"Für eine Liebe so bestraft..."

Deutsche Frauen und Zwangsarbeiter

Ein Film von Erika Fehse

Freitag, den 13. Oktober 2000 um 23.00 Uhr im WDR

Es waren Hunderte, wahrscheinlich Tausende - genaue Zahlen sind bislang nicht bekannt: Frauen, die während des Nationalsozialismus wegen ihrer Liebe zu Zwangsarbeitern / Kriegsgefangenen oft Jahre hinter den Mauern der Gefängnisse oder Konzentrationslager verschwanden. Darunter auch Frauen, denen ein Verhältnis angedichtet wurde, allein um ihnen zu schaden. Die Denunzianten waren die Nachbarn, die Verwandten, die "Freunde".

Unter den Nazis hieß dieses Verbrechen: "Verbotener Umgang". In den späten Kriegsjahren ein Massendelikt. Wenn der Feind zum Freund, ja zum Geliebten wurde, zog man auch diesen zur Rechenschaft. Haft oder im schlimmsten Fall Mord: Erhängung im Beisein von Hunderten anderer Zwangsarbeiter zum Zwecke der "Abschreckung".

Zum Beispiel Anna S. Sie lernte bei der Arbeit in der Molkerei den russischen Zwangsarbeiter Wassily Koslow kennen. Heimlich trafen sie sich am Abend, wenn die Bewacher nicht genau aufpassten, die Wassily vom Bauernhof, auf dem er Sklavenarbeit tat, zum Gefangenenlager brachten. Anna wurde schwanger, verschwieg aber, wer der Vater ihres Kindes war. Dann wurde sie denunziert. Irgendjemand zeigte sie an. Bei einer Gegenüberstellung wurde sie gezwungen, auf Wassily zu zeigen. Ein Trauma, das sie nie verwand. Er blieb ihre einzige große Liebe.... bis heute. Sie wurde von einem Gericht zu 15 Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.

Oder Erna S.: Sie war 15 als sie sich in den polnischen Zwangsarbeiter Stefan Luba verliebte, der mit ihr gemeinsam auf einem Gutshof arbeitete. Auch Erna bekam ein Kind. Stefan wurde in der Nähe des Dorfes erhängt und Erna verschwand ein Jahr und acht Monate im Jugend-KZ Uckermark. Sie schaffte es nie - bis heute nicht - mit ihrer Tochter über den Vater zu reden.

Die Frauen haben über 50 Jahre lang versucht zu vergessen, zu verdrängen, sie haben geschwiegen. Der Filmemacherin Erika Fehse ist es gelungen drei dieser Frauen und zwei Töchter aus diesen Verbindungen zu ermutigen ihre Geschichten zu erzählen - Geschichten die anrühren, die erschrecken.....

 
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