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14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament" Renate Heinrich In meiner Familie nahmen Überlieferungen in Form von Geschichten oder Gegenständen schon immer breiten Raum ein. Bereits während meiner Grundschulzeit interessierte ich mich sehr für die erhaltenen Aufzeichnungen meines Großvaters, die er in ein kleines schwarzes Notizbuch eingetragen hatte. In deutscher Schrift, gestochen scharf und für mich damals nicht lesbar. Meine Mutter musste mir seinerzeit die Berichte vorlesen, die von seiner Kinderzeit im München der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erzählten, von seiner Rekrutenzeit in Ingolstadt, der Teilnahme am 1. Weltkrieg in Verdun und Rumänien. Davon, dass er ahnungslos zur Zeit der Räterepublik beim „Hamstern“ von einsam gelegenen Bauern (seiner roten Krawatte wegen) als „Roter“ gefürchtet worden war, was sich in der Menge des „Erhamsterten“ positiv niederschlug! Sein Sohn hatte in der Zeit des III. Reiches geheiratet, wofür der „Ahnenpaß“ erforderlich war. Dadurch neugierig geworden, woher seine Vorfahren stammten, forschte mein Großvater weiter, damals noch mit Briefen an die einzelnen Pfarrämter, ein „Neugier- und Forscher-Gen“, das ich von ihm geerbt haben muss. Sobald ich selbständig dazu in der Lage war, führte ich seine Anfänge weiter und holte über Jahre 350 Ahnenpaare in bis zu 16 Generationen bis zurück in das 16. Jahrhundert aus dem Dunkel des Vergessens. Hinzu kam meine berufliche Tätigkeit im Landratsamt Altötting, wo ich über einige Jahre für die Verwaltung öffentlicher Gelder zum Schutze von Denkmälern zuständig war. Ist es schon fast nicht möglich, auch nur Familienforschung zu betreiben, ohne sich mit der dazugehörigen Geschichte auseinanderzusetzen, so ergänzten sich Dienstaufgaben und private Interessen auf vorteilhafteste Weise. Unbeauftragt, bzw. aus eigenem Interesse, erstellte ich dann über Jahre für meine Heimatstadt Neuötting, eine mittelalterliche wittelsbachische Gründung, eine Häuserchronik, vorerst ab 1647 und immer in der Hoffnung auf weitere Aufschlüsse aus noch unbearbeiteten Schriftstücken. Als das Ehrenamt der Stadtarchivpflege 2002 vakant wurde, bot man es mir an. Ich habe „das Gedächtnis der Stadt“ mit Freude angenommen und bin, da noch viel Unbekanntes in den Schränken schlummert, seither beständig auf Entdeckungsreise. Bereits zu dieser Zeit kündigte mein Vorgänger in der Kreisheimatpflege des Landkreises Altötting für Baudenkmalpflege Alois Stockner, ebenfalls Angehöriger des Landratsamtes, seinen Rücktritt an und trug mir nun auch sein Amt zur Nachfolge an. Diese Entscheidung bedurfte einiges Abwägen, da der Aufgabenumfang sich über 23 Gemeinden des Landkreises Altötting erstreckt. Schließlich obsiegten aber wieder das Interesse am Neuen und an den Möglichkeiten zur Erforschung heimatkundlicher Themen, wie es das aktuelle zum Gedenken an den Bauernaufstand 1705/06 eines ist. Eigentlich war es meine Verstimmung darüber, wie unterschiedlich verschiedene Chronisten die Vorgänge, je nach Standpunkt, „färbten“, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dem Neuöttinger Stadtpfarrer und Ehrenbürger Franz Xaver Leeb, eigentlich ein verdienter Forscher, konnten es in seiner vaterländischen Sichtweise gar nicht genug Opfer der kaiserlichen Soldaten sein. In den 1930er Jahren erstellte Eduard Baumann, ehemals Militärangehöriger für den Historischen Verein Niederbayern einen neuen Bericht, der zwar um Neutralität sehr bemüht ist, jedoch weder die Berufszugehörigkeit noch das „Führerdenken“ verhehlen kann. So habe ich mich um möglichst viele Chronistenstimmen und Dokumente bemüht, um das Geschehen, in Bezug auf den Landkreis Altötting, darzustellen.
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