18. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Verkleinerte Welt“
Das Wirtshaus als politischer Ort
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 2.- 4. Oktober 2009


OÖNachrichten 3. Oktober 2009


Wo Politik wirklich gemacht wird

Von Klaus Buttinger

„Politik hat seit jeher im Wirtshaus stattgefunden“, sagt der Innsbrucker Politikwissenschafter Andreas Maislinger, der die Braunauer Zeitgeschichte-Tage ausrichtet. Am Stammtisch werde große Welt abgehandelt und die kleine bestimmt. Wirte wirkten beeinflussend, wurden gar zu Anführern von Aufständen, wie der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer.

Der österreichische Jurist, Philosoph und Träger des Alternativen Nobelpreises Leopold Kohr (1909– 1994) erhob diesen Ort zum „Akademischen Wirtshaus“, zur Diskussionsplattform, und wünschte sich dort ein egalitäres Klima.

Tatsächlich waren und sind zum Teil immer noch Wirtshäuser Männerwelten. An den Stammtischen herrschte einerseits strenge Hierarchie – hier die Bürger, dort die Bauern – andererseits eine Art demokratische Grundhaltung im Sinn von „Wer redt, der redt“, sagt Maislinger.

Trotz der zunehmend wichtigeren Rolle von Medien und elektronischen Netzwerken in der politischen Debatte haben Wirtshäuser nicht ausgedient. „Für einen Kommunalpolitiker ist es wichtig, das Ohr beim Bürger zu haben“, sagt der erfolgreiche Bürgermeister Franz Saxinger aus Leopoldschlag. „Politik ist am Wirtshaustisch auch Unterhaltung, und als Politiker muss man mit den Leuten auch lachen können.

Alt-Landeshauptmann Josef Ratzenböck geht sogar soweit, ein verpflichtendes Wirtshaus-Praktikum für Politiker vorzuschlagen. Dort würden sie lernen, auf Menschen zuzugehen und zuzuhören.


 
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