1705 verstorbenen Grafen
Gottfried
Kufstein kommandirte der Graf Tattenbach die Besatzung.
Tattenbach,
früher in bairischen, nun in kaiserlichen Diensten, hielt sich
mit
seiner Miliz für zu schwach, um einen Angriff auf die heran-
rückenden
Scharen zu unternemen, durfte auch der Stimmung der
Bürger
kein volles Vertrauen schenken und mußte daher die Stadt von
allen
Seiten bloquieren lassen. Die Rebellen am linken Inufer, Seba-
stian
Plinganser an der Spitze, lagerten in und um Simbach, während
Meindl
seine freilich nur mit Spiessen, Sensen, Stangen und anderer
schlechter
Wehre versehene Mannschaft an dem rechten Inufer bei Rans-
hofen,
St. Peter udn Haselbach aufstellte. Die Stadt war auf diese
Weise
von etwa 15,000 Mann eingeschlossen; bald auch des von Rans-
hofen
zufliessenden Wassers sowie sowie der Lebensmittel für eine längere
Be-
lagerung
beraubt, konnte sie sich unmöglich für die Dauer behaupten,
wenn
es gleich den Rebellen noch an Belagerungsgeschütz gebrach.
Inzwischen war es einer andern Abtheilung durch Einverständnis
mit
den Bürgern und Studenten nach einem zweiten Versuche gelungen,
die
Stadt und das Schloß Burghausen am 16. November 1705
durch
Ueberrumpelung zu nemen, die schwache kaiserliche Besatzung, deren
Kommandant
durch einen Bürger erschossen wurde, theils zum Ueber-
tritte
zu zwingen, theils zu Gefangenen zu machen, alle Kanonen, Ge-
wehre
udn Munitionsvorräte zu erbeuten.
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Die Einname von Burghausen entflammte die Landesvertheidiger
zu
dem Entschlusse, Braunau um jeden Preis in ihre Gewalt zu
bringen.
Eine halbe Stunde unter der Stadt wurde als Vereinigungs-
punkt
ein Lager errichtet und der Oberbefehl dem später enthaupteten
Johann
Hoffmann übergeben. Plinganser erließ als Landesdefesions-
Commissär
am 22. November 1705 aus dem Hauptquartiere Simbach
einen
Aufruf an das bairische Landsvolk; er führte darin die Ursachen an,
welche
die Landesverteidiger zur Ergreifung der Waffen gezwungen
hätten,
fordert zur Eintracht udn Theilname auf. Angefeuert durch
diese
Worte und im Vertrauen auf Plinganser´s Thatkraft hob sich der
Mut
der rebellischen Bauern immer mehr. Schon innerhalb acht Tagen
war
die Mannschaft zu beiden Seiten des In auf 24.000 Mann an-
gewachsen.
Auch die Bevölkerung des obern In- udn Salzachthales
nam
lebhaft am Aufstande Theil. Die Bauern von diesseits und jenseits
des
In udn der Salzach versammelten sich im Pfarrhofe zu Neuhofen.
Der
Pfarrer Johann Paul Mayer und sein Cooperator Johann Rieder
munterten
sie in ihrem Unternemen auf und theilten ihre Gewehre
unter
sie aus. Die Schaar dieser Haiminger Bauern war besonders bei
der
Einname von Burghausen thätig. Die zu Burghausen eroberten
vier
Geschütze waren zwar nur Neun- und Elfpfünder, durch sie wurde
aber
doch die Uebergabe von Braunau erzwungen. Anfangs konnten
sich
Plinganser und Meindl nicht einigen, auf welcher Seite die
Kanonen
aufgeführt werden sollten. Meindl wollte sich nicht dazu ver-
stehen,
die Festung über das Wasser von Simbach aus zu beschiessen,
da
man von dort aus gegen die Werke nichts ausrichten könne. Plinganser
wies
mit Recht auf das Beispiel der Kaiserlichen hin; endlich ließ sich
auch
Meindl dazu bereden, daß man mit so geringen Geschützen zwar
gegen
die eigentlichen Festungswerke nichts ausrichten, jedoch mit glühenden
Kugeln
den Bürgern ein Licht anzünden möchte; dies könnte ihnen die
Augen
öffnen und sie gegen die Besatzung zu einem Aufstande be-
wegen.
Die Natur selbst hatte hinter dem Wasser gleichsam die Batterie
aufgeworfen,
von der aus man jedes Haus in Braunau und sogar
den
ganzen Platz bestreichen konnte. Nach einmütigem Beschlusse, die Stadt
von
der Wasserseite aus zu beschiessen, wurden nicht mehr als drei Kanonen
aufgeführt
udn bereits am 26. Oktober abends ahct Häuser in Brand ge-
schossen.
