14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005
Johann Ernst von Thun
Johann Ernst wurde am 29. Dezember 1679 zum Bischof von Seckau gewählt, am 30. Juni 1687 folgte die Wahl zum Erzbischof von Salzburg. Er baute Salzburg zu einer prachtvollen Barockstadt aus. Von Johann Bernhard Fischer von Erlach ließ er die Kollegien-, Ursulinen- und Dreifaltigkeitskirche sowie Schloss Klessheim bauen. Neben zahlreichen kleineren Bauten kaufte er das Salzburger Glockenspiel und errichtete die Domorgel.
Um seine absolute Macht zu erhalten, war er nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel. Während jahrelanger Kompetenzstreitigkeiten mit dem Domkapitel schwor er Meineide und brach von ihm selbst unterzeichnete Verträge. Durch einen, zweifellos parteiischen, Entscheid von Papst Innozenz XII. behauptete er sich letztlich gegenüber den Domherren und festigte seinen Einfluss. Um diesen Einfluss auch in Zukunft zu sichern, setzte er gegen den Willen des Domkapitels am 19. Oktober 1705 Franz Anton Graf von Harrach als Koadjutor ein, dieser wurde nach seinem Tod dann auch sein Nachfolger. Meinungsverschiedenheiten gab es auch mit dem Bischof von Chiemsee und dem Bistum Passau, die Johann Ernst, ebenfalls erst nach langen Turbulenzen, sämtlich für sich entscheiden konnte. In seinen Ländern wurde der Protestantismus mit großer Härte verfolgt.
Einen menschlicheren Eindruck hinterließ Erzbischof Johann Ernst im Umgang mit den Anführern des bayerischen Volksaufstandes. Während die Verfahren von der Kaiserlichen Administration in Bayern durchgeführt wurden, hat er sich bei Kaiser Joseph I. für Bürgermeister Franz Dürnhardt und den Kupferschmied Andreas Thanner von Braunau am Inn mit Erfolg eingesetzt. Johann Georg Meindl hat er sogar in seine Leibgarde aufgenommen.