16. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Peacemakers Manual"
Egon Ranshofen Wertheimer, 1894 Braunau - 1957 New York
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 28.- 30. September 2007


Kurier 30. September 2007


Elizabeth von Trapp: Die Enkelin der legendären "Sound of Music"-Gründer kam zum ersten Mal nach Österreich. Und ging hier auf Spurensuche.

Die Heimkehr der Frau von Trapp

Von Georg Markus

Eine typische Amerikanerin. Zum ersten Mal in Österreich. Sie kommt aus einer kleinen Stadt in Virginia und sagt "beautiful" wie so viele Reisende. Doch sie sieht die Landschaft mit anderen Augen als sonstige Touristen. Denn sie kennt all das aus den Erzählungen ihrer Großmutter sehr genau. Elizabeth von Trapp gehört Österreichs wohl berühmtester Dynastie in den USA an.

Wir treffen uns in einer riesigen alten Villa im Salzburger Stadtteil Aigen, in der einst ihre Großeltern, ihr Vater und seine Geschwister lebten. Von hier aus nahm die unglaubliche Geschichte der Familie Trapp ihren Ausgang. "Ich fühle mich wie zu Hause", sagt die 54-Jährige, während sie die repräsentativen Räume der Villa besichtigt. "Und ich kann verstehen, dass meine Großeltern von da nach Vermont gingen, weil dieser US-Staat dem Salzburgerland sehr ähnlich ist."

Die Trapp-Familie, das ist nicht nur ein Stück Musik-, sondern auch Zeitgeschichte. Sie beginnt im Jahre 1922, als die erste Frau des Marine-Offiziers Georg Ritter von Trapp starb und ihn mit sieben Kindern zurückließ. Auf der verzweifelten Suche nach einer Gouvernante fand er die Novizin Maria Augusta Kutschera, die ihm von den Benediktinerinnen im Stift Nonnberg als Erzieherin "geliehen" wurde.

Maria freilich legte das Ordenskleid ab und heiratete den um 25 Jahre älteren Aristokraten. Zu den sieben Kindern kamen drei hinzu, und nach ein paar Jahren hatte die junge Ehefrau die Idee, aus den schönen Singstimmen der Kinder einen Familien-Chor zu bilden. Und der wurde weltberühmt.

Sechs der zehn Kinder leben - zwischen 76 und 94 Jahre alt - heute noch, weiters gibt es 25 Trapp-Enkel und 40 Urenkel - fast alle sind in den USA zu Hause. Obwohl der Chor 1956 nach mehr als 2000 Konzerten offiziell aufgelassen wurde, sind nach wie vor vier Enkel als "Trapp Family Singers" weltweit unterwegs.

Elizabeth ist "stolz darauf, eine von Trapp zu sein. Denn das ist eine Familie, die Charakter bewiesen und ihre Tradition bewahrt hat. Allerdings liebe ich die wahre Familiengeschichte mehr als die, die man aus Filmen und dem Musical kennt."

Was ist der Unterschied? War die Liebe des Georg und der Maria Trapp nicht ganz so groß wie von Hollywood inszeniert? "Oh ja schon, aber nicht sofort", vermutet die Enkelin. "Als Maria ins Haus kam, liebte sie zunächst die Kinder, die ja nur wenige Jahre jünger waren als sie. Die Liebe zu meinem Großvater kam erst später hinzu."

1938 schrieben die Trapps Geschichte. Denn als Hitler in Österreich einmarschierte, packte das Ehepaar seine zehn Kinder, ging mit ihnen auf US-Tournee - und blieb.

Die Großfamilie wurde in Amerika nicht nur als musikalische Sensation gefeiert, sondern auch als Beweis dafür, dass nicht alle Österreicher Nazis waren. Die "Trapp Family" kaufte eine Farm in Vermont und organisierte nach dem Krieg eine gigantische Spendenaktion zugunsten hungernder Österreicher. Tourneen führten sie jetzt nach Europa, Süd- und Mittelamerika, Kanada und Australien.

