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Burghauser Anzeiger 7. Mai 2008
Von Uli Kaiser Ernst Florian Winter ist ein Mann von Welt und eine beeindruckende, sowie höchst angenehme Erscheinung. 85 Jahre ist der Österreicher alt und noch immer im Einsatz. So brach er kurz nach seinem Besuch in Burghausen schon wieder in Richtung Kosovo auf. In den Kosovo wurde er von der Diplomatischen Akademie entsandt, um junge Diplomaten auszubilden und sich in Fragen des Umweltschutzes zu engagieren. Hier in Burghausen erfüllte sich am 4. Mai vor 63 Jahren sein Traum. Er befreite Österreich von Hitlerdeutschland und das als amerikanischer Soldat. „Wir gingen etwas außerhalb der Stadtgrenzen in der Nacht mit Schlauchbooten über die Salzach. Ich war mit meinen 12 Leuten die Vorhut“, erinnert sich der in Hopfgarten/Osttirol lebende Diplomat. Mit jugendlichen 21 Lenzen brach der damals von Dachau auf, wo seine amerikanische Einheit stationiert war. Mitten in den Wirren des ausgehenden 2. Weltkrieges tauchten Winter und seine Kameraden in die Idylle unserer Heimat ein. „Überall war es total ruhig. Du hast vielleicht einmal ein Bellen gehört. Ansonsten war es überall friedlich, was für uns ein unglaubliches Erlebnis war.“ Ein Kreis schließt sich In der Nacht landeten Ernst Florian Winter und seine Kameraden am anderen Ufer der Salzach. Der junge Mann, der mit der gesamten Familie in den ersten Tagen nach Österreichs Annektierung durch Hitler im Jahr 1938 aus Österreich geflüchtet war, war wieder zurück in der Heimat: „Ich habe mir somit meinen Traum erfüllt und war mit dabei, um meine Heimat zu befreien.“ Wie Helden wurden die 13 Amerikaner nicht empfangen: „Die Österreicher waren nicht so sehr an einem neuen Österreich, wie im Exil vorbereitet, interessiert. Sie wollten lieber für ihre Partei etwas tun.“, so Winter. Am Morgen des 4. Mai gegen 7.30 Uhr war er mit seiner Vorhut an seinem ersten österreichischen Bestimmungsort angekommen: „Ich hatte eigentlich gedacht, dass es ein Kloster ist. Aber dann landeten wir bei der Brauerei Schnaitl in Gundertshausen.“ Ernst Florian Winter setzt Bürgermeister ein Ernst Florian Winter hatte mehrere Aufgaben. Er war eine Art Quartiermeister für das Divisionskommando der 86. Black Hawk Division. Außerdem setzte er Bürgermeister ein: „Das war gar nicht so leicht. Erstens musste man jemanden finden, der nicht Parteimitglied war. Zweitens sollte er das Zeug und die Lust dazu haben. Deshalb führte ich mit vielen Gefangenen und Zwangsarbeitern Gespräche. Aufgrund der Interviews fiel dann eine Entscheidung. In Gundertshausen war der 21-Jährige zudem Motivationstrainer für seine Jungs: „Alle wollten eigentlich nur saufen. Der eine oder andere hat schon mal ein Fass Bier mit der Pistole aufgeschossen und sich darunter gelegt wie bei der Einnahme von Würzburg. Das musst in Gundertshausen verhindert werden.“ Allerdings waren ihre Aufgaben noch nicht vollbracht, das Team blieb meist nicht länger als ein oder zwei Nächte an einem Ort. Winter und seine Soldaten mussten aber weiter nach Salzburg, St. Gilgen, Strobl, St. Wolfgang, wo das Ende der Kampfhandlungen sie erreichte. Nebenbei schaute er nach dem Anwesen seiner Schwiegerleute in Aigen bei Salzburg. Seine Braut war Johanna von Trapp mit der er von 1948 bis zu ihrem Ableben 1994 verheiratet war: „Das Schloss stand schon noch. Allerdings war es von Himmlers Leuten noch besetzt.“ Ein Diplomat ersten Ranges Ernst Florian genoss die Ruhe im Salzburger Land und ging mit seiner Truppe in die Berge versteckte Wehrmachtssoldaten aufzuspüren. Eigentlich wollte er an den öffentlichen Gebäuden die österreichischen Adler wehen sehen, doch das war gar nicht so einfach: „Meine Landsleute hatten meist keine österreichische Fahne mehr. Also sagte ich ihnen, sie sollten die Nazifahne nehmen und das Hakenkreuz herausschneiden.“ Lange konnte er die heimatlichen Gefühle nicht genießen. Er musste nur wenige Wochen später das gemütliche Alpenland wieder verlassen. Auf Befehl brach die ganze Division nach Japan auf, um dort die gleichen Aufgaben zu verrichten. Winter hatte in der US-Armee Japanisch studieren müssen. Außerdem spricht der Österreicher noch Englisch, Spanisch, Chinesisch und Russisch. Nach dem Krieg begann eine große Laufbahn für den ehemaligen Soldaten. Der heute 85-Jährige begann als Professor für Geschichte und Politikwissenschaften. Später wirkte er als Diplomat im Hintergrund. 1960 wurde er aus den USA nach Österreich zurückgerufen, wo er von 1964 bis 1967 Direktor der Diplomatischen Akademie war und für die er auch heute noch arbeitet. Von 1968 bis 1970 war er Direktor der sozialwissenschaftlichen Abteilung der UNESCO in Paris. Danach bei der UEP in Nairobi und wurde erster Chef zweier UN-Entwicklungsprogramme in China. Am 3. Mai wurde er mit dem Egon Ranshofen-Wertheimer Preis der Stadt Braunau am Inn ausgezeichnet. |
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