18. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Verkleinerte Welt“
Das Wirtshaus als politischer Ort
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 2.- 4. Oktober 2009


OÖNachrichten Braunauer Warte am Inn 8. Oktober 2009


Die Wirtsbuam wussten, wie es im Wirtshaus zugeht

BRAUNAU. Die 18. Braunauer Zeitgeschichtetage hatten die verkleinerte Welt des Wirtshauses und wie in dieser Politik gemacht wurde, zum Thema.

Zum Eröffnungsvortrag waren zwei prominente Wirtssöhne eingeladen. Ihre Zugkraft und die Aktualität des Themas war so groß, dass das Gugg bis zum letzten Platz besetzt war. Altlandeshauptmann Josef Ratzenböck, Wirtssohn aus Neukirchen, und Hans Göttler, Universitätsprofessor in Passau, Wirtssohn vom Weißbräu Göttler in Simbach, waren in blendender Form, als sie von ihrer Jugend und der Arbeit im elterlichen Betrieb berichteten.

Es war äußerst amüsant, wie sie sich die „Hölzln“ gegenseitig zuwarfen und Lebensweisheiten, die sie im Wirtshaus erfahren hatten, weiter gaben. So meinte Ratzenböck: „Gut Zuhören können ist die wichtigste Eigenschaft eines Wirtes und das Gehörte bei sich behalten. Dann kann er drei Therapeuten ersetzen.“ Als er dies einmal in einer Rede sagte, meinte ein bekannter Pyschologe: „Stimmt nicht, es sind nur zwei!“

Einen viel beachteten Vortrag hielt der Schweizer Historiker Beat Kümin, der an der University of Warwick lehrt. In einer leseunkundigen Gesellschaft waren Wirtshäuser Orte der Kommunikation, aber auch Kristallisationspunkte von Widerstandsbewegungen, in denen Wirte eine wichtige Rolle spielten, wie das Beispiel Andreas Hofer oder der Aufstand 1705/1706 zeigte. Wirtshäuser waren Landmarken auf wichtigen Straßen, denn man reiste nicht zum Vergnügen.

Von Hofer zu Hitler

Hans Heiss, Historiker und Politiker aus Südtirol, beschäftigte sich mit der Entwicklung vom Gasthof Neuzeit zum Hotel unserer Zeit. Zum Beginn des großen Tourismus, der mit dem Aufstieg des Bürgertums unmittelbar zu tun hat, traf der Gast in den Alpen auf sehr unterschiedliche hygienische und kulinarische Verhältnisse. So entwickelten sich aus Poststationen um 1850 die ersten Hotels.

Hella Schlumberger versuchte das Andenken an Georg Elser ins Bewusstsein der Zuhörer zu rufen. Der kleine Tischlergeselle als Einzelkämpfer und sein Attentatsversuch im Bürgerbräukeller ist vielen nicht bekannt, obwohl er sehr nahe an Hitler war.

Der Obmann des Vereines für Zeitgeschichte, Direktor Florian Kotanko – man hätte ihn nicht als Einspringer, sondern sofort als Referenten einplanen sollen – berichtete über Braunauer Wirtshäuser, vor allem über solche, die es heute nicht mehr gibt. Dass der „Dafner“ – so hieß ein Wirtshaus in der Salzburger Vorstadt – 1912 von Josef Pommer gekauft wurde, wissen die wenigsten. Dass dieses Haus einmal eine fast weltweite Bedeutung erlangen würde, konnte damals niemand ahnen.

Das Hotel Fink und der Nussgarten wurden in der Erinnerung zum Leben erweckt und die noch vorhandene Gästeliste unterstrich die Bedeutung dieses Hotels. So stiegen Kaiser, Erzherzöge, Wirtschaftsgrößen und Minister darin ab. Es wurde sogar damit geworben, dass fließendes Wasser in den Zimmern und elektrisches Licht vorhanden sei, was zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert gar nicht selbstverständlich war.

Die Erinnerung an Frieda Stechl vom Stechlbräu oder an die Weindiele erzeugten in den älteren Braunauern eine leise Wehmut.


 
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