15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006
Braunau am Inn, Kultur im Gugg 22.- 24. September 2006

Pressemitteilung Stadt Schorndorf,  28. August 2006

200. Todestag von Johann Philipp Palm
Gedenkfeier in Braunau am Inn

Am 26. August 1806 wurde in Braunau am Inn der in Schorndorf geborene Johann Philipp Palm auf Befehl Napoleons nach einem irregulären Prozess erschossen. Palm hatte als in Nürnberg ansässiger Buchhändler die patriotische Schrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung“, die sich gegen die napoleonische Gewalt- und Fremdherrschaft richtete, verbreitet. Die Stadt Braunau am Inn und der dortige Verein für Zeitgeschichte hatten auf den 26. August zu einer Gedenkfeier anlässlich des 200. Todestages im Palm-Park zu Braunau eingeladen, wo sich seit 1866, also viele Jahre bevor Adolf Hitler den aufrechten Kämpfer für einen „Bürgerstaat“ für seine Ideologie missbrauchte, ein Denkmal Palms befindet. Palm, der durch sein Handeln seine Mitbürger, die Fürsten und die für sie Regierenden dazu aufrufen wollte, sich für die bürgerlichen Freiheitsrechte und die staatliche Souveränität gewaltlos einzusetzen, wird in Braunau hoch verehrt.

Während der Gedenkfeier wurden von Dr. Hans Göttler Texte aus der Flugschrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung“ vorgetragen und außerdem Palms Haltung – auch in den Stunden vor seinem Tod – unter besonderer Würdigung seines festen Glaubens als evangelischer Christ behandelt. Als Vertreter der Münchener Buchhändler, die sich bereits 1874 zu einer Vereinigung unter dem Namen Palm zusammengeschlossen hatten, sprach Wolfgang Scherf Gedenkworte. Am Schluss der Feier verlas Hans Göttler Briefe, die der katholische Geistliche, der Palm in seinen letzten Lebensstunden begleitete, an die Witwe Palms unmittelbar nach dessen Tod und Jahre später, 1814, geschrieben hatte.

Oberbürgermeister Kübler, der auf Einladung der Stadt Braunau und des Vereins für Zeitgeschichte Braunau an der Gedenkfeier und der sich anschließenden Eröffnung der Gedenkausstellung im Braunauer Bezirksmuseum Herzogsburg teilnahm, zeigte sich sehr beeindruckt von der würdigen, nachdenklich machenden Form, wie man in Braunau das Andenken des Patrioten Johann Philipp Palm wahrt und gleichzeitig sein tragisches Schicksal in Erinnerung ruft, um unseren heutigen Umgang mit Meinungs- und Pressefreiheit richtig zu bewerten. Er dankte der Stadt Braunau und dem Verein für Zeitgeschichte (verantwortlich: Florian Kotanko) für ihr eindrucksvolles Engagement. Er berichtete bei dieser Gelegenheit von der Errichtung des Johann-Philipp-Palm-Preises für Meinungs- und Pressefreiheit, der von den Eheleuten Philipp Palm und Dr. Maria Palm 2002 in Schorndorf gestiftet wurde und der am 3. Dezember zum dritten Male verliehen wird: Jedes Mal an Menschen, die, im Sinne von Johann Philipp Palm, in unseren Tagen - trotz gegen sie gerichteter Drohungen und Sanktionen - für die Freiheit des Menschen und seinen Schutz vor staatlichem Unrecht tätig sind.

Die umfangreiche und informative Ausstellung im Bezirksmuseum Herzogsburg in Braunau ist noch bis 24. September 2006 zu sehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

gez. Winfried Kübler

Oberbürgermeister

 

 
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