In dieser grossen Not machten die Bürger das Gelöbnis, die auf
dem
Friedhofe neben der Martinskirche stehende Kapelle im sog. Elend
zu
erweitern, darin zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit und es bittern
Leidens
und Sterbens Jesu Christi eine heilige Messe an Freitagen um
10
Uhr und eine Passionslitanei zu stiften. Auch suchte der Bürger-
meister
und Stadtrichter Franz Diernhart von Diernhartstein den Kom-
mandanten
Tattenbach zu vermögen, durch Uebergabe der Stadt ihre
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vollständige
Einäscherung zu verhüten. Wegen des Feuers vom andern
Ufer
konnte man unmöglich Wasser vom In in die Festung bringen,
auch
war die Wasserleitung von der Landseite her unterbrochen, die
Stadt
also auf die Länge nicht mehr zu halten. Ferners hatten die
Rebellen
einen Bruder des Kommandanten, den Pfarrer von Pischels-
dorf,
in ihrer Gewalt. Nach 14tägigem Widerstand übergab daher
Tattenbach
unter der Bedingung freien Abzuges, jedoch mit Zurück-
lassung
von Ober- und Untergewehr, die Festung. Er unterzeichnete
am
27. November 1705 die Capitulation. Kurz zuvor waren die
Zugänge
des Wasserthores nebst der Kapuziner-Schanze von den
Bauern
besetzt und die Geiseln ausgeliefert worden. Mehrere tausend
Mann
zogen noch am 27. November in Braunau ein; wol eben so
viele
blieben vor der Festung stehen. Die kaiserliche Besatzung, be
stehend
aus 900 Mann, wurde erst am andern Tage abends nach der
österreichischen
Gränze abgeführt; man hoffte sie zu bestimmen, bei den
Landesvertheidigern
Dienste zu nemen; es giengen auch wirklich 200
Mann
von den Barthel´schen Reitern über. Nach dem Berichte Plin-
ganser´s
hatte die Action den Belagerten mehr als hundert, den Auf-
ständischen
nur drei Mann gekostet. Während Braunau von den
bairischen
Landesvertheidigern besetzt war, führte ein gewisser Zelli das
Kommando
über die Festung. Das Landvolk fand in der Stadt an-
scheinend
freundliche Aufname. Nach einer patriotischen Ansprache
wurde
die Bürgerschaft unter Bestätigung ihrer Privilegien von der
Landesdefension
in Eid und Pflicht genommen. Plinganser ließ die
Stadt
mit Lebensmitteln für eine Besatzung von 6000 Mann auf
ein
ganzes Jahr versehen 1).
Unterdessen war der kaiserliche Oberst Wendt eiligst mit 5000
Mann
von München nach Wasserburg aufgebrochen; dies wurde
von
den Kaiserlichen noch gerettet, dagegen war Braunau schon in
den
Händen der Bauern. Wendt nam deshalb in einem Verhaue
neben
der Stadt eine vortheilhafte Stellung, wurde aber am 29. No-
vember
von Plinganser, Ertl, Jäger, Meindl und Dörfl vollständig
geschlagen.
Während der Belagerung von Braunau sammelte sich auch im
Feldlager
zu St. Florian bei Schärding eine grosse Macht. Die
Bauernschaft
vor Braunau hatte Fähnrich Wolf Heumann mit
einigen
Schützen in das Schärdinger Landgericht abgesandt, um ein
Aufgebot
daselbst zu Stande zu bringen. An die Landesvertheidiger
schloß
sich der ehemalige Schützenhauptmann Ferdinand Leo Rainer auf
1)
Das Bild im Nationalmuseum zu München ´die Einname Braunaus`
zeigt
wenig historische Treue.
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Hackenbuch,
der Maier zu Rainting, der kurbairische Hauptmann Johann
Michael
Hardtmann und der ehemalige Feldwebel Christian Zwigler
von
Schärding an. Der Zuzug wurde immer grösser, die Bauern machten
aber
auch immer stärkere Requisitionen, besonders von den Stiftern
Suben
und Reichersberg. Die meisten Taschner zogen von Braunau
gegen
Neuhaus und lagerten sich Schärding gegenüber. Die Bewaffnung
der
Bauernschaft im Lager vor Schärding war aber äusserst schlecht, so
daß
sich die Landesvertheidiger schon auf die Beine machen wollten, als
sie
Schiffleute in weissen Kitteln von Passau her auf dem In fahren
sahen,
welche sie für kaiserliche Reiter hielten. Am 29. November begann
die
Kanonade vor Schärding und dauerte durch drei Tage. Die kaiser-
liche
Besatzung schoß vond en Stadtmauern und dem hohen Schloß-
turme
heftig auf die Bauern diesseits und jenseits des In jedoch ohne
Wirkung.
