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Am 26. September
1866 feierte die Stadt Braunau die Ent-
hüllung des
Palm-Denkmales und mit ihr das weite deutsche Vater-
land das Andenken
an jenen Martyrer, der für deutsche Ehre vor 60
Zeichnung
Denkmal
Jahren sein
Leben gelassen hatte. Den Anstoß zur Aufstellung des Denk-
males gaben
vier Bürger von Braunau; sie bezeichneten am 26. August
1862, dem
Jahrestage der Hinrichtung Palm´s, die Stelle mit einem
Gedenksteine,
an welcher derselbe erschossen wurde. Um die Angelegenheit
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in Fluß zu
bringen, bildete sich mit obrigkeitlicher Bewilligung ein
Comite; Bürgermeister
Haas an dessen Spitze ließ unter 27. August
1862 einen
Aufruf zur Errichtung eines Palmdenkmales ergehen, der
von dem besten
Erfolge begleitet war. Der König Ludwig I. von
Baiern spendete
1000 fl., die Generalversammlung deutscher Buch-
händler 1000
Thaler, die Buchhändler von Leipzig 306 Thaler; auch
die Landesvertretung,
Städte, Märkte und Vereine blieben nicht zurück;
dagegen konnte
leider der Antrag des Berliner Gemeinderates auf eine
Widmung von
200 Thalern nicht durchdringen. 1865 wurden dem
Comite zwei
Entwürfe für das Denkmal zugestellt, das eine vom Director
Kreling in
Nürnberg, das andere vom Bildhauer Konrad Knoll in
München. König
Ludwig I., dem man die Auswal überlassen hatte,
entschied
für die Arbeit Knoll´s; am 13. Juli d. J. wurde mit diesem
vom Comite
der Vertrag abgeschlossen. Da der Voranschlag sich auf
7000 fl.,
der gesammelte Betrag aber nur auf eine Summe von
5700 f. belief,
so wendete man sich an das Finanzministerium um
Bewilligung
einer Effektenlotterie mit 4000 Loosen á 30 kr., deren
stempelfreier
Verschleiß auch in Baiern unter 15. Mai 1866 genemigt
wurde. Das
Enthullungsfest, zu dessen würdiger Feier sich das Co-
mite in sechs
Sectionen getheilt hatte, sollte am 26. August 1866,
dem 60. Todestage
Palm´s, vor sich gehen, mußte aber wegen der
Kriegswirren
auf den 26. September verschoben werden. An diesem
Tage um 9
Uhr vormittags versammelten sich im Rahtaussaale die
Mitglieder
und Ehrenmitglieder des Comite´s, der Advocaturs-Con-
cipient Ludwig
Kaser aus Steyr als Stellvertreter seines verstorbenen Vaters,
des Comite-
und Bezirksvorstandes Joseph Kaser, der Enkel Palm´s
der Buchhändler
Johann Palm aus München, der Bildhauer Knoll
aus München,
der Steinmetzmeister Braun aus Salzburg, der das
Piedestal
angefertigt hatte, aus Nah und Fern herbeigekommene Gäste
und viele
Mitglieder der Stadtgemeindevertretung namen dort die
Denkmünze
entgegen und trugen ihre Namen in das von Herrn Fer-
dinand Wertheimer
gewidmete und vom Oberlehrer Schmidt mit allen
auf die Entstehungsgeschichte
des Denkmals bezüglichen Daten in schöner
kalligraphischer
Ausführung ausgestattete Gedenkbuch. Den Festzug eröff-
neten 50 weißgekleidete,
Kränze tragende Mädchen. Der Festplatz war
in einfacher
und würdiger Weise decoriert, die zwei Haupteingänge zu
der das Denkmal
umgebenden Gartenanlage prangten mit grossen aus
Reisig und
Moos in gothischer Zeichnung gebildeten mit Fähnchen reich
verzirrten
Triumphbögen, links vom Denkmale war ein Pavillon für
die Gäste
errichtet, rechts die Tribüne für die Sänger und Musiker,
rückwärts
standen mehrere grosse Flaggen. Beim Herannahen des
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Festzuges
trug der Musikchor den Kriegsmarsch der Priester zur Musik
"Athalia"
von Mendelsohn-Bartholdi, arrangiert zur Blechharmonie von
Attenberger,
vor. Vorstand-Stellvertreter Kaser bestieg die Redner-
bühne, um
die Festrede zu halten, welche die politische Bedeutung des
Festes für
Deutschland hervorhob. Während der letzten Worte des
Redners stand
das herrliche Bildnis, beleuchtet von der Sonne in
seiner ganzen
Schönheit. Darauf dankte der Enkel Palm´s für die
ihm in seinem
Großvater gewordene Auszeichnung vorzüglich dem
Comite, dem
verstorbenen Apotheker Dr. Liegel, der viele Jahre hin-
durch das
Grab des unschuldig Gemordeten an dessen Todestag mit
Blumen schmückte,
den Bewohnern von Braunau und allen denen,
die sich um
die Errichtung des Monumentes verdient gemacht haben.
