18. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Verkleinerte Welt“
Das Wirtshaus als politischer Ort
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 2.- 4. Oktober 2009


OÖNachrichten Braunauer Warte am Inn 1. Oktober 2009


Bei den Zeitgeschichte-Tagen: Die Wirtshaus-Buam erzählen

BRAUNAU. Die Zeitgeschichte-Tage haben vom 2. bis 4. Oktober „Verkleinerte Welt. Wirtshaus als politischer Ort“ zum Thema. Dort kommen auch ehemalige Wirtshaus-Buam zu Wort.

„Die Kirche ist das Wirtshaus des lieben Gottes“, sagt Pater Dr. Johannes Pausch. „Es gibt da keine Trennung. Selbst die, die sich als ungläubig bezeichnen, gehen ins Wirtshaus, um genau das zu erleben, was sie auch in der Kirche erleben: Beziehung!“

Neben Altlandeshauptmann Ratzenböck, der aus einem Wirtshaus stammt, ist morgen, Freitag, um 20 Uhr, Dr. Hans Göttler im Gugg zu hören. Der 56- jährige Uni-Professor und Literat stammt vom Simbacher Weißbräu und Wirtshaus Göttler ab. „Das Wirtshaus hat mein Leben bestimmt, von Kindesbeinen an habe ich in der Brauerei und im Wirtshaus mitgeholfen, war beim Ausliefern dabei und weiß um die Bedeutung von Wirtshäusern“, sagt Göttler.

Der Stammtisch war früher und ist heute ein fixer Bestandteil im Leben vieler Männer. „Bei uns ist Freitag Stammtischtag. Früher ging es da hoch her, Bürger, Handwerker, Beamte und Angestellte sind beisammen gesessen, oft bis weit nach Mitternacht. Geredet wurde über fast alles, nicht aber über außereheliche Beziehungen, weil die gab‘s ja nicht“, sagt Göttler schmunzelnd.

Sein Vater, der Gastwirt, hat sich immer neutral verhalten, hat nie Partei ergriffen, wenn es politische Diskussionen gab. Auch Karten gespielt hat er nie mit Gästen.

Eine gute Kellnerin, in Bayern Bedienung genannt, war immer wichtig. Im Haus Göttler gab es welche, die Originale waren und zum Haus gehörten, aber auch welche, die auf Männer intensiver eingegangen sind. „Für die Kommunikation waren gute Bedienungen unerlässlich“, sagt er.

Serviert wurden beim Stammtisch neben Bier Sulz, G‘schwollene, also Knacker, Schweinswürstel und Bierbrezn. Göttler erinnert sich an die 50er-Jahre, als die Eisblöcke von Passau zur Kühlung des Bieres kamen und als auf der Rennbahn für die Schützen im Sommer ausgeschenkt wurde.

Und Frauen am Stammtisch? Sie kamen manchmal gegen Mitternacht und wurden von den Männern besonders hofiert und eingeladen.

Beim Göttler gibt es bis heute den klassischen Stammtisch und auch eine Reihe von Vereinen trifft sich hier regelmäßig. Übernachten kann man hier auch im von seiner Schwester geführten Hotel. Wer will, kann das auch im Zimmer 16, in dem Papst Benedikt schlief, als er noch Kardinal war, tun. „Aber nur wer bei meiner Mama vorher gebeichtet hat“, so Göttler.

  • Ausstellung: Parallel zu den Zeitgeschichte-Tagen zeigt Renate Hoerner Fotos rund ums Wirtshaus aus der Sammlung des Brauner Fotografen August Kreuz. Geöffnet bis 4. Oktober in der Herzogsburg.
  • Weitere Infos im Internet auf: www.hrb.at/bzt

 
 stadt braunau
 hrb
 aktuell
 programm
 ausstellung
 anmeldung
 archiv
 referenten
 sponsoren
 links
 kontakt
 verein
 short info english
 other languages
Seitenanfang