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Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Peacemakers Manual" ORF.at 29. September 2007 Österreichs vergessener SchutzpatronVon Andreas Maislinger & Gerald Lehner Söhne einer Kleinstadt, weltweite Folgen Braunau am Inn, Geburtsort globaler und sonderbarer Gegenpole: Adolf Hitler und Egon Ranshofen-Wertheimer (UNO-Mitbegründer, Stratege des Friedens nach 1945) ... Preis erstmals vergeben: Trapp-Familie Am Freitag, 28. September 2007, beginnen in Braunau am Inn die diesjährigen "Zeitgeschichte-Tage". Es geht bei dem dreitägigen Kongress um einen vergessenen bzw. von politischen Eliten in Österreich verdrängten Braunauer, der 1945 die UNO mit begründete und 1957 in den USA verstarb: Egon Ranshofen-Wertheimer - Jurist, Staatswissenschafter, Journalist und Autor. Erstmals wird aus diesem Anlass der neu geschaffene Ranshofen-Wertheimer-Preis vergeben. Zur Preisträgerin des Jahres 2007 wurde die ehemalige Flüchtlingsfamilie Trapp im US-Bundesstaat Vermont bestimmt. Sie trägt seit Jahrzehnten wesentlich zu einem positiven Image Österreichs in der Welt bei - ungeachtet aller innen- wie außenpolitischen Höhen und Tiefen des Alpenlandes. Die Trapps stammen aus der Stadt Salzburg und auf der Geschichte der Flucht ihrer Vorfahren vor den Nationalsozialisten basieren das Broadway-Musical, die Hollywood-Filme und das neueste Bühnenstück des Salzburger Marionettentheaters mit dem weltberühmten Titel "Sound of Music". Von Österreich vergessen Es gibt noch andere Facetten von Egon Ranshofen-Wertheimer, die mit dem Land Salzburg zu tun haben: Er maturierte 1912 in Salzburg. Sein Bruder Otto betrieb im Bad Gasteiner Ortsteil Böckstein nach dem Zweiten Weltkrieg ein kleines Elektro-Geschäft. Und seine Schwester lebte nach 1945 einige Jahre in der Stadt Salzburg, ehe sich ihre Spur in Italien verliert. Der UNO-Mitbegründer und frühere Berater der amerikanischen Regierung wurde von seiner Heimat nahezu vergessen. Egon Ranshofen-Wertheimer starb 1957 in New York an einem Infarkt. Am 27. Dezember jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. Erstmals würdigen bei dem Kongress in Braunau nun auch Vertreter einer österreichischen Regierung das Leben und Werk des Innviertlers. Mit Habsburg und Kohr gegen Hitler Der bekennende Sozialdemokrat Ranshofen-Wertheimer ging in den USA als Diplomat und weitgereister Hochkommissar der UNO - unter anderem zuständig für die Krisenherde Korea und Eritrea - in Pension und träumte bis zu seinem Tod vergeblich davon, in der alten Heimat Österreich als "Elder Statesman" in der politischen Szene ein wenig mitwirken zu können. Vergeblich. Hier waren in vielen Bereichen längst wieder ehemalige Nationalsozialisten aktiv. Als Diplomat hatte er schon für den Völkerbund in Genf gearbeitet - bis 1940, als Hitlers Regime die meisten Staaten Europas bereits mit Krieg und Vernichtung überzogen hatte. Ranshofen-Wertheimer versuchte bis zur Invasion der Nazis in Frankreich von Paris aus - gemeinsam mit Kaisersohn Otto Habsburg und dem jungen Journalisten (und späteren Philosophen) Leopold Kohr aus Oberndorf bei Salzburg - eine österreichische Exilregierung gegen das Dritte Reich auf die Beine zu stellen. Vergeblich. Es folgte die Emigration für alle drei. Berater der US-Regierung Im amerikanischen Exil war Ranshofen-Wertheimer als Universitätslehrer und Berater des Weißen Hauses tätig. Er lieferte der US-Regierung unter Präsident Franklin D. Roosevelt viele Hintergrundinformationen über den Nationalsozialismus und Hitlers Heimatregion im oberösterreichischen Innviertel. Auch andere Brutstätten der Nazi-Ideologie - wie Bayern und den Berliner Raum - beleuchtete Ranshofen-Wertheimer in zahlreichen Publikationen und Reden. Als Kommentator arbeitete er während des Zweiten Weltkrieges unter anderem auch für Zeitungen wie "New York Times" und "Washington Post". 26. Juni 1945, San Francisco: UNO Kurz nach Kriegsende war der Braunauer als einziger Österreicher unter den Mitbegründern der neuen Friedensordnung für die Staatenwelt. Die neue Charta der Vereinten Nationen (UNO) in der Nachfolge des gescheiterten Völkerbundes wurde schon am 26. Juni 1945 - nicht einmal zwei Monate nach Kriegsende in Europa - in San Francisco (Kalifornien) von Vertretern aus 50 Staaten unterzeichnet. Seine Bücher "Victory is not enough - Strategy for a lasting Peace", "Peacemakers Manual" und "The International Secretariat - A Great Experiment in International Administration" zählen zu den Grundlagen der Vereinten Nationen. Völkerbund: "Aus Fehlern lernen" Ranshofen-Wertheimer analysierte mit kritischem Blick den Aufbau und das Scheitern des Völkerbundes. Im Vorwort heißt es, dass die Großmächte bereit seien, für die UNO einige positive Strukturen des Völkerbundes zu übernehmen, nicht jedoch die zahlreichen Fehler. Die Arbeit galt in Fachkreisen als bahnbrechende Studie: Der Autor habe zehn Jahre des Völkerbundes (1930 bis 1940) hautnah miterlebt und Dokumente verarbeitet, die normalerweise niemandem zugänglich seien, pries der wissenschaftliche Laudator George A. Finch 1945 in den USA das druckfrische Werk. Trommelfeuer gegen die Nazis Mit seinem jüngeren Kollegen Leopold Kohr aus Salzburg entfachte Ranshofen-Wertheimer ab 1940 in den USA und Kanada ein publizistisches Trommelfeuer gegen das nationalsozialistische Regime. Das Duo engagierte sich in zahlreichen Publikationen für die Eigenständigkeit Österreichs und gegen die Benachteiligung von österreichischen Flüchtlingen in Nordamerika. Bibliografie, Quelle: Lehner, Gerald - Die Biografie des Philosophen und Ökonomen Leopold Kohr. Verlag Deuticke. Wien 1994. Biografische Forschung Ranshofen-Wertheimer schrieb mehrere Bücher über die Friedensordnung nach 1945. Er wurde zu einem Wegbereiter für die UNO, die sich in San Francisco konstituierte. Story der Trapp-Familie auf US-Tournee
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