14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005
Karl II.
Karl II. entstammte der zweiten Ehe von Philipp IV. mit Maria Anna von Österreich. Die Hochzeit war eine Reaktion Philipps IV. auf den Tod seines einzigen Sohnes und Thronnachfolgers Baltasar Carlos. Dieser verstarb nur wenige Wochen, nachdem mit Kaiser Ferdinand III. vereinbart worden war, dass er dessen Tochter Maria Anna heiraten sollte. Der damals 42-jährige Philipp IV. beschloss daraufhin, selbst die Braut seines verstorbenen Sohnes zu heiraten, obwohl sie einerseits seine leibliche Nichte als auch lediglich 13 Jahre alt war. Maria Anna traf erst im Herbst 1649 in Madrid ein, so dass diese zum Zeitpunkt ihrer Vermählung 15 Jahre alt war.
Obwohl Philipp IV. eine Reihe gesunder Kinder mit seinen Mätressen zeugte, verstarben die mit Maria Anna gezeugten Kinder entweder kurz nach der Geburt oder kamen tot zur Welt. Nach neunjähriger Ehe war nur die Tochter Margarita María noch am Leben, die später ähnlich wie ihre Mutter mit ihrem Onkel Leopold I. verheiratet wurde.
Karl II. war daher ein dringend erwünschtes Kind, als er am 6. November 1661 zur Welt kam. Er war jedoch von Beginn an ein schwächliches und krankes Kind. An ihm zeigten sich aufgrund der jahrhundertelangen Inzucht zwischen den einzelnen Königshäusern deutliche Degenerationserscheinungen. Während normalerweise ein Mensch in der fünften Generation über 32 verschiedene Vorfahren verfügt, waren es aufgrund der innerfamiliären Heiraten lediglich zehn; sieben seiner acht Urgroßeltern stammten direkt von Johanna der Wahnsinnigen ab.
Auffälligste Folge der langjährigen Inzucht war, dass Karls untere Gesichtshälfte so deformiert war, dass er während seines gesamten Lebens nicht in der Lage war, Nahrung vollständig zu zerkauen. Dies hatte fortwährende Verdauungsprobleme zur Folge.
Nicht völlig eindeutig ist die Auswirkung der Inzucht auf seine geistigen Fähigkeiten. Die Tatsache, dass er zeitlebens Probleme hatte, größere und kompliziertere Zusammenhänge zu verstehen, weist auf eine sehr weitgehende Einschränkung hin. Diese kann jedoch noch dadurch verstärkt worden sein, dass Karls schulische Ausbildung aus Sorge um seinen Gesundheitszustand erst sehr spät in Angriff genommen wurde. Karl erlernte jedoch zumindest Lesen und Schreiben.
Er wurde 1665 König von Spanien und "regierte" bis 1700. Die Regenschaft übernahm zunächst seine Mutter, beraten vor allem durch Gaspar de Bracamonte y Guzmán.
Am 19. November 1679 heiratete er in erster Ehe Maria Louisa von Orléans. Die Ehe blieb kinderlos und wurde wahrscheinlich niemals vollzogen. Man geht heute davon aus, dass Karl II. unter anderem auch an Neurasthenie litt.
Maria Louisa verstarb am 12. Februar 1689. Es wurde immer wieder kolportiert, dass sie einem Giftanschlag zum Opfer fiel. Die Historiker sind sich jedoch sicher, dass Todesursache eine Vergiftung durch Salmonellen nach dem Genuß von Austern war. In zweiter Ehe wurde Karl II. am 4. Mai 1690 mit Maria Anna von Pfalz-Neuburg vermählt. Sie gehörte dem Haus Neuburg, einer Nebenlinie der kurpfälzischen Dynastie an, dass bislang ohne jede Bedeutung für die europäische Politik gewesen war. Maria Anna kam aus einer sehr kinderreichen Familie und das war wahrscheinlich einer der Gründe, warum er von seiner Mutter und deren Minister zu der Ehe mit Maria Anna überredet wurde.
Da beide Ehen kinderlos blieben, war das Aussterben der spanischen Habsburger abzusehen.
Um die Thronfolge zu regeln, setzte er zunächst den bayerischen Kurprinzen Joseph Ferdinand als Erben ein. Dieser starb jedoch bereits am 6. Februar 1699 und so bestimmte Karl dann Philipp V., einen Enkel Ludwigs XIV., zu seinem Nachfolger.
Er starb am 1. November 1700 in Madrid. Da sowohl König Ludwig XIV. als auch Kaiser Leopold I., beide mit Schwestern Karls verheiratet, Ansprüche auf den spanischen Thron stellten, brach der Spanische Erbfolgekrieg aus.