16. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Peacemakers Manual"
Egon Ranshofen Wertheimer, 1894 Braunau - 1957 New York
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 28.- 30. September 2007


OÖNachrichten 4. September 2007


Vordenker der Vereinten Nationen im Blickfeld der Zeitgeschichtetage

BRAUNAU. Bei den 16. Braunauer Zeitgeschichtetagen steht Egon Ranshofen-Wertheimer im Mittelpunkt. Der Kämpfer gegen Hitler-Deutschland gilt als Vordenker und Wegbereiter der Vereinten Nationen.

Egon Ranshofen-Wertheimer wurde am 4. September 1894 als Sohn des Landtagsabgeordneten Julius Wertheimer in Ranshofen geboren. Der große Innviertler war Journalist, Diplomat sowie Rechts- und Staatswissenschafter.

Seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg formten ihn zum Anhänger des Marxismus. Die Studienjahre in Wien, München, Zürich, Berlin und Heidelberg wandelten den Mann, dessen Familie vom Judentum zum katholischen Glauben konvertiert war, jedoch zum Sozialdemokraten.

Angesichts der europäischen Katastrophe - Egon Ranshofen-Wertheimer war mehr als zehn Jahre als Diplomat und Abteilungsleiter des Völkerbundes in Genf tätig - emigrierte er in die USA, wo der Innviertler unter anderem im Außenamt eine wichtige Funktion bekleidete. Außerdem unterstützte er in Zeitungsartikeln die amerikanische Regierung in ihrem Kampf gegen Hitler-Deutschland.

Mit seinem Buch "The International Secretariat - A Great Experiment in International Administration" (1945) wurde er zum Vordenker und Wegbereiter der Vereinten Nationen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich mit allen Kräften für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs ein.

Die rasche Aufnahme der jungen Zweiten Republik in die Vereinten Nationen (1955) hatte Österreich nicht zuletzt dem Engagement Egon Ranshofen-Wertheimers zu verdanken. Der große Mann starb am 27. Dezember 1957 in New York. Beigesetzt wurde er im Familiengrab auf dem Friedhof in Ranshofen. Die ehemals eigenständige Gemeinde war 1938 mit Braunau - der Geburtsstadt Adolf Hitlers - verschmolzen worden.

Die 16. Braunauer Zeitgeschichtetage starten am Freitag, 28. September. Sie dauern bis Sonntag, 30. September. Tagungsgebäude ist das Gugg-Kulturhaus. Die wissenschaftliche Leitung hat wie immer Andreas Maislinger, der von Egon Ranshofen-Wertheimer sagt: "Er war ein Friedensdenker." Veranstalter ist der Braunauer Verein für Zeitgeschichte unter Obmann Florian Kotanko.

Anlässlich der Tagung kommt es auch erstmals zur Verleihung des Egon-Ranshofen-Wertheimer-Preises. Empfänger wird die berühmte Trapp-Familie sein.

 


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