Am 5. December kamen fünf Kanonen von Braunau in
Schärding
an. Da der Kommandant auf die Aufforderung des Bauern-
Oberanführers,
die Stadt zu übergeben, eine abschlägige Antwort er-
theilte,
so begannen die Bauern noch am selben Tage die Beschiessung;
gegen
Abend wurden auch glühende Kugeln in die Stadt geworfen,
aber
ohne Erfolg. Auf die Bitten der Bürgerschaft übergab schon am
4.
December die Besatzung die Stadt an die Bauern. Nach der Ein-
name
von Schärding wurde Christian Zwigler zum Kommandanten
der
Festung und Besatzung von 400 Mann ernannt. Das Belagerungs-
geschütz,
bestehend aus fünf Kanonen, kam am 7. December wieder
nach
Braunau zurück; ebenso zog die ganze bewehrte Bauernschaft, die
Besatzung
abgerechnet, nach Braunau und Oeting, die Spießler und
Stangler
aber wurden nach Hause entlassen. Die Bauern fühlten sich
jetzt
freier, fiengen aber auch an, sich allenthalben sehr übel zu betragen.
Vorzüglich
wollten sich nun die Rotthaler als Herrn des Landes
zeigen,
plünderten, mishandelten und verjagten die Obrigkeiten.
Um eine Vereinigung der zersplitterten Kräfte zu erzielen sowie
der
Beratung über die kräftige Fortführung des Kampfes wegen ward
für
den 21. December ein Landesdefensions-Congreß (von den
Bauern
Brunnengreß genannt) nach Braunau ausgeschrieben, welcher
von
den Abgeordneten aller Stände beschickt werden sollte. Hiebei
erschien
der Graf Paumgartten von Ering, Graf Aham zu Neuhaus,
Landrichter
von Mauerkichen, Baron Leiden, Landrichter von Schärding,
der
Rentmeister Widtmann und der Kastner Prielmayr von Burghausen,
angeblich
der Dechant Herkulan Kalchgruber von Reichersberg und der
von
Ranshofen. In Betreff der künftigen Leitung der Geschäfte wurde
am
23. December beschlossen, daß der Regierung zu Burghausen vom
ganzen
Rentamte der unterfänigste Respekt erwiesen, dieselbe als das
Haupt
anerkannt, die alten Beamten alsogleich zu ihren Aemtern zu-
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zurückgerufen
werden sollten; um jedes Mistrauen gegen dieselben zu
heben
und jede Gelegenheit zu entfernen, die Untertanen zu drücken,
hätten
in Zukunft alle Ausschreibungen von Steuern und Anlagen
unter
Zuziehung von je zwei gewählten Gemeindegliedern aus dem Ge-
richte
zu geschehen. Zur Regulirung der Miliz und zur Einrichtung
des
Kriegswesens hingegen sollte von jedem Hofe ein Mann gestellt
und
deshalb zu Braunau und Burghausen eine förmliche Musterung
der
ledigen Bursche wie der erst verheirateten Tagwerker ohne Eigen-
tum
vorgenommen werden; es soll aber kein Offizier, wer er auch sei,
Macht
und Gewalt haben, einen Mann von der Kompagnie, zu welcher
er
gestellt worden ist, zu entlassen, damit nicht wie früher die Offiziere
von
den Söhnen der reichen Bauern das Geld nemen, die Armen aber
stehen
bleiben. Aus den Gemusterten werden vier Regimenter zu Fuß,
jedes
zu tausend Mann, gebildet, der Adel und die Geistlichkeit stellen
ein
Dragonerregiment; auf je zehn Höfe entfällt ein vollständig aus-
gerüsteter
Mann mit dem Pferde. Der Congreß richtete auch eine
Vorstellung
wegen der Excesse der kaiserlichen Soldaten an den Reichs-
convent
zu Regensburg.
Seit dem Congresse zu Braunau begann aber der Glückstern
der
Landesdefension zu erbleichen. Die Tölzer Bauern, vom Jägerwirt
in
München aufgeboten, bemächtigten sich am Weihnachtsabend 1705,
mehrere
Tausend Mann stark, der Isarbrücke und des Isarthores und
fiengen
die Stadt zu beschiessen an. Da der Anschlag dem kaiserlichen
Administrator
bereits verraten war, machte die Besatzung einen Ausfall
aus
der Stadt. Zu gleicher Zeit stieß der Generalmajor Kriechbaum mit
solcher
Heftigkeit auf die Landesvertheidiger, daß dieselben sogleich den
Rückzug
in das nahe Sendling antreten mußten. Hier begann ein
neuer
fürchterlicher Kampf; 3000 Bauern wurden niedergehauen, viele
gefangen,
nur wenige fanden ihr Heil in der Flucht; alle Fahnen, das
Geschütz
und die Munition fielen den Kaiserlichen in die Hände.
