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15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006
Braunau am Inn, Kultur im Gugg 22.- 24. September 2006
OÖNachrichten 26. August 2006
Das Buch als Lebenselixier
*Heute Abend hält Haymo Liebisch in Braunau bei der Gedenkfeier zum
200. Todestag von Johann Philipp Palm die Festrede. Mit dem von der
französischen Besatzungsmacht hingerichteten Nürnberger Buchhändler
verbindet Liebisch eine "Seelenfreundschaft".*
Seit seiner Jugend sammelt der Linzer Buchhändler und Antiquar i. R.
Literatur über seinen Berufskollegen, der es gewagt hatte, die Schrift "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung" als Druckwerk zu
verbreiten. Der Grund: die Besatzung deutscher und österreichischer
Länder durch die Truppen Napoleons, die eine Spur der Demütigung,
Plünderung und Verwüstung hinterließen. Der berüchtigte
Polizeiminister Joseph Fouché überzog mit Spitzeln und Spionen die
besetzten Gebiete und und hatte es besonders auf Flug- und
Schmähschriften abgesehen.
"Die Buchdruckerkunst ist ein mit gefährlichen Waffen gefülltes
Zeughaus", befand der französische Kaiser - und ordnete die
Liquidierung Palms an, der in Braunau hingerichtet und dort auch
begraben wurde.
Mittlerweile hat Haymo Liebisch in Archiven, Bibliotheken und Klöstern
Quellen aufgespürt und ein Manuskript in fünf dicken Ordnern verfasst,
das erstmals alle Schmäh- und Flugschriften aus Österreich gegen
Napoleon im vollen Textumfang enthält. Noch braucht es einen Verleger,
der sich dieses grundlegenden Werkes annimmt.
Die Palm-Dokumentation ist aber nicht das einzige Manuskript, das
Haymo Liebisch im Köcher hat: "Erfüllte Stunden durch das Buch"
enthält sämtliche Zitate Adalbert Stifters über das Buch und das
Lesen. Darin hat Liebisch auch den von Stifter geretteten Kefermarkter
Altar untersucht, der gleich 20 buchtragende Figuren enthält. Außerdem
hat er eine Kinder-Anthologie in zwei Teilen ("Zaubergarten des
Kindes", "Im Zauberreich der Phantasie") verfasst. Thema: die
Literaturvermittlung und Leseerziehung von Kindern für deren Eltern.
**Bücherfreund und Bruckner-Kenner**
Seit dem Auszug der Kinder und dem Tod seiner Gattin, die ebenfalls
Buchhändlerin war, hat Haymo Liebisch sein Haus voll-ends zur Bücherei
umgewandelt, in der rund 10.000 Bände (kaum noch) Platz haben,
darunter wertvolle Stücke wie ein Neues Testament aus dem Jahre 1523,
die natürlich im Tresor gelagert sind.
Breiten Raum nimmt in den stabilen
Bücherregalen aus Massivholz die Musikabteilung ein, gilt doch
Liebisch als begnadeter Musikkenner, aus dessen Feder ein Buch über
seinen Lieblingskomponisten Anton Bruckner erschienen ist. Wenn er von
diesem erzählt, meint man, er sei mit ihm aufgewachsen ...
"Mit Büchern werden zwar heute Wände dekoriert, doch sie werden nicht
mehr gelesen", bedauert Liebisch, für den Bücher das tägliche Brot
sind. Und verweist auf seine 100 Ordner, in denen er von der frühen
Antike bis in die Gegenwart Zitate rund um das Buch und das Lesen
gesammelt hat.
Haymo Liebisch
Geboren am 7. Dezember 1929 in Linz
Beruf: Buchhändler und Antiquar i. R.
Werdegang: Handelsakademie, kriegsbedingt abgebrochen; Lehre in
der Linzer Buchhandlung Korb; Geschäftsführer der VeritasBuchhandlung,
Übernahme der Buchhandlung Puchner, Landstraße (Pacht);
selbstständiger Buchhändler, Bischofstraße (bis 1992)
Familienstand: verwitwet, zwei Söhne, eine Tochter, zwei Enkel
Größter Wunsch: dass die Menschen den Wert des Buches wieder mehr
erkennen wollen.
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