18. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Verkleinerte Welt“
Das Wirtshaus als politischer Ort
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 2.- 4. Oktober 2009


Markwart Herzog

Das Wirtshaus als Bastion des Fußballsports

Die Geschichte des Fußballsports ist seit Anbeginn aufs Engste mit Wirtshäusern verbunden. So wurden beispielsweise in Deutschland und Österreich unzählige Fußballvereine in Gaststätten gegründet, Wirte erweisen sich als treue Mäzene der Sportvereine vor Ort. Umgekehrt werden Fußballclubs selbst gastronomisch aktiv, wenn sie in ihren Sportanlagen Vereinsgaststätten betreiben.

Bereits im 19. Jahrhundert treten in Großbritannien die Besitzer von Pubs und Gaststätten als Veranstalter und Organisatoren nicht nur des Fußballs, sondern auch zahlreicher anderer Sportarten auf und errichten Sportanlagen in unmittelbarer Nähe des Wirtshauses, um Publikum zu gewinnen, Gäste zu binden und die Nachfrage nach Speis und Trank zu steigern. Bis heute bietet die Eröffnung von Kneipen und Gaststätten eine berufliche Perspektive für Kicker, die in die Jahren gekommen sind und auch nach der Profizeit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Die Geselligkeit der Anhänger eines Fußballclubs spielt sich nicht nur in Stadien und auf Sportplätzen ab, sondern auch in den Vereinslokalen, wo nach dem Spiel die so genannte Dritte Halbzeit gefeiert wird. Ein spannendes Thema ist die Loyalität von Stadtvierteln mit Fußballclubs sowie die Beziehungen zwischen verfeindeten Stadtteilen, die sich mit rivalisierenden Fußballvereinen identifizieren. Solche stadtgeorgraphischen Gesichtspunkte und lokalspezifischen Rivalitäten spiegeln sich sehr anschaulich in den konkurrierenden Loyalitäten der Vereinsgaststätten.

Mit dem Spagat zwischen Sportplatz und Wirtshaus haben die Funktionäre des Fußballs bis heute ihre liebe Not. Denn der Widerspruch zwischen der von der Sportbewegung propagierten Jugend- und Gesundheitspflege und den von Alkohol und Nikotingenuss ausgehenden Gefahren ist eklatant. Schließlich sollen die Jugendlichen durch Sport von den zivilisatorischen Lastern ferngehalten werden. Dementsprechend skurril gestalten sich seit dem frühen 20. Jahrhundert die Argumente, mit denen man versucht, Sport und Kneipe gleichsam unter einen Hut zu bekommen.

Seit den 1950er Jahren ist der in Kneipen gemeinschaftlich genossene Fernsehfußball ein bemerkenswertes Phänomen. Als die europäischen Haushalte noch nicht flächendeckend mit Fernsehgeräten ausgestattet waren, boten Gaststätten oftmals die einzige Möglichkeit, um Fußballspielberichte zu sehen. Heute erlebt diese Tradition mit dem Pay-TV einen neuen Aufschwung.

Diese und andere Aspekte der vielschichtigen und spannenden symbiotischen Beziehungen zwischen Fußball und Wirtshaus werden von dem Sport- und Kulturhistoriker Dr. Markwart Herzog (Schwabenakademie Irsee) unterhaltsam, allgemeinverständlich und mit Bildmaterial veranschaulicht dargestellt.



Feier der Westpfalzmeisterschaft 1929 des Fußballvereins Kaiserslautern im Lokal Ludwig Walter zu Kaiserslautern, Bismarckstr. 24.

Copyright: Markwart Herzog, Schwabenakademie Irsee



 
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