ZEITGESCHICHTE-TAGE / Johann Philipp Palm wurde als Mensch in die Stadt geholt
Der Propagandaheld
Steinerne und eiserne Denkmäler erinnerten in Braunau bisher an Johann Philipp Palm, den 1806 vor der Stadt erschossenen Nürnberger Buchhändler. Die Zeitgeschichte-Tage am vergangenen Wochende machten aus ihm eine Persönlichkeit zum Angreifen, zeichneten ein vielschichtiges Bild seiner Zeit und stellten ihn in seiner Gläubigkeit und Standhaftigkeit dar, mit einem verhängnisvollen Vertrauen in die Gerechtigkeit. Ein „Held“ wollte er nicht sein, wie die Referate untermauerten, vielmehr geriet er zum Opfer in einem komplexen Machtgefüge. Eher wurde er später zum „Propagandahelden“ gemacht, wie der Wiener Soziologie-Professor Roland Girtler meinte. Die Zeitgeschichte-Tage haben ihn davon wieder befreit.
UMFRAGE: Palm-Tage – was haben sie gebracht?
Arthur Simmelbauer, München, Buchhändlerverein Palm 1874:
Im Gegensatz zu den rechten Strömungen hat Braunau die Organisation richtig gemacht und nicht zugelassen, dass die Person Palm vor deren Karren gespannt wird. Ich bin von der Ausstellung sehr positiv überrascht und habe selbst einiges beitragen können. Je besser die Geschichte aufgearbeitet wird, umso mehr wird Palm ins richtige Licht gerückt. Dazu trägt die Veranstaltung bei.
Ilse Detzlhofer, Lehrerin, Mining:
Das Thema interessiert mich, weil man Palm in Braunau auf Schritt und Tritt begegnet. Außerdem studiert mein Sohn Politologie und hat die Zeitgeschichte-Tage als Praktikum mitorganisiert. Ich habe den Eindruck, dass Palm in Braunau zwar als Name präsent ist, als Person aber nicht wirklich. Ich glaube nicht, dass viele Braunauer Bescheid wissen. Die Veranstaltung trägt jetzt sicher dazu bei.
Albert Harweck, Heimatforscher, Ranshofen:
Ich bin heuer zum zweiten Mal bei den Zeitgeschichte-Tagen und finde sie sehr gut. Wenn man sich mit Geschichte befasst, kennt man Palm natürlich, man wird in Braunau auch dauernd auf ihn hingewiesen mit der Palmstraße, dem Park, der Richtstätte usw. Ich habe das erste Mal in der Schule von ihm gehört. Ich finde, es passt so, wie Braunau mit Palm umgeht.
Erna Plank, Pensionistin, Braunau:
Ich bin ausgebildete Historikerin, habe es aber nie richtig ausüben können. Die Zeitgeschichte-Tage sind die Chance für mich, wieder einmal hochkarätige Vorträge zu hören. Das Niveau ist immer sehr hoch. Palm war mir seit der Schulzeit immer ein Begriff, obwohl ich in Vöcklabruck zur Schule gegangen bin. Als ich nach Braunau gekommen bin, war ich hoch erfreut.
Günter Schaubeder, Student, Wien:
Ich habe mich im Internet schlau gemacht über Palm und gelesen, dass er nur zwei Tage in Braunau war. Da habe ich mich gefragt, warum so ein Wirbel darum gemacht wird. Ich war noch nie bei den Zeitgeschichte-Tagen und habe mir gedacht, das ist jetzt eine gute Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren. Ich denke, Palm ist für Braunau der zweite Märtyrer neben Jägerstätter.