"Ich konnte dem Chor leider nie angehören", sagt Elizabeth Trapp mit Wehmut. Sie hat seit ihrer Kindheit ein schweres Gehör-Leiden - und versteht doch jede Frage, die ich ihr stelle. "Ich lese alles, was Sie sagen, von Ihren Lippen ab", erklärt sie. Das beherrscht sie so perfekt, dass es keinerlei Verständigungsprobleme gibt. Nur die Musik bleibt ihr weitestgehend verschlossen. "Aber das ist Okay", lächelt sie, "ich habe die Musik im Herzen."

Elizabeth von Trapp ist Pastorin der United Methodist Church in Farnham/Virginia. "Meine streng katholische Großmutter Maria wäre entsetzt, mich als Methodistin zu sehen", gesteht sie. "Aber heute würde sie mich verstehen. Denn im Himmel erkennt sie, dass jeder, der für Gott arbeitet, eine wichtige Funktion hat." Die zweifache Mutter wollte seit ihrer Kindheit Priesterin werden - "am liebsten Papst. Aber da das bei den Katholiken nicht möglich ist, wechselte ich 1991 zu den Methodisten."

Weltberühmt wurden die Trapps, als Maria nach dem Tod ihres Mannes, 1947, die Geschichte ihrer Familie niederschrieb. Das Buch diente einem deutschen und einem (mit fünf "Oscars" ausgezeichneten) amerikanischen Film als Vorlage, wobei Ruth Leuwerik und Julie Andrews die Maria Trapp spielten. Auch als Theatermusical des Erfolgsteams Rodgers und Hammerstein ging "The Sound of Music" um die Welt. Heute noch nennen drei von vier Touristen aus den USA "The Sound of Music" als Hauptgrund für ihre Reise nach Österreich.

"Reich sind wir damit nicht geworden", erklärt Elizabeth von Trapp. "Denn meine Großmutter hatte die Film- und Bühnenrechte für nur 9000 Dollar verkauft." Geblieben ist das familieneigene Hotel in Vermont, das heute von Elizabeths Onkel Johannes von Trapp geführt wird.

In Amerika ist die "Trapp Family" immer noch eine Art Nationalheiligtum. "Viele werden ganz verrückt, wenn ich meinen Namen nenne", sagt Elizabeth. "Oft kommen Leute auf mich zu und fragen, ob sie mich berühren dürfen, weil sie nicht glauben können, eine echte Trapp vor sich zu haben."

Auf ihrem Rundgang durch Salzburg wurde Elizabeth von Dr. Franz Wasner begleitet, dessen gleichnamiger Onkel der Chorleiter der "Trapp Singers" war und die Familie 1938 in die Emigration begleitete. Prälat Wasner war es, der die Kinderstimmen geschult und damit erst ihre Weltkarriere ermöglicht hatte.

Von Salzburg fuhr Elizabeth zu einer Ehrung nach Braunau (siehe Kasten). "Es war wunderbar", sagt sie am Ende ihrer Reise, "die Begegnung mit meiner Familiengeschichte faszinierte mich."

georg.markus@kurier.at

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Warum Elizabeth von Trapp jetzt nach Österreich kam

Der eigentliche Grund ihres Österreich-Besuchs ist eine Ehrung, die Elizabeth von Trapp-Walker gestern, Samstagabend, stellvertretend für die Familie Trapp, in Braunau am Inn entgegennahm: Mit dem Egon Ranshofen-Wertheimer-Preis werden Österreicher gewürdigt, die sich in besonderer Weise im Ausland für Österreich einsetzen. Die Ehrung durch Bürgermeister Gerhard Skiba fand im Rahmen der 16. Braunauer Zeitgeschichte-Tage statt, mit denen sich die Stadt bewusst mit dem "unerwünschten Erbe" (Hitlers Geburtsort zu sein) auseinandersetzt, erklärt Andreas Maislinger, der wissenschaftliche Leiter der Tagung.

 


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