Oberösterreichische Nachrichten   3. Oktober 2010


Braunauer Zeitgeschichtetage: „Stadt ist gebaute Gesellschaft“

BRAUNAU. Die Entwicklung der Stadt war Thema der 19. Braunauer Zeitgeschichtetage. Eine höchst aktuelle Entwicklung war das prägende Randthema.

„Stadt ist gebaute Gesellschaft“
Bei einer Stadtführung erfuhren auch viele Braunauer Interessantes über die Stadt.  
Bild: mora

 

Wie es nach dem Rücktritt von Bürgermeister Gerhard Skiba weitergeht, wurde in den Pausen besprochen. Verschiedenste Epochen und deren Auswirkungen auf das städtische Gefüge waren das Hauptthema der diesjährigen Zeitgeschichtetage. Alte Filme und Stadtführungen bereicherten die Tagung, die gut besucht war.

Den Einführungsvortrag hielt der Innsbrucker Architekt Martin Mutschlechner zur gar nicht einfachen Fragestellung „Was ist Stadt?“ Er skizzierte die Entwicklung von Städten seit der Antike bis hin zur modernen Stadt, die enorme Veränderungen erfuhr und in der das Auto dominiert. Im Grunde gaben die Römer das Bild vor, das nachfolgende Städte prägte, schließlich entwickelten sie die grundlegende Infrastruktur.

„Stadt ist gebaute Gesellschaft“ und „die Geschichte der Urbanität ist auch immer eine Geschichte der Mobilität“ fasste der auch als Stadtplaner tätige Südtiroler zusammen. Beides treffe auch auf Braunau zu. Bei der anschließenden Diskussion wurde am konkreten Beispiel Braunau aufgeworfen, dass hier der Inn – nicht wie in anderen Städten im Zentrum stehe – sondern abseits vorbeifließe. Eine Beobachtung, die auch Mutschlechner bestätigte und als Anregung für künftige Überlegungen sah: „Der Inn ist etwas Verbindendes, Braunau und Simbach sollten den Fokus darauf richten.“

Schule der Kriegsmarine

oon3
Die Marineakademie in der Salzburger Vorstadt – heute Bucheder/Baccili Bild: baier

 

Ein wenig bekanntes Kuriosum ist, dass die Militärakademie der k.u.k.-Marine während der Kriegsjahre 1915 bis 1918 in Braunau untergebracht war.

Diese Ausbildungsstätte für die Kriegsmarine war bis Kriegsbeginn in Fiume (Dalmatien), ehe sie im Umweg über Schlosshof bei Wien in die Torkaserne in Braunau verlegt wurde. Der Wiener Militärhistoriker Walter Blasi rekonstruierte die politischen und verwaltungstechnischen Entscheidungen rund um die Militärakademie in Braunau, die sich als schlechtes Provisorium entpuppte, weil es hier raummäßig beengt war und die Möglichkeit der praktischen Ausbildung fehlte. Entsprechend mangelhaft waren die Ausbildungsergebnisse, wie Zeitzeugen bestätigen. Bei Auflösung der Marineakademie in Braunau 1918 fiel das Inventar Plünderungen zum Opfer. (haig)

Braunau in Bayern

Der junge Historiker Anton Brandner von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zeichnet verantwortlich für den Teil Braunau des Historischen Atlasses von Bayern. Dieses mittlerweile 100 Bände umfassende Werk stellt die Besitz- und Herrschaftsverhältnisse in Altbayern aus der Sicht der Münchner Zentralbehörden dar.

Bei den Zeitgeschichte-Tagen ließ er die Geschichte von „Braunau in Bayern“ über die Jahrhunderte Revue passieren. „Die Gründung der Stadt Braunau erfolgte nach einem geostrategischen Plan und ist eher als Befestigung einer bestehenden Siedlung mit gezielter Anwerbung von Siedlern zu verstehen.“ An die Stelle der Kloster- waren die Stadtgründungen getreten. Dass Braunau vor allem durch den Salzhandel eine enorme Bedeutung hatte, könne man noch heute an den Dimensionen des Stadtplatzes ablesen.

Von 1938 bis 1955

Die Kriegsjahre in Braunau waren der Schwerpunkt im Referat von Florian Schwanninger. Der gebürtige Hochburg-Acher ist im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim tätig. Schwanninger berief sich in seinem Vortrag oft auf die Neue Warte, in der sofort nach dem Anschluss ein neuer Chefredakteur eingesetzt wurde.

Nach dem Einmarsch am 12. März 1938 in Braunau zeigte Hitler kaum noch Interesse an seiner Geburtsstadt, besucht hat er sie nie wieder. Allerdings führten viele „Kraft-durch-Freude“-Fahrten nach Braunau. Die Eingemeindung von Ranshofen und die Gründung des Aluminium-Werks zählten zu den ersten Maßnahmen. Auffallend viele Priester, eine Gruppe Zeugen Jehovas und Kommunisten in der Region wurden verfolgt, verschleppt oder ins KZ gebracht. Nach Kriegsende lebten 200.000 Menschen im Bezirk, darunter viele Flüchtlinge.

Wie sehr das Aluminium werk die Stadt Braunau geprägt hat, beleuchtete die gebürtige Laaberin Margarete Asenstorfer, schon bei ihrer Dissertation Ende der 80er-Jahre. Bei den Zeitgeschichtetagen referierte sie über die Jahre 1945 bis 1955.

Die Vereinigten Aluminiumwerke waren der Motor für den Zuzug in Braunau. Die Einwohnerzahl hat sich in der Nachkriegszeit verdoppelt. Der Bedarf an Wohnraum stieg enorm, Siedlungen in Ranshofen, Braunau-Süd und Laab entstanden, letztere wurde als Gartenstadt konzipiert. In den Arbeitervierteln gab es Geschäfte, Schule, Sport- und Spielplatz. Vereine entwickelten sich. Die Bewohner blieben eher unter sich, sie mussten nicht in die Stadt. Per Bahn fuhren die Arbeiter ins Werk, allein in der Gartenstadt Laab gab es zwei Haltestellen. Zwischen dem Werk und dem Rathaus entstand früh eine enge Verflechtung. (mora)

 

 
 stadt braunau
 hrb
 aktuell
 programm
 ausstellung
 anmeldung
 archiv
 referenten
 sponsoren
 links
 kontakt
 verein
 short info english
 other languages
Seitenanfang