15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006
Braunau am Inn, Kultur im Gugg 22.- 24. September 2006

Passauer Neue Presse, 24. August 2006

Gedenkfeier für Palm bereitet Sorgen

Burschenschafter planen Feier und Umzug - Braunau befürchtet, in rechtes Eck zu rücken - Kommers in Simbach


von Tanja Haslinger.


Simbach/Braunau. Der Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm wurde am 26. August 1806 in Braunau hingerichtet. Zum 200. Todestag sind am Samstag in Braunau und Simbach Veranstaltungen geplant. Schon vorab schlägt eine davon hohe Wellen. Denn neben dem Verein für Zeitgeschichte Braunau hat auch ein burschenschaftlicher Arbeitskreis eine Gedenkfeier geplant. Für die Braunauer ist das »äußerst bedenklich«.

Zwei Seiten, zwei Betrachtungsweisen, zwei Gedenkfeiern. Vereint werden diese nur durch die Geschichte, die sich vor 200 Jahren in Braunau abspielte:

Die Geschichte

Im Juli 1806 erschien im Verlag von Palms Buchhandlung ein 144 Seiten umfassendes Schriftstück mit dem Titel »Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung«. Darin wurde zum Widerstand gegen die Franzosen und ihre bayerischen Verbündeten aufgerufen. Palm wurde festgenommen und am 22. August in die Festung Braunau überstellt. Ein »kurzer Prozess« am 25. August 1806 endete mit dem Todesurteil, das Tags darauf vollstreckt wurde. Die Urheberschaft für die Schrift blieb zwar ungeklärt, Palms Verurteilung wurde aber mit der Verbreitung des Textes begründet.

Die Streitpunkte

Beide Veranstalter wussten bei der Planung zur jeweiligen Palmfeier noch nichts von einander. »Aber es wurde auch kein Gespräch diesbezüglich gesucht«, sagt Dr. Andreas Maislinger vom Verein für Zeitgeschichte. »Das verwundert uns sehr. Wenn es um Zeitgeschichte geht, wäre es sicher interessant gewesen, zusammen zu diskutieren. «
Trotzdem frägt sich Dr. Maislinger, warum sich die Burschenschafter ausgerechnet jetzt auf Palm berufen, »schließlich spielte er für sie jahrzehntelang keine Rolle«. Außerdem betont Maislinger, dass Palm ein Buchhändler und ein sehr gläubiger Mensch war. »Also dürfen sich auf ihn eigentlich nur Buchhändler und Christen berufen. «
Warum also Palm? »Er ist die Wurzel des Freiheitsgedankens«, so Lutz Weinzinger, FPÖ-Landesobmann, Nationalrats-Kandidat und einer der Hauptorganisatoren der Feier. Insbesondere die Burschenschafter seien auf das Engste mit dieser Zeit verbunden, da gerade aus dem studentischen Beitrag an den Befreiungskämpfen gegen Napoleon 1815 die Urburschenschaft entstanden sei. Es sei daher bei dieser Gelegenheit angebracht und sinnvoll, das falsche Bild über die Burschenschaften, welches in der Öffentlichkeit entstanden sei, zurechtzurücken.
Und genau damit ist Dr. Maislinger nicht glücklich. »Braunau ist nicht irgendein Ort. Das müsste auch die FPÖ wissen. So eine Veranstaltung kann auch falsch verstanden werden. Unsere Bedenken sind daher groß«, erklärt Dr. Maislinger und spricht damit unter anderem den Umzug der 150 Burschenschafter durch die Stadt an. Besonders dürfe man in diesem Zusammenhang laut Maislinger auch nicht die NS-Zeit vergessen, denn die Nationalsozialisten haben versucht, Palm für sich zu reklamieren. Zum Glück hätten die Nachfahren Palm aus dieser Ecke wieder herausgeholt. Schließlich wird seit Jahren der Palmpreis für Presse- und Meinungsfreiheit vergeben. »Trotzdem sollte die NS-Zeit nachdenklich stimmen. Rücksichtnahme wär hier besonders wichtig«, so Dr. Maislinger. Äußerst problematisch in diesem Fall sieht sowohl die Stadt, als auch der Verein, dass unter den Teilnehmern auch bekannte mensurschlagende Verbindungen, die im Ruf stehen, rechtsgerichtet zu agieren, dabei sind.
In die rechte Ecke lässt sich Lutz Weinzinger mit der Veranstaltung nicht schieben, dagegen sprach er sich in einem Gespräch gegenüber der PNP äußerst vehement aus. Zur Frage, warum der Gedenkkommers in Simbach und nicht in Braunau stattfindet, meinte er, »in Braunau gab es keinen adäquaten Saal«. Auch den Vorwurf, dass die Gedenktafel, die an der Simbacher Palm-Kapelle angebracht wird, von einem neuheidnischen Künstler entworfen wurde, könne Weinzinger nicht nachvollziehen: »Manfred Odin Wiesinger ist ein angesehener Künstler. «

