Bild gibt nicht ganze Wahrheit wider
Todeskandidat fehlt die Augenbinde
BRAUNAU. Jenem unbekannten Künstler, der ein Bild von der Erschießung Johann Philipp Palms gemalt hat, ist offenbar ein Fehler unterlaufen.
Laut Florian Kotanko vom Verein für Zeitgeschichte in Braunau ist die mit Ölfarben auf einer Leinwand festgehaltene Erschießungsszene unrichtig dargestellt, weil dem Todeskandidaten auf dem Bild nicht die Augen verbunden sind. Das Original ist übrigens im Bezirksmuseum Herzogsburg in Braunau ausgestellt.
Der Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm war am 26. August 1806 in Braunau auf Betreiben Kaiser Napoleons hingerichtet worden. Zum Verhängnis war ihm die Veröffentlichung einer Schrift mit dem Titel "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung" geworden.
Nach der Erschießung wurde Palm von einem Totengräber entkleidet und seine Leiche in einem eilig ausgehobenen Grab bestattet. Anschließend teilten die Totengräber Palms Gewand unter sich auf. Später wurde die von Kugeln durchsiebte Weste, die jetzt im Landesmuseum ist, verkauft. Eine Weile war sie auch im Besitz des Linzer Buchhändlers Eurich, der einer der Mitangeklagten Palms im Braunauer Prozess gewesen und in Abwesenheit ebenfalls zum Tod verurteilt worden war. (ho)