14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005

Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt  17. September 2005

Braunauer Zeitgeschichte-Tage machen Bauernparlament zum Thema 

Braunau/Oberösterreich – Seit 1992 finden die Braunauer Zeitgeschichte-Tage statt, seit dieser Zeit haben sie sich als populärwissenschaftliche Reihe sowohl in Niederbayern als auch in Oberösterreich einen guten Namen gemacht, vor allem deshalb, weil sie sich mit den Schicksalen der „kleinen Leute“ beschäftigten. Insbesondere das Leben der bäuerlichen Bevölkerung wird dabei immer wieder in den historischen Zusammenhang mit den Auswirkungen der großen Politik gebracht.
Dieses Jahr greifen die Zeitgeschichte-Tage 300 Jahre zurück. Es ist die Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges, Braunau gehört noch zu Bayern. Der bayerische Kurfürst verbündet sich aus Enttäuschung über die mangelnde Anerkennung seines Kampfes gegen die Türken mit Frankreich und muss nach der Schlacht von Höchstädt sein Land verlassen.
Vom Kurfürsten verlassen und ohne erkennbare Unterstützung durch Adel und Klerus, lehnen sich die bayerischen Bauern gegen die kaiserliche Besatzung auf. Das blutige Ende dieses Bauernaufstandes fand am 25. Dezember 1705 vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt München statt und wurde als „Sendlinger Mordweihnacht“ zum bayerischen Mythos.
In Bayern, besonders in Ober- und Niederbayern, sind die historischen Ereignisse Anfang des 18. Jahrhunderts im Gedächtnis geblieben. „Anders sieht es bei  uns im Innviertel aus“, bedauert der Historiker Dr. Andreas Maislinger, Gründer der Braunauer Zeitgeschichte-Tage.
Vielen sei nicht bewusst, dass Braunau am Inn bis 1779 eine wichtige Stadt im damaligen Rentamt Burghausen war: „Die wichtige Rolle Braunaus und der umgebenden Region im bayerischen Volksaufstand 1705 ist sowohl in Bayern als auch in Oberösterreich weitestgehend unbekannt“. Das sei auch ein Grund, warum sich der Verein für Zeitgeschichte in Braunau dieses Jahr bewusst einen viel weiter zurückliegenden Zeitabschnitt vornahm.
Durch das Drängen der aufständischen Bauern wurde am 21. Dezember 1705 in Braunau ein Kongress zusammengerufen, der als „Braunauer Parlament“ in die Geshichtsbücher eingegangen ist. „Auch wenn schlussendlich der Aufstand von den kaiserlichen Truppen niedergeschlagen worden ist: die Innviertler Bauern haben bereits vor 300 Jahren versucht, mit den anderen Ständen einen Ausgleich zu finden“, informiert der Historiker.
Hätten sich nicht die „Heisssporne“ durchgesetzt, die unbedingt eine von vornherein hoffnungslose militärische Lösung wollten, wäre die Demokratie in Niederbayern und Oberösterreich vielleicht viel früher eingeführt worden.
Unter der wissenschaftlichen Leitung des Historikers treffen sich vom 23. bis 25. September 2005 im Stadttheater Braunau Historiker, Journalisten, Bürgermeister, Pfarrer, Heimatforscher und Vertreter der Landwirtschaft, um über die Geschichte und ihre möglichen Lehren zu diskutieren.
Alle Geschichtsinteressierten sind eingeladen, an der Tagung teilzunehmen. „Die Braunauer Zeitgeschichte-Tage sind allgemein zugänglich und keineswegs nur für Fachleute gedacht“, betont Dr. Maislinger.

Gerd Kreibich

 

 
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