4. Oktober 2006
Sehr geehrter Herr Herzog,
herzlichen Dank für Ihre detaillierte Rückmeldung, die viele Aspekte beleuchtet.
Die Frage nach der korrekten / angemessenen Art und Weise, wie denn
Palms gedacht werden soll, ist in den Diskussionen sicher nicht
umfassend beantwortet worden; wir sind vom Ist-Stand ausgegangen, dass
eben Palm-Erinnerungsstätten in Braunau vorhanden sind, die auch in
ihrer Existenz(-berechtigung) niemand in Frage stellt. Einheitlich war
die Auffassung, dass jede Stilisierung Palms zum Symbol, die Deutung
als /"verstockter 'Nationalist' und Franzosenfeind"/ (Hitler, Mein
Kampf), kontrafaktisch und damit fehl am Platz ist.
Ich bin überzeugt und weiß das auch aus vielen Gesprächen, dass nicht
wenige Besucher unserer Gedenkfeier am 26. August durch ihre Teilnahme
einen Kontrapunkt gegen Vereinnahmungstendenzen setzen wollten.
Warum an Palm in Braunau in vielfältiger Form erinnert wurde / wird, ist
meines Erachtens in einem Traditionen verbundenen Geschichtsverständnis
begründet: Palm ist nicht als Autor, sondern als Verbreiter einer
Schrift, an der die Obrigkeit Anstoß nahm, verfolgt und in Braunau nach
einem Scheinprozess hingerichtet worden, er wurde deshalb berühmt, also
ist "man" berechtigt, hier seiner zu gedenken. Ich bin sicher, dass es
eine nationalistische oder gar "franzosenfeindliche" Einstellung als
Begündung für Braunauer Verhältnisse nicht gibt. Das Gedenken an Palm
als Opfer von Unrecht ist in Braunau ja nicht ein Einzelfall, es gibt ja
Straßen, die nach Opfern der NS-Zeit benannt sind, seit kurzem auch den
Jägerstätter-Park sowie Einnerungszeichen in Form der "Stolpersteine".
Ich kann mir vorstellen, dass meine Antwort vielleicht nicht ganz
zufrieden stellt, aber es wird sich bestimmt einmal die Möglichkeit zu
einem ausführlicheren Gespräch ergeben, schon allein deshalb, um Ihre
Ideen einer Kooperation / eines gemeinsamen Projektes vorzustellen.
Herzliche Grüße, alles Gute nach Wien
Florian Kotanko