14. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Braunauer Parlament"
Adel, Klerus, Bürger, Bauern 1705 - 2005
Braunau am Inn, Stadttheater 23.- 25. September 2005

11.11.1705 - Der Inn bei Burg Frauenstein

"Von den Krawallen zur Volksbewegung"

Ende Oktober, Anfang November 1705 kommt es vielerorts in Bayern zu spontanen Krawallen einzelner Haufen. Im Innviertel und im Rottal wird aus diesen Krawallen sehr bald eine organisierte Bewegung tausender Aufständischer. Eine genaue Chronologie, wie hier aus den vielen Funken ein Flächenbrand wurde, lässt sich in der Literatur nicht finden. Jedoch wird stets Johann Georg Meindl, der 23-jährige Wirtssohn und Student aus Weng im Innkreis, als Aufrührer, Anführer und Organisator der "Weilharter" genannt.

Georg Sebastian Plinganser schreibt in seiner Rechtfertigungschrift über den Beginn des Aufstandes im Unterland: schon vor dem 11.11.1705 hatten die Aufständischen aus Rottalmünster und Kößlarn "mit den Weilhartern einige Korrespondenz gepflogen [...] und die Belagerung von Braunau und Schärding mit dem Meindl bereits beschlossen" (zit. nach Konrad Meindl 1886, Seite 402). Die "Taschnerbauern" zogen sich deshalb bei Ering-Frauenstein am Inn zusammen. Nach einem kurzen Vorstoß am 11./12.11.1705 gegen den Markt Obernberg wurde die beschlossene Belagerung Braunaus in die Tat umgesetzt. Besagte Aufständische hatten, so Plinganser, "von Meindl eine Order, die Stadt Braunau von der Brücke zu blockieren, da indessen jenseits des Inns er, Meindl, die Attacke führen wolle" (zit. nach Konrad Meindl 1886, Seite 403). Am 13. 11.1705 beziehen rund 5.000 "Taschnerbauern" unter Plinganser ihren Belagerungsposten links des Inns in Simbach, am 14.11 1705 rund ebensoviele "Weilharter" unter Meindl ihren Posten rechts des Inns bei Haselbach. Das "Heer" der 10.000 sollte bald auf 16-20.000 wachsen, der Aufstand war in kürzester Zeit (wenn er es nicht gar von Beginn an war) zu einer Volksbewegung geworden.