15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann  Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006
Braunau am Inn, Kultur im
Gugg 22.- 24. September 2006
 
 
Geschichte
der
Stadt Braunau
am In
von
Konrad Meindl,
Chorherrn in Reichersberg.
Braunau, 1882.
Druck und Verlag von Joseph Stampfl & Comp.

 

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Am 26. September 1866 feierte die Stadt Braunau die Ent-
hüllung des Palm-Denkmales und mit ihr das weite deutsche Vater-
land das Andenken an jenen Martyrer, der für deutsche Ehre vor 60
 
 
Zeichnung Denkmal
 
 
Jahren sein Leben gelassen hatte. Den Anstoß zur Aufstellung des Denk-
males gaben vier Bürger von Braunau; sie bezeichneten am 26. August
1862, dem Jahrestage der Hinrichtung Palm´s, die Stelle mit einem
Gedenksteine, an welcher derselbe erschossen wurde. Um die Angelegenheit
 
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in Fluß zu bringen, bildete sich mit obrigkeitlicher Bewilligung ein
Comite; Bürgermeister Haas an dessen Spitze ließ unter 27. August
1862 einen Aufruf zur Errichtung eines Palmdenkmales ergehen, der
von dem besten Erfolge begleitet war. Der König Ludwig I. von 
Baiern spendete 1000 fl., die Generalversammlung deutscher Buch-
händler 1000 Thaler, die Buchhändler von Leipzig 306 Thaler; auch
die Landesvertretung, Städte, Märkte und Vereine blieben nicht zurück;
dagegen konnte leider der Antrag des Berliner Gemeinderates auf eine
Widmung von 200 Thalern nicht durchdringen. 1865 wurden dem
Comite zwei Entwürfe für das Denkmal zugestellt, das eine vom Director
Kreling in Nürnberg, das andere vom Bildhauer Konrad Knoll in
München. König Ludwig I., dem man die Auswal überlassen hatte,
entschied für die Arbeit Knoll´s; am 13. Juli d. J. wurde mit diesem
vom Comite der Vertrag abgeschlossen. Da der Voranschlag sich auf
7000 fl., der gesammelte Betrag aber nur auf eine Summe von
5700 f. belief, so wendete man sich an das Finanzministerium um
Bewilligung einer Effektenlotterie mit 4000 Loosen á 30 kr., deren
stempelfreier Verschleiß auch in Baiern unter 15. Mai 1866 genemigt
wurde. Das Enthullungsfest, zu dessen würdiger Feier sich das Co-
mite in sechs Sectionen getheilt hatte, sollte am 26. August 1866,
dem 60. Todestage Palm´s, vor sich gehen, mußte aber wegen der
Kriegswirren auf den 26. September verschoben werden. An diesem
Tage um 9 Uhr vormittags versammelten sich im Rahtaussaale die
Mitglieder und Ehrenmitglieder des Comite´s, der Advocaturs-Con-
cipient Ludwig Kaser aus Steyr als Stellvertreter seines verstorbenen Vaters,
des Comite- und Bezirksvorstandes Joseph Kaser, der Enkel Palm´s
der Buchhändler Johann Palm aus München, der Bildhauer Knoll
aus München, der Steinmetzmeister Braun aus Salzburg, der das
Piedestal angefertigt hatte, aus Nah und Fern herbeigekommene Gäste
und viele Mitglieder der Stadtgemeindevertretung namen dort die
Denkmünze entgegen und trugen ihre Namen in das von Herrn Fer-
dinand Wertheimer gewidmete und vom Oberlehrer Schmidt mit allen
auf die Entstehungsgeschichte des Denkmals bezüglichen Daten in schöner
kalligraphischer Ausführung ausgestattete Gedenkbuch. Den Festzug eröff-
neten 50 weißgekleidete, Kränze tragende Mädchen. Der Festplatz war
in einfacher und würdiger Weise decoriert, die zwei Haupteingänge zu
der das Denkmal umgebenden Gartenanlage prangten mit grossen aus
Reisig und Moos in gothischer Zeichnung gebildeten mit Fähnchen reich
verzirrten Triumphbögen, links vom Denkmale war ein Pavillon für
die Gäste errichtet, rechts die Tribüne für die Sänger und Musiker,
rückwärts standen mehrere grosse Flaggen. Beim Herannahen des
 
