18. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Verkleinerte Welt“
Das Wirtshaus als politischer Ort
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 2.- 4. Oktober 2009


Hans Göttler, Aus dem Tagebuch eines Wirtsbuben

Als ich am Sonntag, dem 3. Mai 1953, in dem kleinen niederbayerischen Grenzstädtchen Simbach am Inn als Wirtshausbua das Licht der Welt erblickte, war Väterchen Stalin schon einige Wochen tot, aber der Tag der deutschen Einheit noch nicht ausgebrochen. Somit war nicht bloß mir schon frühzeitig die weltgeschichtliche Bedeutung meiner Existenz als "Dazwischensteher" klar: Ähnlich wie bei Goethe, hieß es bald auch über mich: "Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind in der Mitten!" Und ein "Weltkind" braucht natürlich auch die passende Kindswelt zum Aufwachsen, in meinem Fall hatte ich ja für mich ein Wirtshaus in Altbayern ausgewählt. Das Haus meiner Geburt war das alte Simbacher Krankenhaus in der Pfarrkirchner Straße, nur ein paar Meter von meinem elterlichen Wirtshaus, Weißbräu Göttler, entfernt. Meine Mutter Irma Göttler, geb. Wagner, ein Wirtshausdirndl aus Griesbach im Rottal und zum Zeitpunkt meiner Geburt 23 Jahre jung, war über die geringe Entfernung zwischen Krankenhaus und Wirtshaus sehr froh, da sie somit während des Geburtsvorgangs, der um zwei Uhr früh abgeschlossen war, und auch gleich danach das Wirtshausgeschäft - zumindest verbal - mitversorgen konnte. Wir zwei lagen ja in Rufweite des Vaters. Derselbe war natürlich auch schon einmal ein Wirtshausbua gewesen, zählte 30 Lenze, fungierte inzwischen als Wirt und Weißbräu und war der dritte Hans Göttler in ununterbrochener Reihenfolge. Damit stand auch schon mein Vorname fest und ich wurde Hans Göttler IV. […]
(Auszug; bisher unveröffentlicht, August 2009)


  

  

  




 
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