15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Unfreiwilliger Held"
Johann Philipp Palm: Biographie und Rezeption 1806-2006
Braunau am Inn, Kultur im Gugg 22.- 24. September 2006

Tips , 20. September 2006

Geschichte: Braunauer Zeitgeschichte-Tage thematisieren das Leben, die Rezeption und die Instrumentalisierung

Johann Philipp Palm, der unfreiwillige Held


BRAUNAU. Die 15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage beschäftigen sich mit einem „unfreiwilligen Helden“. Mit Johann Philipp Palm, der vor 200 Jahren
in Braunau hingerichtet wurde.

In Braunau gibt es eine Palmstraße und einen Palmweg, den Palmplatz und den Palmpark. Keine andere Persönlichkeit ist im öffentlichen Raum der Stadt
so präsent wie Johann Philipp Palm.
Heuer jährt sich die Hinrichtung des Nürnberger Buchhändlers zum 200. Mal. Ein Anlass für die Braunauer Zeitgeschichte-Tage, in Referaten, Diskussionen und Rundgängen Palm zu thematisieren; seine Biographie, die Rezeption und
seine teilweise Instrumentalisierung in den 200 Jahren.

Drei Tage Programm

Das Programm der Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Unfreiwilliger
Held. Johann Philipp Palm“:
Am Freitag, 22. September, um 19.30 Uhr eröffnen Bürgermeister
Gerhard Skiba und Mag. Florian Kotanko, der Obmann des veranstaltenden Vereins für Zeitgeschichte, die Tage. Um 20 Uhr folgt ein Vortragüber Johann Philipp Palm. Die Themen der Vorträge am Samstag, 23. September: „Bayern, Frankreich und Österreich 1806“ (9 Uhr), „Napoleon und Johann Philipp Palm“ (11 Uhr), Kurzer Prozess“ und „Die zeitgenössische Wahrnehmung der Hinrichtung“ (17 Uhr) sowie„Helden 1806 und heute“ von Prof. Roland Girtler (20 Uhr). Dazu wird um 14.30 Uhr ein Rundgang zu den Palm-Stätten in der Stadt Braunau geboten.
Am Sonntag, 24. September, wird um 10 Uhr die „Palm-Rezeption
von 1806 bis heute“ beleuchtet, um 12 Uhr folgt die Schlussdiskussion der 15. Braunauer Zeitgeschichte-Tage.
Jeweils im Gugg, dem Kulturhaus der Stadt Braunau, in der – was sonst? – Palmstraße.
www.hrb.at/bzt

 

Geschichte: Eine Gedenkausstellung zeigt Exponate zu Johann Philipp Palm

Durchlöchert, traurig und makaber

BRAUNAU. Eine Ausstellung im Gedenken an Johann Philipp Palm stimmt auf die Braunauer Zeitgeschichte-Tage ein. Ihr trauriger und makabrer Höhepunkt:
die Weste, die Palm bei seiner Hinrichtung trug.

Die Leiche Palms wurde nach der Hinrichtung entkleidet und am Braunauer Friedhof in einem eilig ausgehobenen Grab bestattet. Die Kleider verteilten die Totengräber unter sich.Über mehrere Stationen kam die durchlöcherte Weste in den Besitz des Linzer Buchhändlers Eurich, der einer der Mitangeklagten Palms war und „in absentia“ zum Tode verurteilt wurde. Heute ist die Weste im
Besitz des OÖ. Landesmuseums. Dieses und andere Exponate aus öffentlichem und privatem Besitz werden in einer Gedenkausstellung präsentiert, die von
Elisabeth Blum und Florian Kotanko gestaltet wurde.
Zu sehen bis Sonntag, 24. September, im Bezirksmuseum Herzogsburg Braunau.

 

Ein Schriftstück
Das Jahr 1806. Nürnberg ist von Französischen Truppen besetzt. In Palms Verlagsbuchhandlung erscheint das Werk „Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung“. Darin wird zum Widerstand gegen die Besatzer aufgerufen.

Eine Dekret
Kaiser Napoleon selbst fordert die Verhaftung und die Hinrichtung des Buchhändlers. Das Verbreiten von„Schmähschriften“ sei kein gewöhnliches Verbrechen, sondern Hochverrat.

Ein Justizmord
Palm wird verhaftet und nach Braunau gebracht. Nach kurzem Prozess ohne Verteidiger wird er zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Erschießung
sollte abschrecken, der Justizmord bewirkt aber das Gegenteil. Palm wird
zum Märtyrer und „unfreiwilligen Helden“.

 

 
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