Die Bürgermeister

Aber was sagen die beiden Stadtoberhäupter zu den Veranstaltungen? Bürgermeister Gerhard Skiba sprach sich in der Braunauer Rundschau gegen die Veranstaltung der Burschenschafter aus: »Wir haben als Stadt Braunau kein Interesse an so einer Veranstaltung. « Braunau werde damit kein Dienst erwiesen. Die Stadt organisiert außerdem die andere Feier zusammen mit dem Verein für Zeitgeschichte. Bürgermeister Skiba befürchte laut Rundschau, »dass Braunau medial ins rechte Eck gerät«.
Der Simbacher Bürgermeister Richard Findl hat sich über die Veranstaltungen in Simbach genau erkundigt. »Die Palm-Kapelle haben wir bei der Sanierung der Adolf-Kolping-Straße neu gebaut«, erzählt er. Davor stand diese am Eck Palmstraße-Kolping-Straße, jetzt steht sie vor dem Kolpinghaus. »Ich hab mir die Inschrift genau angesehen, weder der Name des Künstlers, noch der des Spenders tauchen auf. Wir wollten schließlich schon selbst eine Tafel anbringen. «
M. Odin Wiesinger ein rechter Künstler? »Das denk ich nicht, schließlich hat nicht Odin Wiesinger selbst die Tafel gemacht, sondern einer seiner Angestellten. Übrigens ein junger Türke«, so Findl. Den Gedenkkommers im Bürgerhaus wird er ebenfalls besuchen. »Ich war während meiner Amtszeit auf mehreren Kommers. Das war immer sehr festlich und traditionell. Politisch war da gar nichts. Außerdem wurde mir auf Nachfrage versichert, dass hier nichts Rechtsradikales geplant sei. Zu so einer Veranstaltung würd ich gar nicht erst kommen. Bzw. für so was, würd ich mich nie vor den Karren spannen lassen. Das ist doch klar. «

So feiern Stadt und Zeitgeschichte-Verein

Der Verein für Zeitgeschichte sowie die Stadt Braunau werden um 17 Uhr ihre Gedenkfeier im Palmpark beginnen. Dies soll einen symbolischen Kontrapunkt setzen - gegen Zensur- und Verbreitungsverbote. Unter anderem wird Prof. Dr. Hans Göttler von der Uni Passau aus der einst verurteilten Flugschrift Palms lesen und zum Thema »Palms Abschied« sprechen. Außerdem wird als symbolischer Akt ein »Bücherturm« errichtet werden. Anschließend erfolgt ab 19 Uhr eine Eröffnung der Gedenkausstellung in der Herzogsburg.

So feiern die Burschenschafter

Der burschenschaftliche Arbeitskreis Palm-Gedenken und der Klub Austria Superior (kurz: K. L. A. U. S. ) unterstützt von der FPÖ veranstalten ihre Gedenkfeier in Simbach und Braunau. Los geht es um 16. 30 Uhr in Simbach: Vor dem Kolpinghaus wird eine Gedenktafel an der Kapelle angebracht. Um 17. 30 Uhr ist eine Mahnwache in Braunau an der Richtstätte. Gegen 18. 45 Uhr geht's in den Palmpark zu einer Gedenkfeier. Abschließend ist um 20. 30 Uhr ein Gedenkkommers im Simbacher Bürgerhaus.

 

 
 stadt braunau
 hrb
 aktuell
 programm
 ausstellung
 anmeldung
 archiv
 referenten
 sponsoren
 links
 kontakt
 verein
 short info english
 other languages
Seitenanfang