15.
Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann Philipp
Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 22.- 24. September
2006
Rudolf Lehr
LandesChronik
OBERÖSTERREICH
3000 Jahre in Daten, Dokumenten und
Bildern
Verlag Christian
Brandsätter, Wien 2000, S. 203.
Menschenopfer "für
den Herrn"
30. März 1817. Ein
religiöser Spuk, der weite Teile Oberösterreichs erfaßt hat, erreicht am
Palmsonntag einen
traurigen Höhepunkt: Mit ihrem Einverständnis wird in Ampflwang die
31jährige Anna Maria
Hötzinger mit der Axt erschlagen, als ein "Opfer für den Herrn".
Oberhaupt der fanatischen Sekte ist der
Priester Thomas Pöschl (1769-1837), der 1806 in
Braunau dem
Buchhändler Joann Philipp Palm vor der Erschießung geistlichen
Beistand
leisten mußte.
Zweifellos war dieses Erlebnis der Anlaß für die religiösen
Wahnvorstellungen
des Priesters. In
einer Krämerin aus Ampflwang glaubt Pöschl eine "gottbegnatete
Seherin"
gefunden zu haben,
er prophezeit die Wiederkunft Christi und das bevorstehende Ende
der
Welt. Daß der Herr
Menschenopfer fordere und die "Ermordung der Unreinen"
gebiete,
predigt er. Die
weltliche und kirchliche Obrigkeit hat alle Mühe, das Unwesen der
"Pöschlianer"
("Pöschlaner"), wie
sich die Sekte nennt, zu beseitigen. Nach dem Mord an der jungen
Frau
wird Pöschl in ein
Priester-Krankenhaus nach Wien gebracht, wo er auch
stirbt.