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Festzuges trug der Musikchor den Kriegsmarsch der Priester zur Musik
"Athalia" von Mendelsohn-Bartholdi, arrangiert zur Blechharmonie von
Attenberger, vor. Vorstand-Stellvertreter Kaser bestieg die Redner-
bühne, um die Festrede zu halten, welche die politische Bedeutung des
Festes für Deutschland hervorhob. Während der letzten Worte des
Redners stand das herrliche Bildnis, beleuchtet von der Sonne in
seiner ganzen Schönheit. Darauf dankte der Enkel Palm´s für die
ihm in seinem Großvater gewordene Auszeichnung vorzüglich dem
Comite, dem verstorbenen Apotheker Dr. Liegel, der viele Jahre hin-
durch das Grab des unschuldig Gemordeten an dessen Todestag mit
Blumen schmückte, den Bewohnern von Braunau und allen denen,
die sich um die Errichtung des Monumentes verdient gemacht haben.
80 Sänger der Liedertafeln Braunau, Schärding, Mauerkirchen, Matig-
hofen, Rotthalmünster, Salzburg, Passau, Ried und Pfarrkirchen unter
Begleitung der Braunauer Türmerkapelle trugen mit Begeisterung den
von Wenhart in Steyr gedichteten und vom Chormeister Reiter com-
ponierten Festchor vor. Der Vorstand-Stellvertreter Ludwig Kaser ver-
las die ihm von einen Knaben auf einem Polster überreichte Schenk-
ungsurkunde; das Denkmal wurde vom Comite in das Eigentum der
Stadt Braunau übergeben und diese übernahm die Pflicht der Er-
haltung desselben. Im Namen der Stadtgemeinde sprach der Bürger-
meister Haas den Dank aus. Das Denkmal wurde sodann durch
weißgekleidete Mädchen mit Kränzen bedeckt und theilweise umwunden.
Beim Festmale brachte man Toaste auf Se. Majestät den Kaiser, den
König Ludwig I. von Baiern, auf das Comite, die Stadt Braunau,
die deutsche Einheit u.s.w. aus. - Das Palm-Denkmal ist eines
der gelungensten Kunstwerke der Neuzeit. In der bürgerlichen Kleid-
ung seiner Zeit steht Palm auf dem Piedestal, seine Rechte gestützt
auf einem Eichenstamm, um den sich ein Zweig mit Blättern windet,
die linke Hand an die Brust gedrückt. Die ganze Gestalt ist um-
leuchtet von der Weihe des Martyriums, welche die Aufopferung von
Gut und Blut für des Vaterlandes heilige Sache verleiht. Gelungen
ist vorzüglich der Ausdruck des schönen männlichen Gesichtes, voll
Energie und Manneswürde; doch umspielt den Mund ein Zug von
Wehmut, die dem tragischen Eindruck des Standbildes das rechte Maß
verleiht. Das Monument, 8´ hoch, wurde in der kgl. Erzgiesserei in
München gegossen, das Piedestal von gleicher Höhe von Steinmetzmeister
Braun in Salzburg aus rötlich gelbem Untersberger-Marmor in schöner
Arbeit angefertigt; die Vorderseite enthält in Bronce die Worte:
"J. Ph. Palm", die Rückseite: "Den 26. August 1806". Das Denk-
 
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mal, stets eine Zierde für Braunau, wurde auf dem Promenade-
ehemals Spitalsplatz aufgestellt, da die Stelle vor der Stadt gelegen
ist, an welcher Palm für Deutschlands Ehre starb. Damit aber auch
diese nicht vergessen werde, haben Herrn Notar Engelhard und Revi-
sionsbeamter F. Hoppichler in Simbach eine Sammlung eingeleitet und
den Ertrag unter der Bezeichnung "Palmdenkstein-Stiftung 1880" der
Stadtgemeinde Braunau unter der Bedingung übergeben, daß jähr-
lich am 26. August der Gedächtnisstein und Palm´s Grab entsprechend
geziert werden.
 
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Abgeschrieben von Dr. Andreas Maislinger am 16. November 2003 
Für Kommentare und Ergänzungen bin ich dankbar maislinger@aon.at