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20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Schwieriges Erbe“
19 Jahre nach dem „Unerwünschten Erbe“ 1992
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 23.- 25. September 2011
„Schwieriges Erbe“ bei Zeitgeschichte-Tagen in Braunau
Linz (APA) – Dem “schwierigen Erbe” widmen sich die 20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage am kommenden Wochenende. Dem wissenschaftlichen Leiter Andreas Maislinger ist es gelungen, Vertreter aus den Geburtsorten Josef Stalins und Benito Mussolinis sowie der Obersalzberg-Gemeinde Berchtesgaden zu gewinnen. Außerdem ist Hollywood-Produzent Branko Lustig (“Schindlers Liste”) zu Gast, er unterstützt Maislinger in dem Vorhaben aus Hitlers Geburtshaus in Braunau eine würdevolle Gedenkstätte zu machen.
Die Geburtsorte von Hitler, Mussolini und Stalin zu vergleichen, sei zu Beginn der Zeitgeschichte-Tage 1992 noch nicht möglich gewesen, weist Maislinger auf die Entwicklung hin. Veranstalter ist der Verein für Zeitgeschichte Braunau unter seinem Obmann Florian Kotanko. Auch die Stadt Berchtesgaden war damals nicht bereit, sich der Auseinandersetzung mit dem Obersalzberg zu stellen. Heuer wird Bürgermeister Franz Rasp am Freitag kommen und Historiker Albert Feiber wird die 1999 eröffnete Dokumentation Obersalzberg vorstellen.
Der Berg sei anders als das Hitler-Geburtshaus in Braunau tatsächlich eine Pilgerstätte für Alt- und Neo-Nazis, führt Maislinger aus. So wie die Geburtshäuser von Mussolini in Predappio/Italien und Stalin in Gori/Georgien. Für Predappios Bürgermeister Giorgio Frassineti (Partito Democratico) ist seine Stadt “eine der vielen Etappen der Geschichte des 20. Jahrhunderts, wie Braunau und Mauthausen. Und wir müssen diese Erinnerung aufrechterhalten, aber nur, damit jene Zeiten nie wiederkehren!”
Etwa 100.000 Menschen kämen zu den Gedenkfeiern, die dreimal im Jahr stattfänden, so Frassineti in einem Interview. Er verurteile diese Veranstaltungen zutiefst, sehe aber keinen Sinn darin, die Krypta zu entfernen. Predappio müsse verstehen, was es im 20. Jahrhundert gewesen sei. “Und gerade deshalb müssen wir die Frontlinie der Demokratie sein.” Nur durch Kultur könne man etwas erreichen, so der Italiener. Er werde den Veranstaltern in Braunau eine ähnliche Tagung in Predappio vorschlagen, kündigte er an. Gemeinsam mit dem Braunauer Bürgermeister Hannes Waidbacher (V) und dem Leiter des Literaturmuseum Tiflis, Lasha Bakradze, diskutiert er am Samstag zum Thema “Unerwünschtes Erbe? Schwieriges Erbe?”
Tags darauf geht es “Von Osijek über Auschwitz nach Hollywood” im Gespräch mit dem Co-Produzenten von “Schindlers Liste” und “Gladiator”, Oscarpreisträger Branko Lustig. Der gebürtige Kroate war selbst als Kind im KZ Auschwitz interniert und will Hitlers Geburtshaus besuchen, sagte er dem Kurier. Er möchte sich dafür einsetzen, dass dort ein vernünftiges, international herzeigbares Projekt entsteht. Nachdem nun die letzten Mieter ausgezogen sind, plant Maislinger darin ein “Haus der Verantwortung” zu schaffen, das sich in den drei Stockwerken der Geschichte Braunaus, der Gegenwart und der Zukunft widmet. Waidbacher unterstützt dieses Vorhaben und schlägt vor, dass die Republik Österreich das Gebäude kauft und öffentlich zugänglich macht.
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