80 Sänger
der Liedertafeln Braunau, Schärding, Mauerkirchen, Matig-
hofen, Rotthalmünster,
Salzburg, Passau, Ried und Pfarrkirchen unter
Begleitung
der Braunauer Türmerkapelle trugen mit Begeisterung den
von Wenhart
in Steyr gedichteten und vom Chormeister Reiter com-
ponierten
Festchor vor. Der Vorstand-Stellvertreter Ludwig Kaser ver-
las die ihm
von einen Knaben auf einem Polster überreichte Schenk-
ungsurkunde;
das Denkmal wurde vom Comite in das Eigentum der
Stadt Braunau
übergeben und diese übernahm die Pflicht der Er-
haltung desselben.
Im Namen der Stadtgemeinde sprach der Bürger-
meister Haas
den Dank aus. Das Denkmal wurde sodann durch
weißgekleidete
Mädchen mit Kränzen bedeckt und theilweise umwunden.
Beim Festmale
brachte man Toaste auf Se. Majestät den Kaiser, den
König Ludwig
I. von Baiern, auf das Comite, die Stadt Braunau,
die deutsche
Einheit u.s.w. aus. - Das Palm-Denkmal ist eines
der gelungensten
Kunstwerke der Neuzeit. In der bürgerlichen Kleid-
ung seiner
Zeit steht Palm auf dem Piedestal, seine Rechte gestützt
auf einem
Eichenstamm, um den sich ein Zweig mit Blättern windet,
die linke
Hand an die Brust gedrückt. Die ganze Gestalt ist um-
leuchtet von
der Weihe des Martyriums, welche die Aufopferung von
Gut und Blut
für des Vaterlandes heilige Sache verleiht. Gelungen
ist vorzüglich
der Ausdruck des schönen männlichen Gesichtes, voll
Energie und
Manneswürde; doch umspielt den Mund ein Zug von
Wehmut, die
dem tragischen Eindruck des Standbildes das rechte Maß
verleiht.
Das Monument, 8´ hoch, wurde in der kgl. Erzgiesserei in
München gegossen,
das Piedestal von gleicher Höhe von Steinmetzmeister
Braun in Salzburg
aus rötlich gelbem Untersberger-Marmor in schöner
Arbeit angefertigt;
die Vorderseite enthält in Bronce die Worte:
"J. Ph. Palm",
die Rückseite: "Den 26. August 1806". Das Denk-
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mal, stets
eine Zierde für Braunau, wurde auf dem Promenade-
ehemals Spitalsplatz
aufgestellt, da die Stelle vor der Stadt gelegen
ist, an welcher
Palm für Deutschlands Ehre starb. Damit aber auch
diese nicht
vergessen werde, haben Herrn Notar Engelhard und Revi-
sionsbeamter
F. Hoppichler in Simbach eine Sammlung eingeleitet und
den Ertrag
unter der Bezeichnung "Palmdenkstein-Stiftung 1880" der
Stadtgemeinde
Braunau unter der Bedingung übergeben, daß jähr-
lich am 26.
August der Gedächtnisstein und Palm´s Grab entsprechend
geziert werden.