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15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006 Braunau am Inn, Kultur im Gugg 22.- 24. September 2006 Braunauer Rundschau, 24. August 2006 Kommentar von Mag. Hermine Aigner Palm, schau oba! möchte man rufen angesichts der nervösen Betriebsamkeit, die sich vor dem 200. Todestag Johann Philipp Palms am 26. August breit macht. Der Braunauer Verein für Zeitgeschichte eröffnet eine Ausstellung und baut einen Bücherturm, schlagende Burschenschaften von auswärts halten eine Mahnwache samt Kranzniederlegung und die Kommunistische Jugend hält als Gegenveranstaltung ebenfalls eine Mahnwache, allerdings beim Mahnstein in der Salzburger Vorstadt. Gut, dass sich in Braunau mehr abspielen wird als der Gedenkmarathon am 26. August. Die Ausstellung in der Herzogsburg und die Zeitgeschichte-Tage im September werden das eigentliche Forum bieten, sich differenziert mit der Person Palm, seiner Zeit und späteren Vereinnahmungen auseinanderzusetzen. Jetzt darf man gespannt sein: Wenn der FPÖ so viel an Palm und der von ihm symbolisierten Meinungsfreiheit liegt - wird sie dann auch an den Zeitgeschichte-Tagen teilnehmen und diese erstmals mit profunden Diskussionsbeiträgen bereichern?
MAHNWACHE ZUM PROTEST Die Kommunistische Jugend (KJÖ) Braunau bereitet unter dem Motto "Braunau gegen Rechts" Gegenaktivitäten zum Burschenschafter-Aufmarsch vor und hält um 16 Uhr eine Mahnwache am Gedenkstein vor Hitlers Geburtshaus. Sie empfindet den Aufmarsch "als Provokation gegenüber jenen, die sich darum bemüht haben, der Stadt ein weltoffenes Image zu geben und gezeigt haben, dass Rechtsextremisten hier nicht willkommen ist." Die Burschenschaften stünden für extrem reaktionäres Gedankengut.
Der Burschenschaftliche Arbeitskreis Palm-Gedenken und die FPÖ-nahe Kulturvereinigung Klub Austria Superior planen folgenden Ablauf ihrer Palm-Feier:
16.30 Uhr Anbringen einer Gedenktafel des Andorfer Künstlers Odin Wiesinger an der Palmkapelle in der Kolpingstraße in Simbach. 17.30 Uhr Mahnwache bei Palms Richtstätte, dann Zug der Burschenschaften zum Palmdenkmal. 18.45 Uhr Gedenkfeier beim Palmdenkmal. 20.30 Uhr Gedenkkommers im Bürgerhaus Simbach. BRINGT EURE BÜCHER MIT. Gedenkfeier des Vereines für Zeitgeschichte zum 200. Todestag am Samstag, 26. August, 17 Uhr, im Palmpark. Die Besucher werden gebeten, Bücher mitzubringen, um einen Bücherturm als Symbol für Meinungsfreiheit zu errichten. Es sprechen: Dr. Hans Göttler, Passau, Bürgermeister Gerhard Skiba, Pfarrer Jan Lange, Wolfgang Scherf (Gesellige Vereinigung Münchner Buchhändler).
l Eröffnung der Ausstellung um 19 Uhr in der Herzogsburg. Es sprechen der Buchhändler und Antiquar Haymo Liebisch, Linz, und Mag. Florian Kotanko vom Verein für Zeitgeschichte. l Die Braunauer Zeitgeschichte-Tage von 22. bis 24. September beschäftigen sich ebenfalls mit Johann Philipp Palm: "Unfreiwilliger Held. Johann Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006". l Eine Sonderbriefmarke "Palm", herausgegeben vom Philatelistenclub Braunau-Simbach, ist bei Franz Cais, Tel. 07722/65805 und bei der Ausstellungseröffnung erhältlich. Bernt Ture von zur Mühlen:
Napoleons Justizmord am deutschen Buchhändler Johann Philipp Palm. Bramann-Verlag 2003, ISBN 3-934054-16-1 Der Autor, Jahrgang 1939, schrieb zahlreiche buchwissenschaftliche Studien zu Antiquariat und Verlagswesen. Neben seinem Beruf als Gymnasiallehrer unterrichtet er als Dozent für Deutsche Literatur und Verlagsgeschichte an den Schulen des deutschen Buchhandels in Frankfurt/M. Palm / Warum der Buchhändler aus dem 19. Jahrhundert wieder für Aufregung sorgt
Provokante Bücher und einschlägige Schriften Braunaus Bürgermeister Gerhard Skiba unterstützt die Veranstaltungen des Zeitgeschichte-Vereins und distanziert sich vehement von der Parallelfeier. Das finden der burschenschaftliche Arbeitskreis, der aus dem Braunauer Dr. Gerhard Watschinger und FPÖ-Landesobmann Lutz Weinzinger besteht, und die FPÖ-nahe Kulturvereinigung Klub Austria Superior "irritierend". "Eine Verherrlichung Hitlers würde überhaupt nicht passen, ganz im Gegenteil", versichert Lutz Weinzinger. Man habe sich ohnehin kooperativ gezeigt und den Beginn von 17 auf 18.45 Uhr verschoben. Obwohl man als erster die Feiern bei der Bezirkshauptmannschaft angezeigt habe.
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