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Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Peacemakers Manual" OÖNachrichten 6. Oktober 2007 Der große Sohn Braunaus – wer es wirklich war ...Von Klaus Buttinger Vergessen vom offiziellen Österreich, verschwiegen von den Geschichtsbüchern: Der Braunauer Egon Ranshofen-Wertheimer war ein Kämpfer für die Eigenständigkeit unseres Staates und den Frieden. New York, 27. Dezember 1957: Auf der Gangway eines Flugzeuges nach Europa bricht ein Mann zusammen und stirbt. In der Manteltasche des 63-Jährigen findet sich der Reisepass. Er ist auf den österreichischen Diplomaten, Wissenschafter und Journalisten Egon Ranshofen-Wertheimer ausgestellt. Beigesetzt wird er zwei Wochen später auf dem Friedhof des Schlosses Ranshofen bei Braunau, das einst seinen Eltern gehörte. Im Anschlussjahr 1938 wurde seine katholische Familie mit ihren jüdischen Wurzeln von den Nationalsozialisten aus Braunau vertrieben. Egon ist zu dem Zeitpunkt bereits Völkerbund-Diplomat in Genf. Den Grundstein dafür hatte er mit dem Studium von Staatswissenschaft, Rechtskunde und Geschichte gelegt. Anfang der 1920er-Jahre beginnt er journalistisch zu arbeiten, zuerst in Hamburg, dann in London. Sein Buch „Portrait der britischen Arbeiterpartei“ wird zum Bestseller. Deshalb entsendet die britische Regierung den aufgeweckt-humorvollen Sozialdemokraten als Diplomaten. Angesichts der europäischen Katastrophe emigriert Wertheimer 1940 in die USA. Dort wird er zum Geburtshelfer des modernen Österreich und der Vereinten Nationen. Für ein neues EuropaWertheimer, dessen Großvater Ferdinand oberösterreichischer Landtagsabgeordneter war, bekommt an der American University eine Professur. Er arbeitet im Auftrag der US-Regierung an einer Studie, die sich mit der Zukunft Europas beschäftigt. Titel: „Victory Is Not Enough“. Darin finden sich die wissenschaftlichen Grundlagen für eine Demokratisierung und den Wiederaufbau Europas. Selbst die Wirtschaftshilfe im Rahmen des Marshall-Plans geht zum Teil auf diese Initiative zurück, berichtet Egons Wegbegleiter und Zeitzeuge Leopold Kohr. In der renommierten Zeitung „Washington Post“ erscheint 1943 eine Rezension der publizierten Studie. Darin heißt es: „Es ist bemerkenswert, dass Wertheimer und Hitler in derselben Gegend zur Welt kamen. Zwei so unterschiedliche Männer. Der eine zerstört die Völker Europas, und Wertheimer macht sich für die USA Gedanken, wie man den geknechteten Menschen in Zukunft helfen kann.“ Wertheimer und Kohr sorgen in hunderten Presse-Artikeln und Leserbriefen in US-Medien für ein differenziertes Österreich-Bild. Sie legen Grundfesten für die staatliche Eigenständigkeit nach dem Krieg. Wertheimer ist eine treibende Kraft für eine rasche Aufnahme Österreichs in die UNO, für die er ab 1955 in den Kommissionen für Korea, Somaliland und Eritrea arbeitet. Nach seiner Pensionierung hofft er, in Österreich eine sinnvolle Tätigkeit als „Elder Statesman“ zu finden. Vom Gezänk und den Machenschaften der Parteien und Interessenverbände enttäuscht, zieht er sich ins Privatleben zurück. Bei seinem Begräbnis lässt das Außenministerium „letzte Grüße“ überbringen. Dann vergisst ihn Österreich.
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