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18. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Verkleinerte Welt“ Hans Göttler, Aus dem Tagebuch eines Wirtsbuben Als ich am Sonntag, dem 3. Mai 1953, in dem kleinen niederbayerischen Grenzstädtchen Simbach am Inn als
Wirtshausbua das Licht der Welt erblickte, war Väterchen Stalin schon einige Wochen tot, aber der Tag der deutschen Einheit
noch nicht ausgebrochen. Somit war nicht bloß mir schon frühzeitig die weltgeschichtliche Bedeutung meiner Existenz als
"Dazwischensteher" klar: Ähnlich wie bei Goethe, hieß es bald auch über mich: "Prophete rechts, Prophete links, das
Weltkind in der Mitten!" Und ein "Weltkind" braucht natürlich auch die passende Kindswelt zum Aufwachsen, in meinem Fall
hatte ich ja für mich ein Wirtshaus in Altbayern ausgewählt. Das Haus meiner Geburt war das alte Simbacher Krankenhaus in
der Pfarrkirchner Straße, nur ein paar Meter von meinem elterlichen Wirtshaus, Weißbräu Göttler, entfernt. Meine Mutter
Irma Göttler, geb. Wagner, ein Wirtshausdirndl aus Griesbach im Rottal und zum Zeitpunkt meiner Geburt 23 Jahre jung, war
über die geringe Entfernung zwischen Krankenhaus und Wirtshaus sehr froh, da sie somit während des Geburtsvorgangs, der um
zwei Uhr früh abgeschlossen war, und auch gleich danach das Wirtshausgeschäft - zumindest verbal - mitversorgen konnte.
Wir zwei lagen ja in Rufweite des Vaters. Derselbe war natürlich auch schon einmal ein Wirtshausbua gewesen, zählte 30
Lenze, fungierte inzwischen als Wirt und Weißbräu und war der dritte Hans Göttler in ununterbrochener Reihenfolge. Damit
stand auch schon mein Vorname fest und ich wurde Hans Göttler IV. […]
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