Der
Aufstand in Oberbaiern war niedergeschlagen. Um auch die
Rebellen
des Rentamtes Burghausen zu züchtigen, zog Kriechbaum in
die
Gegend von Vilshofen. Obwol die Landschaft zu München unterm
6.
Januar 1706 an die unter den Waffen stehende Bauernschaft ein
Abmahnungsschreiben
hatte ergehen lassen, so war doch diese keineswegs
geneigt,
das Schwert so leichten Kaufes niederzulegen, sie bot vielmehr
alles
auf, um den Kaiserlichen mit Macht entgegenzutreten. Nach einem
Ausfalle
der Besatzung aus Vilshofen zogen sich die Landesvertheidiger
auf
eine Höhe bei Aidenbach zurück und erwarteten dort in schönster
Ordnung
den Feind. General Kriechbaum rückte am 8. Januar über
Aldersbach
gegen Aidenbach an. Ehe noch zwei Schüsse fielen, waren
die
sämmtlichen Geschütze der Rebellen in den Händen der Husaren,
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die
nur zur probeweisen Attaquirung abgesendet worden waren. Jetzt
warf
sich die ganze kaiserliche Macht auf die Bauern. Diese gerieten
bald
in volle Unordnung und ergriffen zumeist die Flucht. Das Ge-
metzel
dauerte von 11 Uhr mittags bis späten Abend. Die Felder um
Aidenbach
waren auf eine Stunde weit mit Todten bedeckt; ihre Zal
belief
sich auf 3000. Der Rest der Bauernarmee blieb zum Theile ver-
wundet
auf dem Schlachtfelde liegen oder fand sein Heil in der Flucht.
Von Aidenbach marschirte Kriechbaum gegen Passau. Von hier
aus
erließ er an die Stadt und an das Landgericht Schärding ein
Patent;
er versprach allen denen Pardon und die kaiserliche Gnade,
die
von der Rebellion ablassen; der Kurfürst selbst ließ seine Untertanen
zur
Ruhe und zum Nachgeben ermahnen. Die Kaiserlichen rückten von
Passau
her in das Rentamt Burghausen ein und namen Schärding
ohne
Schwertstreich.
Nach den unglücklichen Tagen von Sendling und Aidenbach war
somit
nur mehr Braunau der letzte Hort der Landesvertheidiger.
Dort
kommandirte seit dem Congresse Ludwig Baron D´Ocfort unter
dem
Titel eines Landesdefensions-Generals. Dieser Mann war früher
in
kurfürstlich bairischen Diensten Obrist zu Fuß und schon 1703
Vicekommandant
von Braunau gewesen. Den freiherrlichen Titel
verdankte
er der Gunst Max Emanuels; er hatte ihn am 29. December
1703
in den Herrnstand erhoben. Da General Kriechbaum von Schär-
ding
heranrückte, war Braunau von 3000 bis 4000 Mann, theils
abgedankten
bairischen und ausgerissenen kaiserlichen Soldaten, theils
wol
bewaffneten Bauern und mit den vorzüglichen Gewehren ver-
sehenen
Schützen besetzt. Der Schützenobrist Meindl hatte sich mit der
Garnison
entschlossen, die Stadt mit Nachdruck zu vertheidigen, um
bei
der Uebergabe wenigstens vortheilhafte Bedingungen zu erlangen,
wenn
von der übrigen Bauernschaft kein Succurs käme. Braunau
konnte
daher von den Kaiserlichen nur mit äusserster Anstrengung er-
obert
werden; in und um Simbach sammelten sich die Landesverthei-
diger
neuerdings in grosser Zal. Was Kriechbaum bei einer regel-
rechten
Belagerung nur unter vielen Mühen gelungen wäre, gelang
schnell
durch den Verrat des Kommandanten von Braunau. D´Ocfort
erklärte
von Hochmut, sich lieber massakriren zu lassen, als an der
Spitze
eines Bauernhaufens zu kämpfen, er beredete im Einverständnisse
mit
andern Mitgliedern der Landesdefension die Besatzung, unter seiner
Anführung
die Festung zu verlassen, um einige wichtige Punkte in der
Nähe
der Stadt zu occupiren; nur 120 Mann, offenbare Anhänger
der
Kaiserlichen, blieben in der Stadt zurück. D´Ocfort theilte die
Bauern
und Schützen in drei Haufen, wies ihnen ihre Stellungen an
und
