Geschichte: Braunauer Zeitgeschichte-Tage thematisieren das Leben, die Rezeption und die Instrumentalisierung
Johann Philipp Palm, der unfreiwillige Held
BRAUNAU. Die 15. Braunauer
Zeitgeschichte-Tage beschäftigen
sich mit einem „unfreiwilligen
Helden“. Mit Johann Philipp
Palm, der vor 200 Jahren
in Braunau hingerichtet wurde.
In Braunau gibt es eine Palmstraße
und einen Palmweg, den
Palmplatz und den Palmpark.
Keine andere Persönlichkeit ist
im öffentlichen Raum der Stadt
so präsent wie Johann Philipp
Palm.
Heuer jährt sich die Hinrichtung
des Nürnberger Buchhändlers
zum 200. Mal. Ein Anlass
für die Braunauer Zeitgeschichte-Tage, in Referaten,
Diskussionen und Rundgängen
Palm zu thematisieren; seine
Biographie, die Rezeption und
seine teilweise Instrumentalisierung
in den 200 Jahren.
Drei Tage Programm
Das Programm der Braunauer
Zeitgeschichte-Tage „Unfreiwilliger
Held. Johann Philipp
Palm“:
Am Freitag, 22. September,
um 19.30 Uhr eröffnen Bürgermeister
Gerhard Skiba und
Mag. Florian Kotanko, der Obmann
des veranstaltenden Vereins
für Zeitgeschichte, die
Tage. Um 20 Uhr folgt ein Vortragüber Johann Philipp Palm.
Die Themen der Vorträge am
Samstag, 23. September: „Bayern,
Frankreich und Österreich
1806“ (9 Uhr), „Napoleon und
Johann Philipp Palm“ (11 Uhr),
Kurzer Prozess“ und „Die zeitgenössische
Wahrnehmung der
Hinrichtung“ (17 Uhr) sowie„Helden 1806 und heute“ von
Prof. Roland Girtler (20 Uhr).
Dazu wird um 14.30 Uhr ein
Rundgang zu den Palm-Stätten
in der Stadt Braunau geboten.
Am Sonntag, 24. September,
wird um 10 Uhr die „Palm-Rezeption
von 1806 bis heute“ beleuchtet,
um 12 Uhr folgt die
Schlussdiskussion der 15. Braunauer
Zeitgeschichte-Tage.
Jeweils im Gugg, dem Kulturhaus
der Stadt Braunau, in
der – was sonst? – Palmstraße.
www.hrb.at/bzt
Geschichte: Eine Gedenkausstellung zeigt Exponate zu Johann Philipp Palm
Durchlöchert, traurig und makaber
BRAUNAU. Eine Ausstellung
im Gedenken an Johann Philipp
Palm stimmt auf die Braunauer
Zeitgeschichte-Tage ein. Ihr
trauriger und makabrer Höhepunkt:
die Weste, die Palm bei
seiner Hinrichtung trug.
Die Leiche Palms wurde nach
der Hinrichtung entkleidet und
am Braunauer Friedhof in einem
eilig ausgehobenen Grab
bestattet. Die Kleider verteilten
die Totengräber unter sich.Über mehrere Stationen kam
die durchlöcherte Weste in den
Besitz des Linzer Buchhändlers
Eurich, der einer der Mitangeklagten
Palms war und „in absentia“ zum Tode verurteilt
wurde. Heute ist die Weste im
Besitz des OÖ. Landesmuseums.
Dieses und andere Exponate aus öffentlichem und privatem Besitz
werden in einer Gedenkausstellung
präsentiert, die von
Elisabeth Blum und Florian Kotanko
gestaltet wurde.
Zu sehen bis Sonntag, 24. September,
im Bezirksmuseum
Herzogsburg Braunau.
Ein Schriftstück
Das Jahr 1806. Nürnberg ist
von Französischen Truppen
besetzt. In Palms Verlagsbuchhandlung
erscheint das
Werk „Deutschland in seiner
tiefsten Erniedrigung“. Darin
wird zum Widerstand gegen
die Besatzer aufgerufen.
Eine Dekret
Kaiser Napoleon selbst fordert
die Verhaftung und die
Hinrichtung des Buchhändlers.
Das Verbreiten von„Schmähschriften“ sei kein
gewöhnliches Verbrechen,
sondern Hochverrat.
Ein Justizmord
Palm wird verhaftet und nach
Braunau gebracht. Nach
kurzem Prozess ohne Verteidiger
wird er zum Tode verurteilt
und hingerichtet. Die Erschießung
sollte abschrecken,
der Justizmord bewirkt
aber das Gegenteil. Palm wird
zum Märtyrer und „unfreiwilligen
Helden“.