14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005

Rieder Rundschau
26. Februar 2004

Die Spanischen Erbfolgekriege und ihre Auswirkungen auf unsere Region

Teil 2 der Serie

St. Willibald in Schutt und Asche gelegt
ST. WILLIBALD / Das Inn- und Hausruckviertel als Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Oberösterreichern - heute schwer vorstellbar, vor 300 Jahren grausame Realität. Konsulent Johann Klaffenböck aus St. Aegidi führt die Rundschau-Leser an jene Orte, an denen im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges Geschichte geschrieben wurde (siehe Infokasten). Heute geht es in die Gegend von St. Willibald und Neumarkt. Nach dem unerwarteteten Rückzug der Bayern aus Oberösterreich an die Landesgrenze (Jänner 1704), planten sie unter General-Wachtmeister Tattenbach bereits für Anfang Februar einen neuerlichen Vorstoß. Am 8. Februar unternahm der bayrische Oberst Wendt mit einer Abteilung von 700 bis 800 Mann einen Streifzug nach Neumarkt. Bei Kallham erwartete die Bayern eine oberösterreichische Aufgebotskompanie, hauptsächlich aus Landvolk und Bauern der Umgebung bestehend. Als die Bayern angriffen, feuerten die kriegsunerfahrenen Bauern gleichzeitig und konnten nicht mehr nachladen. Diese Gelegenheit nützten die Bayern, um über die Verteidiger herzufallen. Es kam in Neumarkt zu einem furchtbaren Gemetzel, Kallham wurde in einen Schutthaufen verwandelt. Wie grausam die Auseinandersetzungen waren, wird in einem Schreiben an den Kaiser deutlich: "Bey 200 Burger und Paurn erfunden und gezelbt (gefunden und gezählt) werden, welche auf so entsetzliche barbarische Weis entleibet und von dem Feind zuschanden gerichtet, das thails auf erbärmliche Art erwirget, andere auf Viechsmanier und vom Hals duch den Kopf ausgestochen, theils enthauptet und ihnen die Köpf heunisch unter die Armb gestekhet, ja sogar einer darunter lebendig gebratten worden." Wegen dieser Gräueltaten der Bayern geriet die Bevölkerung in Panik und wagte keinen Widerstand mehr. Nun sah sich der etwas zögerliche General Gronsfeld doch genötigt, gegen die Bayern vorzugehen. Unterstützt wurde er hauptsächlich von dänischen Soldaten, die auf Seiten der Österreicher kämpften. Von Peuerbach kommend rückte er am 24. Februar 1704 auf die bayrisch besetzte Schanze von St. Willibald vor und ließ sie aus 17 Kanonen und zwei Mörsern beschießen. Als die Dänen die Befestigungen stürmten, kapitulierten die Bayern. Der österreichische Oberst ließ daraufhin die Befestigungen zerstören, dabei brannte der ganze Ort St. Willibald nieder. Nur die Kirche wurde vom Feuer verschont. Am 26. Februar stießen die Österreicher nach Raab, Enzenkirchen und Zell vor, in Raab wurde der Pfarrhof total verwüstet. Gewaltige Schneefälle beendeten schließlich die Kampfhandlungen und nötigten die Österreicher zur Rückkehr nach Peuerbach. In der nächsten Folge lesen Sie über die dänischen Truppen im Inn- und Hausruckviertel.

Der Spanische Erbfolgekrieg
Geschichtlicher Hintergrund unserer Serie ist der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714). Darin stritten Frankreich (und dessen Verbündeter Bayern) und Österreich um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers Karl II. Im Zuge dessen kam es 1703 / 04 auch an der österreichisch-bayrischen Grenze zu Kämpfen. Im Innviertel, das damals noch zu Bayern gehörte, wehrten sich die Bauern besonders heftig gegen die harte österreichische Besatzung. Viele wollten "lieber bayrisch sterben" (die Parole im Volksaufstand der Jahre 1705/06), als sich den Österreichern zu unterwerfen.

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