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20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Schwieriges Erbe“
19 Jahre nach dem „Unerwünschten Erbe“ 1992
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 23.- 25. September 2011
Passauer Neue Presse 13. September 2011
Hitler-Geburtshaus: Braunau will Gedenkstätte einrichten
Braunau will in Hitlers Geburtshaus eine Gedenkstätte einrichten - Unterstützung von Oscar-Preisträger Branko Lustig
Das Haus in der "Salzburger Vorstadt Nr. 15" in Braunau ist weltbekannt. Warum? Weil Adolf Hitler dort am 20. April 1889 geboren wurde.
In der Mietwohnung im 1. Stock hat er seine ersten drei Lebensjahre verbracht, bevor er dann mit seinen Eltern nach Passau zog.
In der Erinnerungslandschaft Europas gilt jenes aus dem 17. Jahrhundert stammende Haus als Geburtshaus Hitlers. "Dabei ist dort nichts geschehen,
hat kein Verbrechen stattgefunden, das Kind Adolf Hitler kam hier zur Welt, das ist alles", sagt Andreas Maislinger.
Nun ist der Innsbrucker Politologe auf bestem Wege, aus dem Gebäude ein "Haus der Verantwortung" zu machen.
"Auf keinen Fall ein Hitler-Museum"
Maislinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Nationalsozialismus sowie der Bewältigung und
Aufarbeitung seiner Verbrechen. Vom 23. bis 25. September veranstaltet er zum 20. Mal die Braunauer Zeitgeschichte-Tage.
Das diesmalige Thema "Schwieriges Erbe" knüpft an die erste Tagung vor 19 Jahren an, als es um das "unerwünschte Erbe" ging.
In dem Rahmen zwischen "unerwünscht" und "schwierig" bewegt sich auch die Frage, was mit dem Haus werden soll.
Auf keinen Fall will Maislinger ein Museum einrichten. Das weist er weit von sich: "Nein, eben kein Hitler-Museum.
Das Haus soll ein Ort des Gedenkens und der Begegnung werden." "Haus der Verantwortung" nennt es Maislinger, der seit dem Jahr 2000 an der
Umsetzung der Idee arbeitet, hier ein vernünftiges und international vorzeigbares Projekt entstehen zu lassen. Der Bürgermeister von Braunau,
Hannes Waidacher, stellt sich hinter Maislinger, betont aber, dass unter dem Titel "Haus der Verantwortung" nicht gemeint werden dürfte, dass
die heutigen Generationen die Verantwortung für die Schrecken der Vergangenheit übernehmen würden. Maislinger nimmt ihm diese Sorge.
Dass er an Hitler nicht vorbeikommt und gar nicht vorbei will, sei klar. Aber, so Maislinger: "Neben der Vergangenheit, zu der Hitler und sein
Braunauer Geburtshaus gehören, wollen wir ein Stockwerk der Gegenwart widmen und eine Etage der Zukunft. Die Jugend der Welt soll sich treffen
und sich an Projekten der Verständigung und des Friedens beteiligen. Da sollen Wissenschaftler mit Schülern und Studenten darüber nachdenken,
was wir tun können, damit diese Welt für künftige Generationen lebenswert bleibt."
Das Haus, um das es geht, wurde 1912 von einer Braunauer Familie gekauft. 1938 hat es Martin Bormann, Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP,
erworben und es zum Kulturzentrum der Nazis erklärt. Nach 1945 gaben die amerikanischen Besatzer es den Vorbesitzern zurück.
Nun hat es der letzte Mieter - die Organisation "Lebenshilfe, die es als Wohn- und Werkstätte für behinderte Menschen verwendete - verlassen.
Geht es nach Bürgermeister Waidbacher, so soll es nun der österreichische Staat kaufen und in etwa drei Jahren öffentlich zugänglich machen.
Prominente Hilfe kommt jetzt von Branko Lustig. Der 1932 im kroatischen Osijek geborene Lustig überlebte als Kind die Konzentrationslager
Auschwitz und Bergen-Belsen. Nach dem Krieg hat er zunächst eine Filmgesellschaft in Zagreb und später eine Filmfirma in den USA gegründet.
Als Produzent des Films "Schindlers Liste" hat er gemeinsam mit Steven Spielberg den Oscar bekommen. Maislinger hat Lustig 2009 in Washington
kennengelernt. Der Österreicher wurde damals wie Lustig auch im Holocaust-Museum geehrt. "Ich habe mit ihm über das Geburtshaus geredet,
ihm meine Idee vorgestellt und bin auf großes Interesse gestoßen", erzählt Maislinger, der Lustig dann letztes Jahr bei einem Filmfestival
in Zagreb getroffen hat, wobei dieser ihm einen Besuch Braunaus zugesagt hat.
Besuch am Grab der Emilie Schindler
Dieses Versprechen löst er bei den Zeitgeschichte-Tagen ein.
Es sei wichtig, erklärt Lustig, "dass ein Überlebender des Holocaust hierherkommt und sagt: Ich bin immer noch da - und damit allen Neonazis
zu verstehen gibt, dass dort kein Platz für sie ist, dass sie keine Zukunft haben." Lustig will auch das Grab von Emilie Schindler in
Waldkraiburg besuchen. In seinem Film "Schindlers Liste" hatte sie in der Schlusssequenz selbst noch das Grab ihres Mannes, der zahlreichen
Juden das Leben gerettet hat, besucht. Für Maislinger indes steht fest: "Branko Lustig wird ein wichtiges Zeichen setzen und auch in seiner
amerikanischen Heimat für unser Projekt werben."
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