ritt von dannen, angeblich um den Feind zu recognosciren, in der
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That
aber um in die Festung zurückzukehren. Schnell wurden die Thore
geschlossen,
den noch nicht gewonnenen Mitgliedern des Congresses und
den
Bürgern die Unmöglichkeit einer längern Vertheidigung und die
Notwendigkeit,
sich dem Kaiser zu unterwerfen, vor Augen gestellt, und
alle
waren in kurzer Zeit gewonnen. Eiligst gieng der Schützenhaupt-
mann
Rainer von Hackenbach an den General Kriechbaum mit der
Nachricht
ab, er möge seinen Marsch möglichst beschleunigen, denn die
Thore
von Braunau stünden ihm offen. Die Betrogenen merkten
zwar
die List, als man ihnen weder Munition noch Proviant verab-
folgte;
sie rückten daher schnell vor die Festung, wurden jedoch zurück-
getrieben
und sahen sich gezwungen, ihr Heil in der Flucht zu suchen,
da
Kriechbaum in Eilmärschen heranrückte. Nicht viel besser gieng es
der
Bauernschaft, die, bei 4000 Mann stark, unter Plingaser in Sim-
bach
stand. Um sich mit den Landesdefensions-Regimentern zu ver-
einigen,
wollte diese durch die Stadt ziehen; anstatt aber dies zu ge-
statten,
wollte D´Ocfort die Kanonen gegen sie richten; selbst den
Durchzug
von 100 Mann verweigerte er. Würde der Kommandant
nur
dies zugestanden haben, so hätten 10 Dragoner der Bürgerschaft
so
starken Widerstand geleistet, daß sie das Stadtthor behaupten und
den
Uebrigen den Durchzug hätten sichern können. D´Ocfort der
Landesdefension
niemals gewogen, blieb bei seinem Entschlusse und
drohte
sogar das Geschützfeuer gegen die Landesvertheidiger zu eröffnen,
wenn
sie sich nicht gleich zurückzögen. Jeder suchte nun, so gut er
konnte,
sich in Sicherheit zu bringen; alle Vortheile giengen auf ein-
mal
wieder verloren und alles mußte dem Feinde überlassen werden,
was
man in guter Einigkeit zur Wolfahrt des Vaterlandes und den
durchlauchtigsten
Prinzen bis zum Eintreffen anderweitiger Hilfe in
Sicherheit
hätte erhalten können. Am 17. Januar 1706 zog General
Kriechbaum
in Braunau ein. Meindl lieferte noch am 22. Ja-
nuar
1706 den Kaiserlichen ein siegreiches Gefecht am In und hielt
sich
später einige Zeit im Weilharter Forste auf; von da an scheint jede
Spur
von ihm verloren. Plinganser wurde zu Altötting gefangen
genommen,
blieb dann längere Zeit in Untersuchungshaft, deren Re-
sultat
nicht bekannt ist, trat beim Hofmarksgericht Mengkosen in Ver-
wendung,
ward Prokurator in München und starb als Kanzler des
Reichsstiftes
St. Ulrich und Afra in Augsburg am 7. Mai 1738.
Mit dem Falle von Braunau war die grosse Bauernrebellion
nahezu
gedämpft; auch die Bürgerschaft von Ried erklärte ihre Unter-
werfung
und Burghausen ergab sich an den kaiserlichen Oberst Hoch-
berg.
Ueber Vermittlung des Erzbischofes von Salzburg wurde zu
München
ein Generalpardon bekannt gegeben; nur die Rädesführer
sollten
ausgeschlossen sein; allen denen, welche die Waffen niederlegten
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und
ruhig nach Hause zogen, ließ der Kaiser Gnade und Verzeihung
angedeihen.
1706 wurden der Kurfürst Max Emanuel von Baiern und
dessen
Bruder, der Kurfürst von Köln, in die Reichsacht erklärt, der
dermalige
Inkreis als Schadenersatz den österreichischen Erbländern zu-
gewiesen,
das übrige Baiern aber als offenes Reichslehen behandelt 1).
1)
Vgl. Gaisberger. Der Aufstand des bairischen Landvolkes gegen die
Kaiserlichen,
Zeitschrift des Museums Franc.-Carol. in Linz, 1843. Groß,
Simbach,
49-59.
Abschrift
von Dr. Andreas Maislinger am 16. November 2003
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